Kapitän wehrt sich im Fall Timmy gegen Tierquälerei-Vorwürfe: «Hat getobt im Becken»
Der Kapitän des Schleppers «Robin Hood» weist die Vorwürfe zurück, dass es bei der Freisetzung von Buckelwal Timmy zu Tierquälerei gekommen sei. Wie Martin Bockage dem «Nordkurier» am Freitag erzählte, wurde das Tier nicht an Seilen ins Meer gezogen. Stattdessen hätten die Helfer das komplette Dock, auf dem das Tier lag, bewegt.
Wie der 42-Jährige erklärte, war er an der Planung der Rettungsaktion nicht beteiligt – er sei lediglich «wie ein Taxifahrer» gebucht worden. Während der Rettung ist es laut ihm auf dem Rettungskahn chaotisch zugegangen. Bockage berichtete dem «Nordkurier»: «Die Experten haben sich unentwegt gestritten und keine wirkliche Idee gehabt, was zu tun ist.»
Nach der Freisetzung des Wals hatten sich auch die beiden Geldgeber der angeblichen Rettung von der Aktion distanziert – und von einer nicht abgesprochenen Aktion der Schiffs-Crew gesprochen. Boackage sagte: «Erst wedeln sie mit Geld und dann droht man uns mit Anzeigen.»
«Hätte ich mal lieber nicht geholfen»
Nach seiner Einschätzung sei der Wal vor der Freisetzung bei bester Gesundheit gewesen. Je näher sie dem Atlantik kamen, desto stärker habe sich der Zustand des Tieres gebessert. Bockage erklärte: «Der hat getobt in dem Becken, und seine Haut sah immer frischer aus.»
Im Netz sehen sich Bocklage und seine Familie seit der Freisetzung des Wals mit Anfeindungen konfrontiert. Seine Frau, Christine Bocklage, erklärte dem «Nordkurier»: «Es gibt eine Welle an Beleidigungen, Bedrohungen und Verleumdungen, mit denen wir niemals gerechnet haben. Es ist alles nicht mehr zu fassen.»
Martin Bockage hatte bereits am Dienstag gegenüber der «Ostsee-Zeitung» den gleichen Punkt gemacht. Er erklärt: «Hätte ich mal lieber nicht geholfen. Wir dachten, dass die Walrettung sich positiv auf den Ruf unserer Reederei auswirkt. Genau das Gegenteil ist passiert. Erst wurden wir als Helden gefeiert, in den vergangenen Tagen jedoch als Mörder und Tierquäler hingestellt.»
Aktuell ist unbekannt, wie es dem Buckelwal geht und wo er sich aufhält. GPS-Daten von seinem Peilsender wurden von der Rettungsinitiative bisher nicht veröffentlicht. Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals schon im Vorfeld übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

