DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mordfall Cox: Die Spur führt zu britischen Rechtsextremen



epa05371766 Floral tributes are left in memory near a photograph of British MP Jo Cox in Parliament Square, London, Britain, 17 June 2016. Labour MP Jo Cox was reported dead at the hospital in Leeds after being shot and critically injured in Birstall on 16 June. Cox was airlfted from the attack scene to a hospital in Leeds where she later died. Cox had in recent weeks campaigned for the Remain camp. Britons will vote on whether or not they want remain in the EU on 23 June.  EPA/HANNAH MCKAY

Gedenken an Jo Cox in Leeds.
Bild: HANNAH MCKAY/EPA/KEYSTONE

Die Ermittler im Fall der erschossenen Abgeordneten Jo Cox konzentrieren sich derzeit auf die rechtsextreme Spur des mutmasslichen Täters. Die Polizei geht zudem davon aus, dass es sich um ein gezieltes Attentat gehandelt hatte.

Die 41-jährige Labour-Parlamentarierin Cox sei am Donnerstag in einem gezielten Angriff getötet worden, sagte die Polizeichefin von West Yorkshire, Dee Collins, am frühen Freitagabend. Der am Tatort festgenommene Mann bleibe in Untersuchungshaft und die Verhöre gingen weiter.

Neonazi-Unterstützer

Nun würden allfällige rechtsextreme Verbindungen des 52-jährigen Tatverdächtigen untersucht, teilte die Polizei weiter mit. Auch die möglichen psychischen Probleme des Mann seien Gegenstand der Ermittlungen.

Nach dem tödlichen Attentat auf Cox wenige Tage vor dem EU-Referendum in Grossbritannien rätselt das Land über das Motiv des Angreifers. Nach Medienberichten soll der mutmassliche Täter allerdings psychisch krank sein und Sympathien für Neonazis hegen.

People leave tributes for Labour Member of Parliament Jo Cox in Parliament Square, London, Britain June 17, 2016  REUTERS/Stefan Wermuth

Viele Bürger legten Blumen nieder.
Bild: STEFAN WERMUTH/REUTERS

Er sei längere Zeit Unterstützer der US-Neonazi-Gruppe Nationale Allianz gewesen, schrieb die «Washington Post» unter Berufung auf das Southern Poverty Law Center. 1999 habe er sich ein Handbuch bestellt, in dem auch eine Gebrauchsanweisung zum Bau einer Pistole enthalten gewesen sei.

Täter psychisch krank?

Die britische Zeitung «Daily Telegraph» berichtete, der aus Schottland stammende Tatverdächtige habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Brüder des mutmasslichen Attentäters äusserten allerdings Zweifel an einer politischen Motivation hinter dem Verbrechen. «Mein Bruder ist nicht gewalttätig, und er ist nicht besonders politisch.» Er sei psychisch krank, aber in Behandlung gewesen, sagte ein Bruder dem «Daily Telegraph».

Die 41-jährige Labour-Abgeordnete Jo Cox war am Donnerstag in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire auf offener Strasse niedergestochen und niedergeschossen worden. Sie starb Stunden später im Spital. Politiker aller Parteien äusserten sich schockiert.

Drohungen erhalten

epaselect epa05369972 Police officers and crime scene investigators at the scene where British MP Jo Cox is reported to be critically injured amid shooting reports, in Birstall, Britain, 16 June 2016. A 52-year-old man has been arrested following the attack, Jo Cox is reported to have been airlfted to a hospital in Leeds where she's receiving treatments. Cox has in recent weeks campaigned for the Remain camp. The Brits will vote on whether they want remain in the EU on 23 June.  EPA/JON SUPER

Die Spurensicherung am Tatort nach dem Mord. Bild: JON SUPER/EPA/KEYSTONE

Britische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, der Täter habe «Britain first» gerufen - das ist der Slogan der Brexit-Befürworter und auch der Name einer rechtsradikalen Partei. Cox war vehement für den Verbleib Grossbritanniens in der EU eingetreten.

Wie die Polizei mitteilte, hatte die Labour-Politikerin bereits vor Monaten gegen sie gerichtete Drohungen erhalten. Demnach beschwerte sie sich über «bösartige Mitteilungen», woraufhin ein Mann festgenommen und verwarnt wurde. Dabei habe es sich aber nicht um den mutmasslichen Angreifer vom Donnerstag gehandelt.

Sowohl die Verfechter des EU-Austritts als auch das Lager derer, die in der EU verbleiben wollen, setzten nach der Tat ihre Kampagnen aus. Diese sollten eigentlich am Wochenende wieder aufgenommen werden. Am Freitagnachmittag wurde aber entschieden, auch alle für Samstag geplanten Veranstaltungen abzusagen.

A Union flag flies at half-mast in front of the Big Ben clocktower in tribute to murdered Labour Party MP Jo Cox, in London, Britain June 17, 2016. REUTERS/Neil Hall

Fahne auf Halbmast vor dem Big Ben.
Bild: NGH

Fahnen auf Halbmast

Premierminister David Cameron bezeichnete den Mord als Tragödie. Er legte am Freitag zusammen mit Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn Blumen in Birstall nieder.

Corbyn nannte das Verbrechen einen «Anschlag auf die Demokratie». Am kommenden Montag werde das Parlament zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um der Toten zu gedenken, sagte Corbyn.

Im ganzen Land wurden Fahnen auf halbmast gesetzt. Vor dem Parlamentsgebäude in London wurden Blumen für Cox niedergelegt und Kerzen aufgestellt.

(sda/reu/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Nordirland wird zum grössten Kollateralschaden des Brexit

Die Gewalt ist zurück in Nordirland. Der Hauptgrund für die Ausschreitungen probritischer Loyalisten ist der Austritt aus der EU. Er gefährdet den fragilen Frieden in der Region.

In Nordirland spielen sich Szenen ab, die an das dunkelste Kapitel seiner Geschichte erinnern. Seit dem Osterwochenende kommt es zu gewaltsamen Protesten probritischer Loyalisten. In der Nacht auf Donnerstag wurde in der Hauptstadt Belfast ein Doppeldeckerbus angezündet. Tote gab es bislang keine, aber zahlreiche Verletzte.

Selbst Kinder sollen sich an den Krawallen beteiligt haben. Beobachter fühlen sich an die Zeit der «Troubles» erinnert, wie die bürgerkriegsähnlichen Zustände in …

Artikel lesen
Link zum Artikel