DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Am Jahrestag: Protestbewegung ruft zum Widerstand in Hongkong auf

09.06.2020, 14:31
Zehntausende auf Hongkongs Strassen.
Zehntausende auf Hongkongs Strassen.Bild: keystone

Ein Jahr nach Beginn der Demonstrationen in Hongkong hat die Protestbewegung zum entschiedenen Widerstand gegen die Regierung und den Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung aufgerufen.

Die Organisatoren der Massenproteste appellierten am Dienstag an die sieben Millionen Hongkonger, insbesondere gegen das Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit anzugehen, das die Zentralregierung für die chinesische Sonderverwaltungsregion erlassen will. «Widersetzt Euch dem bösartigen Gesetz, kämpft bis zum Ende», heisst es in einer Erklärung der Civil Human Rights Front.

Das Gesetz ist umstritten, weil es der bisher weitgehendste Eingriff in die Autonomie Hongkongs wäre. Es umgeht das Parlament der Metropole und richtet sich gegen Aktivitäten, die aus Pekinger Sicht subversiv sind oder auf eine Unabhängigkeit Hongkongs abzielen. Auch international stösst das Gesetz, das der Ständige Ausschuss des Volkskongresses noch diesen Monat erlassen könnte, auf heftige Kritik. Die USA haben Sanktionen angekündigt, indem Hongkong bislang gewährte Vorteile entzogen werden sollen.

Bild: sda

Es kam zu kleinen Protestaktionen. In einem Einkaufszentrum versammelten sich rund 100 Demonstranten. Auf einem Plakat stand «Befreit Hongkong». Eine Frau hielt eine Fahne, die den Ruf nach Unabhängigkeit symbolisiert. «Wir sind Hongkonger, wir sollten frei sein», sagte sie. «Wir sind heute hergekommen, um der Welt zu sagen, dass wir keine Angst haben. Die Kommunistische Partei will, dass wir Angst haben, aber wir fürchten uns nicht.»

Vor der Presse wandte sich Regierungschefin Carrie Lam gegen Pläne von Gewerkschaften und Studentengruppen für einen möglichen Aufruf zum Generalstreik. Das widerspreche den Interessen der Hongkonger in der Wirtschaftskrise durch das Coronavirus. Sie verteidigte ihre Politik und meinte, alle Seiten, einschliesslich ihrer Regierung, hätten von den Ereignissen des Jahres eine Lektion zu lernen. «Hongkong kann es sich nicht leisten, weiter chaotisch zu sein.»

Das Sicherheitsgesetz ist Pekings Reaktion auf die prodemokratische Bewegung in Hongkong, die sich am 9. Juni 2019 mit einem Massenprotest von Hunderttausenden gegen ein damals geplantes Auslieferungsgesetz neu formiert hatte. Es hätte die Auslieferung von Personen nach China ermöglicht, die von der - politisch nicht unabhängigen - chinesischen Justiz verdächtigt werden. Nach wochenlangen Protesten zog Hongkongs Regierung das Gesetzesvorhaben zurück. Doch dauerten die Demonstrationen Woche für Woche an. Erst der Ausbruch des Coronavirus dämmte die Aktionen ein.

«Die Menschen, die seit einem Jahr in Hongkong für ihre Freiheit auf die Strasse gehen, sind keine Separatisten, keine Aufwiegler, keine Unruhestifter», sagte Gyde Jensen (FDP), Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestages, in Berlin. Die Hongkonger wollten nur ihre verbrieften Grund- und Freiheitsrechte behalten, träfen dabei aber auf die «autoritäre und brutale Übermacht», die Chinas Präsident Xi Jinping auf die Sonderverwaltungszone ausgeweitet habe. Mit ihrer neutralen Haltung mache sich die Bundesregierung «zu einem willfährigen Komparsen des chinesischen Regimes».

Die Demonstranten setzen sich für demokratische Mitsprache ein und protestieren gegen Polizeibrutalität und den langen Arm Pekings. Die ehemalige britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» als eigenes Territorium autonom regiert. Die Hongkonger geniessen anders als die Menschen in der Volksrepublik viele Freiheiten und Rechte, um die sie jetzt aber zunehmend fürchten. Hongkongs Polizei untersagt gegenwärtig neue Proteste mit dem Hinweis auf das weiter geltende Verbot von Versammlungen von mehr als acht Personen wegen der Corona-Pandemie.

«Über das vergangene Jahr haben die Hongkonger ihre friedlichen Forderungen nach Freiheit und Autonomie deutlich gemacht», sagte Sophie Richardson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. «Aber die Behörden in Peking und Hongkong zogen es vor, mit noch grösserer Repression und Gewalt zu reagieren.» (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die «McSleepers» von Hongkong

1 / 14
Die «McSleepers» von Hongkong
quelle: ap / vincent yu
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Megastadt Hongkong kommt nicht zur Ruhe

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
«We hate you!» – Popstar Olivia Rodrigo reagiert am Glastonbury auf Abtreibungsentscheid

Auch zwei Tage nach dem Entscheid des Supreme Court, das Recht auf Abtreibung in den USA zu kippen, nimmt die Kritik kein Ende. Anlässlich ihres Konzertes am Glastonbury Festival in England hat auch die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Olivia Rodrigo ihren Frust und Ärger kundgetan. Für diejenigen fünf Richterinnen und Richter, die in einer Grundsatzentscheidung darüber urteilten, dass die Verfassung der Vereinigten Staaten kein Recht auf Abtreibung garantiert, hatte Rodrigo nur wenig übrig, wie das untenstehende Video zeigt. Die 19-Jährige nahm kein Blatt vor den Mund und performte anschliessend mit Lily Allen deren Hit «F*** You».

Zur Story