International
Indien

Forscher entdecken neue Tierart in einem Teich am Strassenrand in Indien

Forscher entdecken neue Tierart in einem Teich am Strassenrand in Indien

In einem Strassenteich in Westindien lebt eine Tierart, die Forscher bislang nicht kannten. Das winzige Wesen sieht nicht nur zauberhaft aus – es ist offenbar auch selten.
06.08.2025, 04:4106.08.2025, 04:41
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Zwischen Mumbai und den grünen Hängen der Westghats im Westen Indiens haben Biologen in einem flachen Strassenteich eine neue Art aus der Gruppe der Feenkrebse entdeckt. In dem nur einen Meter tiefen, natürlichen Basaltbecken lebt der sogenannte Warli-Feenkrebs (Streptocephalus warliae). Die Art erreicht knapp zwei Zentimeter Körperlänge und ist bislang ausschliesslich von diesem einen Gewässer bekannt, wie die Forscher in ihrer Studie in der Fachzeitschrift «Zoosystematics and Evolution» berichten.

indian pond new species
In diesem indischen Teich wurde die neue Art entdeckt.Bild: Katke PM, Padhye SM, Vanjare AI (2025)/ Zoosystematics and Evolution

Die Forscher hatten den Teich auf dem Jawahar-Plateau im Bundesstaat Maharashtra ursprünglich nach anderen Kleinstlebewesen abgesucht, als ihnen mehrere Exemplare des neuen Krebses ins Netz gingen – darunter ein Weibchen mit Dutzenden Eiern.

Auffällige Antennen, kopfüberer Schwimmstil

Wie andere Feenkrebse schwimmt die Art mit dem Bauch nach oben und den Beinen nach oben gestreckt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Form ihrer zweiten Antennen: Die Männchen besitzen eine markante, dreieckige Ausstülpung an der Basis, Weibchen eine tiefe Kerbe am Spitzenende. Solche Merkmale seien in dieser Kombination bisher bei keiner anderen bekannten Art dokumentiert, erklären die Forscher.

Nur hier – und vielleicht nicht lange

Der Teich, in dem der Warli-Feenkrebs lebt, misst rund sechs mal drei Meter, ist etwa einen Meter tief. Zwischen Wasserpflanzen, Kaulquappen und Käfern bildet er den einzigen bekannten Lebensraum der Art. Aufgrund zunehmender Bebauung in der Region empfehlen die Forscher, den Warli-Feenkrebs in die Rote Liste bedrohter Arten aufzunehmen.

Die Feenkrebsart Streptocephalus warliae auf dem Jawahar-Plateau in Maharashtra.
Die Feenkrebsart Streptocephalus warliae auf dem Jawahar-Plateau in Maharashtra.Katke PM, Padhye SM, Vanjare AI/Zoosystematics and Evolution 101

Ein Name mit Bedeutung

Benannt wurde die Art nach dem indigenen Warli-Volk der Region. Dessen Frauen sind für filigrane Wandmalereien bekannt, die sie aus Naturmaterialien wie Reispaste, Harz und roter Erde herstellen. Die geometrischen Muster spiegeln ihre enge Verbindung zur Natur wider.

Feenkrebse
Feenkrebse (Anostraca) sind eine urtümliche Gruppe von Krebstieren, die sich auf das Leben in temporären Gewässern spezialisiert haben – etwa in saisonalen Tümpeln, die nur wenige Wochen Wasser führen. Ihr durchscheinender Körper und ihr ungewöhnlicher Schwimmstil, bei dem sie kopfüber treiben, haben ihnen den englischen Namen fairy shrimp eingebracht. Sie ernähren sich von Algen und Kleinstlebewesen und sind selbst wichtige Beute für Vögel, Amphibien und Fische. Feenkrebse überstehen Trockenzeiten mithilfe widerstandsfähiger Dauereier, die jahrelang im Boden ruhen können. Dennoch gelten viele Arten als gefährdet, da ihr Lebensraum durch Landnutzung und Klimaveränderungen zunehmend verschwindet.

Der Warli-Feenkrebs ist die siebte bekannte Feenkrebsart im indischen Subkontinent – und erst die zweite, die im nördlichen Teil der Westghats entdeckt wurde. Die Region gilt laut Forschern als «unzureichend erforscht» und könnte noch zahlreiche Arten bergen, die sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Marco (6)
06.08.2025 09:09registriert Juli 2022
Bei der Wasserqualität in Indien wundert mich das nicht, wenn sich da komplett neue Lebewesen entwickeln.
233
Melden
Zum Kommentar
9
Gewalt zwischen Kurden und Regierungstruppen in Aleppo hält an
In Aleppo im Norden Syriens dauern die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen den dritten Tag in Folge an.
Zur Story