Was der Tod von Laridschani für den Iran bedeutet
Was bedeutet die Eliminierung von Laridschani für Iran und den Krieg?
Sollte die von Israel gemeldete Eliminierung vom Iran bestätigt werden, wäre dies aus israelsicher Sicht ein gewaltiger Erfolg in dem Bestreben, einen Regimewechsel in Teheran herbeizuführen. Für den Iran bedeutet sein Tod einen schweren Rückschlag in den Bemühungen, das Mullah-Regime nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Khamenei sowie angesichts schwerster amerikanischer und israelischer Luftangriffe stabil zu halten.
Warum war Laridschani so wichtig?
Bis zu seinem noch unbestätigten Ableben war Laridschani der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates. Er wurde von Revolutionsführer Ali Khamenei bereits nach dem 12 Tage-Krieg gegen Israel im Sommer letzten Jahres zum obersten Krisenmanager des Landes ernannt. In dieser Eigenschaft war der aus einer sehr wohlhabenden Familie stammende Iraner federführend bei der blutigen Niederschlagung der Massendemonstrationen im Januar dieses Jahres beteiligt. Bis zu 30'000 Menschen könnten dabei getötet worden sein. Laridschani soll dabei das «chinesische Modell», das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens im Sommer 1989, kopiert haben. Es ging ihm um eine abschreckende Wirkung.
Nach dem Tod von Khamenei schaffte es Laridschani, das wankende Regime zusammenzuhalten. Alle wichtigen Verlautbarungen zum Verlauf des Krieges kamen aus seinem Mund. Nicht der offenbar schwer verletzte Sohn von Ali Khamenei, Mojtaba, sondern Laridschani war der de facto Kopf des Mullah-Regimes.
🔴Ali Larijani, Secretary of Iran’s Supreme National Security Council and the regime’s effective leader, has been eliminated.
— Israel Defense Forces (@IDF) March 17, 2026
Throughout the years, Larijani was considered one of the most veteran and senior figures within the Iranian regime leadership, and was a close associate… pic.twitter.com/kBIgSSGBm0
Wann wurde Ali Laridschani zuletzt gesehen?
Laridschani war am letzten Freitag anlässlich des sogenannten Jerusalemtages in Teheran ohne Leibwächter auf einer Massendemonstration gesehen worden. Während des Marsches hatte er die Bombenangriffe auf sein Land als ein «Zeichen der Verzweiflung» der Landesfeinde bezeichnet. «Es ist klar, dass Israel und die USA gescheitert sind», sagte er wörtlich. Je mehr Druck der Feind ausübe, desto grösser werde die Entschlossenheit der iranischen Nation werden.
War Laridschani ein Geistlicher?
Obwohl sein Vater ein prominenter Religionslehrer war, hatte Laridschani einen säkularen akademischen Hintergrund. Er erwarb einen Abschluss in Mathematik und Informatik, bevor er eine Promotion in westlicher Philosophie mit dem Schwerpunkt auf Immanuel Kant abschloss. Viele seiner Schriften hat Laridschani ins Persische übersetzt.
Im Iran gilt der ehemalige Präsident des iranischen Parlaments als eine Art «Superhirn». Anfang des Jahrtausends fungierte der auch als Chefunterhändler seines Landes in Atomfragen. Laridschani unterhielt engste Beziehungen zu den Revolutionsgardisten. Mit vielen Kommandanten der Garde war er eng befreundet.
Wird es dem islamischen System im Iran gelingen, Lardischani gleichwertig zu ersetzen?
Das kann noch nicht abschliessend beantwortet werden. Trotz hoher Verluste in seinen Führungsriegen ist das Mullah-Regime sehr breit aufgestellt. Seine «Nachfolge» könnte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Qalibaf antreten, der zusammen mit Laridschani von Khamenei im Sommer 2025 zu einem Art «Krisenmanager» ernannt wurde. Sollte Laridschanis Tod von Teheran bestätigt werden, ist mit einer Art «Trotzreaktion des Regimes» zu rechnen, betonte ein westlicher Diplomat in Teheran im Gespräch mit CH Media.
Erst in den kommenden Wochen oder Monaten werde sich herausstellen, wie schwerwiegend die Eliminierung Laridschanis für das Regime tatsächlich war und ist. Zum unmittelbaren Zusammenbruch der islamischen Theokratie, so der Diplomat weiter, werde der Tod Laridschanis aber nicht führen. Iran könnte sich jetzt in beide Richtungen entwickeln: Das Land könnte noch entschlossener auftreten sowie noch brutaler nach innen und aussen agieren. Es sei aber auch denkbar, dass Laridschanis Tod das langsame Ende des Mullah-Regimes einläuten könnte. (aargauerzeitung.ch)
