Russland: Soldaten zunehmend von HIV betroffen
In Russland herrsche eine HIV-Epidemie, sagt Alexei Lachow, langjähriger Berater von HIV-Programmen in Russland, gegenüber SRF. Fast ein Prozent der russischen Bevölkerung lebt mit dem Virus. Im Krieg gegen die Ukraine stieg die Zahl der HIV-positiven Soldaten um das 40-Fache innerhalb eines Jahres, wie russische Ärzte in einer militärmedizinischen Zeitschrift schrieben.
Mit 50'000 Neuansteckungen im 2024 und über einer Million Infizierten verfügt Russland über die schlechtesten HIV-Zahlen, schreibt das SRF. Mit der Heroinkrise in den 90ern breitete sich das Virus in Russland aus. Drogensüchtige landeten eher im Gefängnis, als vom Gesundheitssystem aufgefangen zu werden. Rund ein Drittel aller Häftlinge sitzt gemäss SRF wegen Drogenbesitzes.
HIV-Infizierte in der russischen Armee
Durch die Rekrutierung aus den Gefängnissen und die hohe Entlöhnung für Soldaten sind laut SRF HIV-positive Männer in die russische Armee eingezogen worden. Dies, weil Betroffene ihre Infektion verheimlichen oder nichts von ihrem Status wissen, erklärt Alexei Lachow dem SRF. Da Russland Soldaten brauche, schaue man nicht so genau hin, obwohl HIV-Infizierte als untauglich gälten.
Das Ansteigen der Infektionszahlen geht gemäss Lachow auf verschiedene Übertragungsrisiken zurück. Die Wiederverwendung von Spritzen, Skalpellen oder Kathetern, aber auch Drogenkonsum und ungeschützter Sex liessen die Zahlen steigen.
Diese Vermutungen werden in Berichten von unabhängigen russischen Medien unterstützt, schreibt das SRF. Hygienevorschriften sind laut Feldärzten in hektischen Kampfsituationen kaum einzuhalten. Auch Prostitution ist gemäss Recherchen in besetzten ukrainischen Gebieten weit verbreitet.
Gesundheitssystem am Limit
Lachow befürchte bei Ende des Krieges und der Rückkehr der Soldaten eine starke Belastung für das russische Gesundheitssystem, schreibt das SRF. Dies, auch wenn die Zahlen tiefer seien.
Obwohl das Budget für HIV-Medikamente und Tests vom russischen Staat erhöht wurde, komme das Gesundheitswesen schon jetzt an seine Grenzen, sagt Lachow dem SRF. Während das Budget erhöht wurde, stehen viele Hilfswerke für HIV-Prävention unter Druck. Viele NGOs verliessen Russland bereits, nachdem sie als «ausländische Agenten» eingestuft worden waren, wie auch die Elton John AIDS Foundation. (nil)
