International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nun auch mit obligatorischem Hitler-Vergleich: Die «Brexit»-Debatte wird immer hitziger



Nur noch knapp sechs Wochen bis zum historischen Votum – und die «Brexit»-Debatte läuft heiss. Scheidet Grossbritannien aus der EU aus oder bleibt es drin? Noch steht der Ausgang in den Sternen.

Der Londoner Ex-Bürgermeister und «Brexit»-Befürworter Boris Johnson hat die Ziele der EU mit denen von Adolf Hitler verglichen – und dafür scharfe Kritik geerntet. Brüssel wolle ebenso wie einst der Nazi-Diktator Europa zu einem Superstaat einigen, meinte Johnson.

Former London Mayor Boris Johnson drinks a pint of beer at the St Austell Brewery, during a stop of the Vote Leave bus campaign, in favour of Britain leaving the European Union, in St Austell, Britain May 11, 2016. REUTERS/Darren Staples

EU? Nein, Danke! Boris Johnson nimmt kein Bier, äh, kein Blatt vor den Mund. Bild: DARREN STAPLES/REUTERS

Die EU – wie Hitler

«Napoleon, Hitler und andere Leute haben das versucht, und es endet (immer) tragisch», so der konservative Politiker. «Die EU ist ein Versuch, dies mit anderen Methoden zu schaffen.»

Knapp sechs Wochen vor dem historischen «Brexit»-Referendum ist der Kampf zwischen EU-Gegnern und -Befürwortern in Grossbritannien voll entbrannt.

Die Zeitung «The Times» appellierte am Montag: «Lasst Hitler aus dem Spiel.» «Beleidigend und verzweifelt», nannte der Labour-Politiker Hilary Benn den Hitler-Vergleich. Die Austritts-Befürworter hätten ihren «moralischen Kompass» verloren.

Former London Mayor Boris Johnson holds a pint of beer as he stands with MP Gisela Stuart at the St Austell Brewery, during a stop of the Vote Leave bus campaign, in St Austell, Britain May 11, 2016. REUTERS/Darren Staples

Volksnah: Londons Ex-Bürgermeister Johnson.
Bild: DARREN STAPLES/REUTERS

«Brexit» als Chance

Johnson gilt als Populist mit Hang zu politischen Zuspitzungen und Provokationen. In einem Interview des «Sunday Telegraph» sagte er, seit der römischen Antike seien Versuche, Europa zu einigen, stets gescheitert. Es gebe keine europäische Autorität, die alle respektierten, daraus folge ein massives Demokratiedefizit.

Das EU-Referendum sei «für die Briten eine Chance, Helden Europas zu sein und als eine Stimme der Mässigung und des gesunden Menschenverstandes zu agieren».

epa00945916 The cover of March number of newspaper 'Najwyzszy Czas!' shows a picture of German chancelor Angela Merkel in a brown uniform with a moustache looking like Adolf Hitler, 2 March 2007.  EPA/STF

Immer wieder Hitler: Hier hatte die polnische Zeitschrift «Najwyzszy Czas!» Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2007 mit dem «Führer» unter eine Decke gesteckt. Bild: EPA

Johnson ist eine Symbolfigur der EU-Austrittsbefürworter. Ihm werden Ambitionen nachgesagt, David Cameron als Premierminister zu beerben. Am 23. Juni müssen die Briten entscheiden, ob sie in der EU bleiben oder austreten wollen – nach Umfragen ist der Ausgang offen.

Angriff auf Deutschland

Zugleich griff er Deutschland frontal an. Der Euro habe etwa zur Vernichtung der italienischen Auto- und Maschinenbauindustrie geführt – «wie es von den Deutschen beabsichtigt war». «Das ist ein Akt ökonomischer Übernahme.»

Britische Gewerkschafter warnten vor einem Verlust von bis zu vier Millionen Arbeitsplätzen – falls die Briten aus der EU ausscheiden. Gefährdet seien vor allem Stellen in der Exportwirtschaft, etwa in der Auto- und Chemiebranche, sagte Owen Tudor vom mächtigen Gewerkschaftsbund TUC der Nachrichtenagentur DPA.

Hände schütteln war gestern, heute macht man ein Selfie

«Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Preise für britische Exportprodukte im Falle eines EU-Austritts steigen werden», meinte er. Wie viele Arbeitsplätze genau verloren gehen, hänge davon ab, welche Handelsabkommen London dann mit den EU-Staaten aushandle.

Camerons Warnung

Auch Cameron warnte vor den wirtschaftlichen Folgen des «Brexit». Grossbritannien würde einen «unmittelbaren und nachhaltigen Rückschlag» erleiden, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Die offizielle Wahlkommission kündigte eine riesige Informationskampagne an: 28 Millionen Haushalte sollen in den kommenden Wochen mit Broschüren und TV-Spots versorgt werden. «Dies ist ein historisches Ereignis und wir wollen niemanden auslassen», sagte Kommissionschef Alex Robertson.

Die EU-Spitzen wollen nach Informationen der «Welt am Sonntag» bis zur Volksabstimmung nicht mehr nach Grossbritannien reisen. Demnach verzichten EU-Ratspräsident Donald Tusk, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Parlamentspräsident Martin Schulz darauf, vor Ort die Pro-Europäer zu unterstützen, um keine Angriffsflächen für die britischen EU-Gegner zu bilden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld der Spitzenpolitiker.

(sda/dpa/phi)

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • andersen 17.05.2016 21:38
    Highlight Highlight Wer EU Mitglieder mit der Hitler vergleicht, hat es nicht begriffen, warum der EU gegründet würde.
    Der EU ist und bleibt ein Friedensprojekt, die ein grossen Ansehen in der Welt hat.
    Und das hat sich 70 Jahre bewährt.
    Weil es ein Wertegemeinschaft ist, die auch aus der Kopenhagener Kriterien besteht.


    Grad auch wegen der Schengen, wo die Polizeibehörden in Europa besser zusammen arbeiten können.
    Manchmal sind die Engländer drinnen, manchmal nicht, aber sicher, wenn sie alle Vorteile nützen können.
    So waren Beziehungen nie gedacht, da fehlt noch oft der geistige Inhalt.
    • andersen 18.05.2016 08:24
      Highlight Highlight Ja, trink noch ein Bier, Boris.
      Mit solche Sprüchen kommt er bei der Stammtische gut an.
      Dort ist er ein Held.
    • andersen 18.05.2016 08:53
      Highlight Highlight Als bekennender freudiger Europäer mach ich kein Hehl draus, wie mir das Nationalkonservativen Abschottungspolitik anwidert.

Theresa May will den Brexit erneut verschieben – EU-Partner verlieren derweil die Geduld

Premierministerin Theresa May will eine weitere Verlängerung der Brexit-Frist beantragen. Gleichzeitig streckt sie die Hand in Richtung Opposition aus, um einen Kompromiss zu finden.

May will eine erneute, möglichst kurze Verlängerung der EU-Austrittsfrist beantragen. Das kündigte sie am Dienstag nach einer siebenstündigen Kabinettssitzung in London an. Gleichzeitig will sich May mit der Opposition abstimmen, um doch noch eine Mehrheit im Parlament für das Brexit-Abkommen zu erreichen, das bereits drei Mal abgelehnt wurde.

Nach derzeitiger Planung soll Grossbritannien die EU am 12. April verlassen. Sollte bis dahin weder der Austrittsvertrag noch eine Alternative beschlossen …

Artikel lesen
Link zum Artikel