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Warum Orbans Niederlage Putin besonders schmerzt

Trotz Kreml-Geheimwaffe verloren: Warum Orbans Niederlage Putin besonders schmerzt

Mit einer Geheimwaffe versuchte der Kreml bis zum Schluss, dem Verbündeten in Budapest zum Wahlsieg zu verhelfen.
14.04.2026, 15:1114.04.2026, 15:11
Ivan Ruslyannikov / ch media

Im November 2010 kam es zu einem bedeutenden Treffen zwischen zwei Ministerpräsidenten: Wladimir Putin, der damals im Rahmen einer «Rotation» den Präsidentenposten für vier Jahre an Dmitri Medwedew abtrat, Russland aber faktisch weiter regierte, und Viktor Orban, der aus Ungarn angereist war.

Russian President Vladimir Putin, left, speaks with Hungarian Prime Minister Viktor Orban during their meeting at the Senate Palace of the Kremlin in Moscow, Russia, Friday, Nov. 28, 2025. (Alexander  ...
Russlands Präsident Wladimir Putin (links) empfängt seinen Kumpel Viktor Orban im November letzten Jahres im Kreml.Bild: keystone

«Ich habe bereits betont, dass Russland nach unserer Einschätzung aus militärpolitischer und wirtschaftlicher Sicht eine Grossmacht ist», erklärte Orban damals. Das Treffen markierte den Beginn einer engen strategischen Beziehung.

Ungarn war über viele Jahre hinweg ein wichtiger Verbündeter Moskaus innerhalb der Europäischen Union. Regelmässig trafen sich Orban und Putin persönlich. Die ungarische Regierung setzte sich für die Aufhebung des Importverbots für russische Energieträger ein, und während des Krieges in der Ukraine blockierte Budapest Entscheidungen über die Gewährung finanzieller Unterstützung.

Auch hat Ungarn seit 2021 seine Abhängigkeit von russischem Öl deutlich erhöht, trotz der Bemühungen der EU, diese Importe im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine zu reduzieren. Dies geht aus dem jüngsten Bericht des Center for the Study of Democracy hervor. Im Jahr 2025 lag der Anteil russischen Öls an den ungarischen Importen bei 93 Prozent, während dieser Wert 2021 noch 61 Prozent betrug. Auch die Abhängigkeit Budapests von russischem Gas und Kernenergie ist in diesem Zeitraum gestiegen.

BUDAPEST, HUNGARY - MARCH 18: A demonstrator holds a banner that shows Vladimir Putin and Viktor Orban kissing during a protest on March 18, 2025 in Budapest, Hungary. A new bill proposed by the rulin ...
In Ungarn demonstrierten Orban-Gegner gegen dessen Beziehungen zu Putin.Bild: Getty Images Europe

Die Trollfabrik von Prigoschin kam zur Hilfe

Natürlich würde Russland es vorziehen, sich dieses Fenster nach Europa offen zu halten. Laut Medienberichten versuchte der Kreml, Orban bei den Wahlen 2026 zum Sieg zu verhelfen – mithilfe des Vermächtnisses des ehemaligen Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin, nämlich einer Trollfabrik.

Gemeint ist die «Agentur für soziales Projektieren», deren Hauptmethode darin besteht, Fake-Nachrichten im Namen grosser westlicher Zeitungen über ein Netzwerk von Bots in sozialen Medien zu verbreiten. Der Desinformationsplan des Kremls in Ungarn war auch der «Financial Times» bekannt: Er umfasste die Hervorhebung des Kontrasts zwischen Viktor Orban, einem «starken Führer mit Freunden auf der ganzen Welt», und seinem wichtigsten Rivalen Peter Magyar, einer «Marionette Brüssels».

Orban wiederum empfahlen Kreml-Analysten, seine Kampagne auf der Freundschaft mit Donald Trump sowie auf der Idee aufzubauen, dass der US-Präsident die wichtigste Chance Ungarns sei, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

Im März veröffentlichte die «Trollfabrik» in sozialen Medien ein Video über ein angeblich geplantes Attentat auf Viktor Orban. In dem Video, dessen Urheberschaft fälschlicherweise der Deutsche Welle zugeschrieben wurde, heisst es, dass «eine Gruppe ukrainischer Flüchtlinge in Ungarn tödliche Verletzungen erlitt, als sie versuchte, in der Nähe des Büros von Premierminister Viktor Orban einen improvisierten Sprengsatz zu zünden».

Auf diese Weise versuchte der Kreml, in Ungarn antiukrainische Stimmungen zu schüren. Viele der gefälschten Videos waren dem Krieg Russlands gegen die Ukraine gewidmet. So wurden die Wähler beispielsweise davor gewarnt, dass ungarische Männer eingezogen werden könnten, um auf Seiten der Ukraine gegen Russland zu kämpfen, falls Magyar die Wahlen gewinnt.

Peter Magyar gestures as he speaks to the media in Budapest, Hungary, Monday, April 13, 2026, after defeating Prime Minister Viktor Orban's party in the country's parliamentary elections. (A ...
Peter Magyar, Wahlsieger in Ungarn.Bild: keystone

Keine Gratulationen

Im Kreml wurden die Ergebnisse der Wahlen in Ungarn denn auch ohne Begeisterung aufgenommen. «Die Beziehungen Russlands zur EU können sich nach den Wahlen in Ungarn nicht weiter verschlechtern, da es kaum noch schlechter geht», sagte der Pressesprecher Putins, Dmitri Peskow. Das ungarische Volk habe seine Entscheidung getroffen, und Moskau respektiere diese.

Seinen Worten zufolge werde der Kreml Magyar nicht zum Wahlsieg gratulieren, da «dies ein unfreundliches Land» sei. Peter Magyar erklärte seinerseits, dass Ungarn «zu einer pragmatischen Zusammenarbeit mit Russland bereit» sei und weiterhin Öl «auf kostengünstige und sichere Weise» einkaufen werde.

Video: watson/nina bürge

Der Politologe Abbas Galljamow erklärt im Gespräch mit CH Media, dass Ungarn nach dem Wahlsieg von Magyar kein Russland unterworfenes Land mehr sei, sondern ein gleichberechtigter Partner: «Natürlich ist Putin derzeit nicht sicher, was Magyar betrifft, denn dieser hat seinen Wahlkampf auf der Ablehnung Orbans aufgebaut. Dieser war bereit, auf den ersten Anruf aus dem Kreml hin vieles zugunsten Moskaus zu tun.»

Offensichtlich denke Magyar in Kategorien der Innenpolitik, sagt Galljamow: «Was ist für Ungarn vorteilhaft und was nicht. Darin wird, so scheint mir, auch seine pragmatische Zusammenarbeit mit Russland bestehen.»

Den politischen Helfern des Kreml könnte bei ihrer Kampagne ein zentraler Fehler unterlaufen sein, der die Strategie bei der Wahlbeeinflussung künftig verändern könnte. Laut Galljamow konnten die «Trollfabrik» und die politischen Strategen des Kremls Viktor Orban nicht zum Wahlsieg verhelfen, da die zentralen Botschaften seiner Kampagne auf der Aussenpolitik beruhten. Peter Magyar dagegen habe in erster Linie über innenpolitische Probleme gesprochen. Diese waren den Menschen in Ungarn offensichtlich wichtiger. (aargauerzeitung.ch)

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