International
Iran

Was der Tod von Ali Laridschani für den Iran bedeutet

Was der Tod von Laridschani für den Iran bedeutet

Er galt als «Superhirn» der Mullahs und hielt das Regime in Teheran zusammen: Wie schwer wiegt das Ableben des iranischen Sicherheitschefs? 5 Fragen und Antworten.
17.03.2026, 14:4417.03.2026, 16:33
Michael Wrase, Limassol / ch media

Was bedeutet die Eliminierung von Laridschani für Iran und den Krieg?

Sollte die von Israel gemeldete Eliminierung vom Iran bestätigt werden, wäre dies aus israelsicher Sicht ein gewaltiger Erfolg in dem Bestreben, einen Regimewechsel in Teheran herbeizuführen. Für den Iran bedeutet sein Tod einen schweren Rückschlag in den Bemühungen, das Mullah-Regime nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Khamenei sowie angesichts schwerster amerikanischer und israelischer Luftangriffe stabil zu halten.

epa12826680 FILE Iran's Supreme National Security Council Secretary Ali Larijani attends a gathering to mark the death anniversary of former Hezbollah leader Hassan Nasrallah outside his grave in ...
Der nächste getötete Kopf des Mullah-Regimes: Sicherheitschef Ali Laridschani kam bei einem Luftangriff ums Leben.Bild: keystone

Warum war Laridschani so wichtig?

Bis zu seinem noch unbestätigten Ableben war Laridschani der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates. Er wurde von Revolutionsführer Ali Khamenei bereits nach dem 12 Tage-Krieg gegen Israel im Sommer letzten Jahres zum obersten Krisenmanager des Landes ernannt. In dieser Eigenschaft war der aus einer sehr wohlhabenden Familie stammende Iraner federführend bei der blutigen Niederschlagung der Massendemonstrationen im Januar dieses Jahres beteiligt. Bis zu 30'000 Menschen könnten dabei getötet worden sein. Laridschani soll dabei das «chinesische Modell», das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens im Sommer 1989, kopiert haben. Es ging ihm um eine abschreckende Wirkung.

Nach dem Tod von Khamenei schaffte es Laridschani, das wankende Regime zusammenzuhalten. Alle wichtigen Verlautbarungen zum Verlauf des Krieges kamen aus seinem Mund. Nicht der offenbar schwer verletzte Sohn von Ali Khamenei, Mojtaba, sondern Laridschani war der de facto Kopf des Mullah-Regimes.

Wann wurde Ali Laridschani zuletzt gesehen?

Laridschani war am letzten Freitag anlässlich des sogenannten Jerusalemtages in Teheran ohne Leibwächter auf einer Massendemonstration gesehen worden. Während des Marsches hatte er die Bombenangriffe auf sein Land als ein «Zeichen der Verzweiflung» der Landesfeinde bezeichnet. «Es ist klar, dass Israel und die USA gescheitert sind», sagte er wörtlich. Je mehr Druck der Feind ausübe, desto grösser werde die Entschlossenheit der iranischen Nation werden.

War Laridschani ein Geistlicher?

Obwohl sein Vater ein prominenter Religionslehrer war, hatte Laridschani einen säkularen akademischen Hintergrund. Er erwarb einen Abschluss in Mathematik und Informatik, bevor er eine Promotion in westlicher Philosophie mit dem Schwerpunkt auf Immanuel Kant abschloss. Viele seiner Schriften hat Laridschani ins Persische übersetzt.

Im Iran gilt der ehemalige Präsident des iranischen Parlaments als eine Art «Superhirn». Anfang des Jahrtausends fungierte der auch als Chefunterhändler seines Landes in Atomfragen. Laridschani unterhielt engste Beziehungen zu den Revolutionsgardisten. Mit vielen Kommandanten der Garde war er eng befreundet.

In this photo, released by the Lebanese Presidency press office, Lebanese President Joseph Aoun, right, shakes hands with Iranian Secretary of Supreme National Security Council Ali Larijani, at the pr ...
Laridschani bei einem treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun.Bild: keystone

Wird es dem islamischen System im Iran gelingen, Lardischani gleichwertig zu ersetzen?

Das kann noch nicht abschliessend beantwortet werden. Trotz hoher Verluste in seinen Führungsriegen ist das Mullah-Regime sehr breit aufgestellt. Seine «Nachfolge» könnte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Qalibaf antreten, der zusammen mit Laridschani von Khamenei im Sommer 2025 zu einem Art «Krisenmanager» ernannt wurde. Sollte Laridschanis Tod von Teheran bestätigt werden, ist mit einer Art «Trotzreaktion des Regimes» zu rechnen, betonte ein westlicher Diplomat in Teheran im Gespräch mit CH Media.

Erst in den kommenden Wochen oder Monaten werde sich herausstellen, wie schwerwiegend die Eliminierung Laridschanis für das Regime tatsächlich war und ist. Zum unmittelbaren Zusammenbruch der islamischen Theokratie, so der Diplomat weiter, werde der Tod Laridschanis aber nicht führen. Iran könnte sich jetzt in beide Richtungen entwickeln: Das Land könnte noch entschlossener auftreten sowie noch brutaler nach innen und aussen agieren. Es sei aber auch denkbar, dass Laridschanis Tod das langsame Ende des Mullah-Regimes einläuten könnte. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
30 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
The Guitar Player
17.03.2026 16:02registriert Oktober 2023
Dieser Herr hat Kant ins Persische übersetzt, jedoch ziemlich wenig von Kant gelernt. Macht und bösartige Ideologien korrumpieren leider fast jede Person.
606
Melden
Zum Kommentar
avatar
Arthurius
17.03.2026 16:25registriert Januar 2026
Spannend zu sehen, welche Auswirkungen seine Elimination dann wirklich zur Folge hat. Man kann wenigstens auf ein Verbesserung oder Regimewechsel hoffen.
251
Melden
Zum Kommentar
avatar
praxis
17.03.2026 15:33registriert Mai 2015
Larijani hätte verhandeln sollen. Jeder Schritt, der die Chancen erhöht, das Mullahregime zu verändern, ist ein guter Schritt.
248
Melden
Zum Kommentar
30
Meningitis-Ausbruch in Südengland – Hunderte erhalten Antibiotika
Nach zwei Meningitis-Todesfällen werden in der Grafschaft Kent in Südengland vorsorglich Hunderte Menschen mit Antibiotika behandelt. Vor den Ausgabestellen bildeten sich lange Schlangen.
Zur Story