Zustände wie in seiner Reality-Show: Trump feuert seinen nächsten Minister
Donald Trump liebt es, Menschen zu feuern. Als Protagonist seiner Reality-Sendung «The Apprentice» wurde der Satz «You're fired!» (deutsch: «Du bist gefeuert!») zum Markenzeichen des damaligen Unternehmers. Diesem bleibt er auch heute treu: Der US-Präsident hat am Mittwoch seinen Marineminister gefeuert– und das mitten im Iran-Krieg, bei dem die Blockade der Strasse von Hormus durch die US-Marine eine zentrale Rolle spielt.
Die Aktion ist kein Einzelfall. In den letzten 15 Monaten hat Trump über ein Dutzend hohe Beamte rausgeworfen. Einmal wegen Frustration rund um die «Epstein-Files», einmal wegen der versehentlichen Veröffentlichung von Militärdaten in einem Gruppenchat und einmal wegen Kritik an der Handhabung seiner Massenanschaffungs-Mission. Eine Übersicht über die spektakulärsten Fälle:
Marineminister John Phelan
John Phelan trat seinen Job als Marineminister erst im März vergangenen Jahres an. Zuvor arbeitete er als Investmentbanker. In der US Navy oder im Militär war Phelan nie. Angeblich war er ein enger Vertrauter des Präsidenten. In seinem neuen Amt sollte er den Schiffsbau und die maritime Industrie stärken. Dazu gehörte die Aufsicht einer neuen «goldenen Flotte», die eine neue Klasse von Kriegsschiffen beinhalten soll, die «Trump-Klasse». Das erste dieser Schiffe sollte bis im Jahr 2028 fertig werden. Eine praktisch unmögliche Frist. Der Streit mit seinem Vorgesetzten, Verteidigungsminister Pete Hegseth, soll ihn letztlich sein Amt gekostet haben.
Die provisorische Nachfolge des Ministers wird Hung Cao. Ein pensionierter Navy-Kapitän und erfolgloser republikanischer Senatskandidat aus Virginia. In einer Rede sagte Cao, die Marine brauche «Alpha-Männer und Alpha-Frauen, die sich die eigenen Eingeweide herausreissen, sie essen und dann Nachschlag verlangen».
Justizministerin Pam Bondi
Anfang April feuerte Trump seine Justizministerin Pam Bondi. Dies, nachdem die Kritik, sowohl von demokratischer als auch von republikanischer Seite, an deren Umgang mit den «Epstein-Akten» immer lauter wurde. Bondi habe versucht, die Freigabe der Dokumente zu verschleppen, hiess es in US-Medien. Die Dokumente wurden mittlerweile schrittweise – oft stark geschwärzt – veröffentlicht.
Der Präsident sei zudem wütend auf Bondi gewesen, weil diese zu wenig aggressiv gegen seine politischen Gegner vorgegangen sei. Ihren früheren Job macht heute der ehemalige Verteidiger Todd Blanche und Bondis einstige Nummer 2.
Sicherheitsministerin Kristi Noem
Als Kopf des Sicherheitsministeriums (Homeland Security) war Kristi Noem bis zu ihrer Entlassung im März dieses Jahres das Gesicht von Trumps Massenanschaffungsplänen – wortwörtlich. Im Rahmen einer TV-Werbekampagne für die Arbeit ihres Ministeriums wurde Noem unter anderem auf einem Pferd zu sehen. Die Werbung kostete rund 220 Millionen US-Dollar.
Als der republikanische Senator John Kennedy Noem bei einer Anhörung fragte, ob der Präsident über die Kosten des Werbespots informiert gewesen sei, antwortete Noem mit «Ja». Trump verneinte, kurz darauf feuerte er sie. Noem machte in der Zeit auch wegen einer angeblichen Affäre mit einem Berater Schlagzeilen. Ihre Stelle hat heute Markwayne Mullin, ein Senator aus Oklahoma. Noem ist neu Sondergesandte für das «Shield of the Americas», eine neue Sicherheitsinitiative der Trump-Regierung.
Leiter der Doge-Behörde, Elon Musk
Eine der ersten Entlassungen in Trumps zweiter Amtszeit war diejenige von Tesla-CEO Elon Musk. Anfang Jahr waren er und der neue Präsident praktisch unzertrennlich. Ein halbes Jahr später schrieb Musk online, dass Trump in den Epstein-Akten auftaucht.
In der Zeit dazwischen feuerte Musk Hunderttausende Bundesangestellte und liess die Gelder für mehrere Projekte und Behörden streichen – alles im Namen der Effizienz. Das «Department of Government Efficiency» (DOGE), wo Musk Sonderberater war, wurde im November weitgehend eingestellt. Trump und Musk vertragen sich mittlerweile wieder.
Sicherheitsberater Mike Waltz
Die Entlassung des Nationalen Sicherheitsberaters Mike Waltz im Mai des vergangenen Jahres kam keineswegs als Überraschung. Zuvor wurde bekannt, dass Waltz aus Versehen den Chefredaktor des Magazins «The Atlantic», Jeffrey Goldberg, in einen Gruppenchat eingeladen hatte, indem er unter anderem mit Vizepräsident JD Vance und Aussenminister Marco Rubio militärische Angriffe auf Jemen geplant hatte.
Goldberg blieb bis nach den Bombardierungen unbemerkt im Gruppenchat auf der App Signal. Bis heute übt Rubio das Amt des Sicherheitsberaters zusätzlich zu seiner Rolle als Aussenminister aus. Waltz ist seit September 2025 Botschafter der Vereinten Nationen.
Weitere Entlassungen
Ihre Jobs ebenfalls verloren haben der stellvertretende FBI-Direktor Dan Bongino und Chef der Grenzschutzbehörde Gregory Bovino. Letzterer löste mit einer Jagd nach Migranten in Minnesota Massenproteste aus. Anti-Terror-Chef Joe Kent war sich mit Trump wegen dessen Krieg gegen den Iran nicht einig, daraufhin musste er im März seinen Platz räumen. Gegen Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer wurden in den letzten Wochen Vorwürfe von Machtmissbrauch bekannt. Sie wurde im April 2026 entlassen. Hinzu kommt die Entlassung von mindestens 13 Generälen und Admirälen. (aargauerzeitung.ch)

