Iranische Medien melden Angriff auf US-Kriegsschiff – was wir wissen
Was wird berichtet?
Gemäss der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars soll der Iran in der Strasse von Hormus ein US-Kriegsschiff angegriffen haben. Gemäss Medienberichten soll es von zwei Raketen getroffen worden sein. Der Iran hatte bereits damit gedroht, amerikanische Schiffe anzugreifen, sollten diese die Blockade ignorieren.
Wie die Nachrichtenagentur berichtet, wollen iranische Streitkräfte US-Verbände daran gehindert haben, in die Strasse von Hormus einzufahren. Durch Warnungen seien die «feindlichen Zerstörer» an der Einfahrt gehindert worden.
Die Nachrichtenagentur Tasnim kündigte an, zeitnah nähere Details zu berichten.
Was sagen die USA?
Die USA dementieren, dass bei einem iranischen Angriff ein Schiff getroffen worden sei. Das US Central Command schreibt auf X, es seien keine US-Schiffe getroffen worden. «US-Streitkräfte unterstützen Project Freedom und setzen die Seeblockade der iranischen Häfen durch», heisst es weiter.
🚫 CLAIM: Iranian state media claims that Iran's Islamic Revolutionary Guard Corps hit a U.S. warship with two missiles.
— U.S. Central Command (@CENTCOM) May 4, 2026
✅ TRUTH: No U.S. Navy ships have been struck. U.S. forces are supporting Project Freedom and enforcing the naval blockade on Iranian ports. pic.twitter.com/VFxovxLU6G
Später teilten die USA mit, dass zwei Handelsschiffe, die unter US-Flagge fahren, nach Angaben des US-Militärs die Strasse von Hormus passiert haben. Sie setzten ihre Reise nun sicher fort. Das US-Militär sprach von einem «ersten Schritt» im Rahmen der von US-Präsident Donald Trump am Vortag angekündigten neuen US-Initiative «Project Freedom». Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.
Gibt es weitere Meldungen zu Angriffen?
Ja – auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Montag von einem iranischen Angriff berichtet. Zwei Drohnen sollen einen Tanker des staatlichen Energiekonzerns ADNOC getroffen haben.
Das Aussenministerium sprach von einem «iranischen Terrorangriff». Er habe sich im Seegebiet der Strasse von Hormus ereignet. Das Vorgehen stelle eine «Piraterie» durch die iranischen Revolutionsgarden dar und gefährde sowohl die regionale Stabilität als auch die globale Energiesicherheit. Die Strasse von Hormus dürfe nicht als politisches oder wirtschaftliches Druckmittel missbraucht werden.
Verletzte seien nicht gemeldet worden, teilte das Aussenministerium mit. Zunächst war nicht klar, wann sich der Angriff ereignet haben soll.
Die VAE forderten den Iran auf, derartige Angriffe einzustellen und alle feindseligen Handlungen zu beenden.
Bericht: Seoul prüft möglichen Angriff in Strasse von Hormus
Auch Südkorea prüft nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap Informationen, wonach ein Schiff einer südkoreanischen Reederei in der Strasse von Hormus angegriffen wurde. Auf dem von HMM Co. betriebenen und unter panamaischer Flagge fahrenden Schiff sei nach einer Explosion ein Brand ausgebrochen, meldet Yonhap unter Berufung auf das Aussenministerium.
Das Schiff habe in Gewässern nahe den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Meerenge vor Anker gelegen, hiess es. Die Ursache der Explosion und des Brandes sowie das Ausmass des Schadens würden derzeit untersucht.
Zuvor habe das Ministerium erklärt, es prüfe Informationen, wonach ein in der Wasserstrasse gestrandetes südkoreanisches Schiff möglicherweise angegriffen worden sei. Die Reederei teilte laut Yonhap mit, dass nach einer Explosion auf dem Massengutfrachter ein Feuer im Maschinenraum ausgebrochen sei.
Warum ist die Lage derzeit angespannt?
US-Präsident Donald Trump kündigte am Sonntagabend das sogenannte Project Freedom an. Mit diesem sollen Handelsschiffe durch die vom Iran kontrollierte Strasse von Hormus geleitet werden. Gleichzeitig drohte Trump dem Iran, falls dieser intervenieren sollte. «Sollte dieser humanitäre Prozess in irgendeiner Weise gestört werden, muss diesem Eingreifen leider entschieden entgegengetreten werden», so Trump.
Der Iran richtete derweil auch eine Warnung an die USA. Vor dem Hintergrund der neuen US-Initiative in der Strasse von Hormus kündigte Irans Militärführung mögliche Angriffe an. «Wir warnen davor, dass jede ausländische Streitmacht, insbesondere die aggressive amerikanische Armee, angegriffen wird, sollte sie beabsichtigen, sich der Strasse von Hormus zu nähern und in diese einzudringen», sagte der Kommandeur der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Frachter, die die Meerenge passieren wollten, müssten dies mit iranischen Streitkräften absprechen, hiess es weiter. Aliabadi ist der faktische Generalstabschef. Er leitet das Hauptquartier Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte bündelt.
Wie stehen andere Staaten zu Trumps Plan?
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Hilfe für in der Strasse von Hormus feststeckende Schiffe begrüsst, eine französische Beteiligung aber ausgeschlossen. «Wir werden uns nicht an irgendwelchen gewaltsamen Operationen beteiligen, zumal mir der Rahmen dafür nicht klar erscheint», sagte Macron bei einem Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) im armenischen Eriwan. «Ich weiss nicht, um welche Initiative es sich handelt.»
Macron verwies auf das unter Führung Frankreichs und Grossbritanniens geschmiedete internationale Bündnis für einen neutralen Marineeinsatz in der Meerenge nach einem Ende der Kampfhandlungen. Am Tag von Beratungen der rund 50 an dem Bündnis beteiligten Staaten hätten die USA eine Seeblockade in der Strasse von Hormus angekündigt. Wenn die Vereinigten Staaten die Strasse von Hormus nun wieder öffnen wollten, sei das sehr gut. «Das ist es, was wir von Anfang an gefordert haben», sagte Macron.
«Wir haben eine Ad-hoc-Mission aufgebaut, an der wir arbeiten. Die militärische Planung erfolgte in London, aber wir wünschen uns vor allem eine abgestimmte Wiederöffnung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten», sagte Macron. «Das ist die einzige Lösung, die es dauerhaft ermöglicht, die Strasse von Hormus zu öffnen, die freie Schifffahrt zu gewährleisten und dies ohne Einschränkungen und ohne Mautgebühren zu tun.» (dab/sda/dpa)
