DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: EPA

Zahl der Toten durch Virus in China steigt auf mindestens neun – erster Fall in den USA

22.01.2020, 07:2706.02.2020, 12:38

An den von einem neuartigen Coronavirus ausgelösten Atemwegserkrankungen sind in China inzwischen mindestens neun Menschen gestorben. Insgesamt ist die Zahl der mit dem Erreger infizierten Menschen in der Volksrepublik auf 440 gestiegen.

Das teilte die chinesische Regierung am Mittwoch mit. Die bisherige Bilanz der Ausbreitung des Virus in China hatte bei sechs Toten und mehr als 300 Infizierten gelegen. Der für Gesundheitspolitik zuständige Vizeminister Li Bin warnte, dass das Virus mutieren und sich weiter ausbreiten könnte.

Der Gesundheitsausschuss der chinesischen Regierung kündigte verstärkte Vorsorgemassnahmen während des dichten Reiseverkehrs rund um den chinesischen Neujahrstag am kommenden Samstag an, darunter zusätzliche Desinfizierungen von Flughäfen und Bahnhöfen sowie in Einkaufszentren. Falls nötig, könnten in Zonen mit dichtem Andrang auch Temperaturmessungen bei Menschen vorgenommen werden.

Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der grössten jährlichen Völkerwanderung sind einige hundert Millionen Chinesen unterwegs.

Erster Fall in den USA

In den USA gibt es derweil den ersten Fall einer Infektion mit dem Virus aus China. Zuerst hatten der US-Sender CNN und die Zeitung «New York Times» darüber berichtet.

Die Infektion sei bei einem Reisenden aus China in Seattle nachgewiesen worden, teilte die für Seuchen zuständige US-Behörde CDC am Dienstag mit.

Laut der «New York Times» war der Patient vergangene Woche mit einer Lungenentzündug in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Er sei kürzlich in der chinesischen Provinz Wuhan gewesen.

Der Mann habe bei der Rückreise noch keinerlei Symptome bemerkt, sich dann aber zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben, hiess es. Er sei in gutem Zustand. Es bestehe nur ein sehr geringes Risiko, dass er weitere Menschen anstecken könne.

Warnung vor «Super-Spreadern»

Gesundheitsexperten warnten vor besonders ansteckenden Patienten, die das Virus schneller streuen könnten. Fälle der so genannten «Super-Spreader» hatte es in China auch während der Sars-Pandemie gegeben, der in den Jahren 2002 und 2003 rund 800 Menschen in China zum Opfer gefallen waren.

Die meisten Infizierten leben in der zentralchinesischen Metropole Wuhan. Einzelne Infektionsfälle wurden auch aus Thailand, Japan, Südkorea und Taiwan gemeldet. Zudem gab die US-Gesundheitsbehörde CDC am Dienstag den ersten Fall einer Infektion mit dem neuartigen Virus in den USA bekannt.

Analysen des Erbguts der neuen Krankheiten haben laut dem Berliner Virusforscher Christian Drosten ergeben, dass es sich um eine Sars-Virus-Variante handelt. «Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante», sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin.

Erinnerungen an Sars

Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke, sagte Drosten. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu.

Bei Menschen in China ist die neue Erkrankung zum allgegenwärtigen Thema geworden. Erinnerungen an den Sars-Ausbruch wurden geweckt. Während der Pandemie war das Land praktisch zum Stillstand gekommen, Schulen blieben über Wochen geschlossen.

In Peking waren am Dienstag und Mittwoch ungewöhnlich viele Menschen mit Schutzmasken unterwegs. In einigen Geschäften waren die Masken bereits ausverkauft. Familien diskutierten, ob geplante Reisen über die Feiertage abgesagt werden sollten.

Agenturen: Nordkorea schliesst Grenzen

Das Nachbarland Nordkorea schloss wegen des Virus nach Angaben von Reiseagenturen vorerst seine Grenzen für ausländische Touristen. Nordkorea lasse von Mittwoch an keine Touristen mehr einreisen, teilten die in China ansässigen Agenturen Young Pioneer Tours und Koryo Tours mit. Von Nordkorea gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Bisher ist nichts von einem eingeschleppten Fall der durch ein neuartiges Coronavirus ausgelösten Lungenerkrankung bekanntgeworden. Nordkorea hatte in der Vergangenheit schon einige Male aus Furcht vor der Einschleppung von Viruskrankheiten, etwa im Fall des Sars-Virus 2003 oder gegen Ebola 2014, vorübergehend seine Grenzen dichtgemacht.

Die WHO befasst sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit dem Virus. Nach einer Risikobewertung will sie darüber entscheiden, ob sie angesichts der sprunghaft gestiegenen Fallzahlen einen internationalen Gesundheitsnotstand ausruft. (sda/afp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Was steckt hinter dem Zika-Virus?

1 / 18
Was steckt hinter dem Zika-Virus?
quelle: ap/ap / felipe dana
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Kommt die Impfpflicht in Deutschland

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Angst vor Stäbli und Spritze: Warum man auch ohne Zertifikat ins Restaurant kommt

Autistinnen, Personen mit Trisomie 21 und andere Sonderfälle werden bei der Zertifikatspflicht wegen einer Ausnahmeregel nicht mehr diskriminiert.

Die Welt ist nicht schwarz-weiss. So gibt es Leute, die vielleicht die Gefahr der Coronavirus-Pandemie anerkennen, aber trotz grösstem Wille sich nicht impfen oder testen lassen können. Sie sind keine «Covid-Leugner» oder «Massnahmen-Kritikerinnen», sondern sind mit bestimmten Veranlagungen auf die Welt gekommen, die sie besonders machen. Die Rede ist von Menschen mit Trisomie 21 oder Autismus, die den Alltag anders erleben und andere Gefühle zeigen.

Für autistisch veranlagte Personen kann es …

Artikel lesen
Link zum Artikel