International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this May 15, 1998 file photo, Jonathan Pollard speaks during an interview in a conference room at the Federal Correction Institution in Butner, N.C. Lawyers for the convicted spy Pollard say the U.S. has granted his parole and he will be released in November. Pollard, sentenced to life in prison, has served 30 years for spying for Israel.  (AP Photo/Karl DeBlaker, File)

Jonathan Pollard in einer Aufnahme von 1998: Der israelische Spion war zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im November soll er freikommen. Bild: Karl DeBlaker/AP/KEYSTONE

Zufall oder nicht? USA lassen israelischen Spion nach 30 Jahren frei



Nach 30 Jahren Haft in den USA kommt der israelische Spion Jonathan Pollard Ende des Jahres frei. Pollards Anwälte teilten am Dienstag mit, dass die Haftstrafe ihres Mandanten am 21. November zur Bewährung ausgesetzt werde.

Zugleich widersprachen sie Spekulationen, dass die Freilassung ein politisches Zugeständnis der USA sein könnte, um Israel wegen des Atomabkommens mit dem Iran zu besänftigen. Die Entscheidung der Bewährungskommission sei «unabhängig von anderen US-Regierungsstellen» gefallen und nicht an die «jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten» geknüpft, erklärten die Anwälte.

Rein rechtliche Angelegenheit

Auch US-Aussenminister John Kerry beteuerte vor Journalisten, dass kein aussenpolitischer Zusammenhang bestehe. «Ehrlich», sagte Kerry. Darüber habe er nicht einmal Gespräche mit Israel geführt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu begrüsste die geplante Freilassung. «Nach jahrzehntelangen Bemühungen wird Jonathan Pollard endlich freigelassen», erklärte er. Israel warte «mit Ungeduld» auf den Tag.

Seine Justizministerin Ajelet Schaked schrieb auf ihrer Facebook-Seite: «Dreissig Jahre Leiden werden in diesem November enden.» Das «zerstörerische Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran» habe dabei keine Rolle gespielt, betonte Schaked. Es sei eine rein rechtliche Entscheidung gewesen.

epa04149843 A file picture dated 19 March 2013 shows Israeli protesters holding placards reading: 'Free Pollard' and portraits of Jonathan Pollard as some 1,000 people demonstrate outside the President's residence calling for the release of the Jewish spy Jonathan Pollard, a Jewish American who was jailed for life in 1987 on charges of spying on the United States, in Jerusalem, Israel.  Israeli officials says American Jewish spy Jonathan Pollard might be released from the American prison in the coming weeks and in return, Israel should freeze settlement construction in the West Bank and release hundreds of Palestinian prisoners. In a deal that ment to save the peace talks between Israel and the Palestinians  EPA/ABIR SULTAN

Demonstration in Jerusalem für die Freilassung Pollards im März 2013: Damals gab es Gerüchte über einen Deal zwischen Israel und den USA, der zu Pollards Haftentlassung führen könnte. Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Nationalheld in Israel

Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden durch die Pollard-Affäre bis heute belastet. Der in den USA geborene Spion hatte bei der US-Kriegsmarine als zivil angestellter Geheimdienstanalyst Zugang zu hoch brisanten Unterlagen.

Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 übergab er dem israelischen Geheimdienst Mossad viele tausend Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum. Im März 1987 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. In Israel, dessen Staatsbürgerschaft Pollard 1996 erhielt, geniesst er den Status eines Nationalhelden.

FILE: According to reports, the US government is considering releasing Jonathan Pollard from prison. BUTNER, NC - APRIL 1:  The Federal Bureau of Prisons Correctional Complex where convicted Israeli spy Jonathan J. Pollard is housed, is seen on April 1, 2014 in Butner, North Carolina. Pollard, a former Navy intelligence analyst serving a life sentence for spying for Israel more than a quarter century ago, could be released under the Israeli-Palestinian peace talks. (Photo by Sara D. Davis/Getty Images)

In diesem Gefängniskomplex in North Carolina sitzt Pollard ein: Wäre seine Strafe jetzt nicht auf Bewährung ausgesetzt worden, hätte der 60-Jährige weitere 15 Jahre in Haft verbringen sollen.  Bild: Getty Images North America

Der 60-jährige Pollard sitzt derzeit noch in der Haftanstalt von Butner im Bundesstaat North Carolina hinter Gittern. Die dreiköpfige Bewährungskommission hörte den Fall nach Angaben der Anwälte am 7. Juli und traf die Entscheidung über die Entlassung auf Bewährung einstimmig. 

«Wir sind dankbar und erfreut, dass unser Mandant bald freikommt», erklärten die Anwälte. Bereits im Juli 2014 hatte sich Pollard um seine vorzeitige Entlassung bemüht, damals lehnte die Kommission sein Gesuch noch ab.

Justizministerium gab Widerstand auf

Das US-Justizministerium hatte sich lange gegen die Umwandlung in eine Bewährungsstrafe gesperrt. Pollards Anwälten zufolge verzichtete das Ministerium bei der Anhörung vor der Kommission Anfang des Monats nun darauf, gegen eine Freilassung zu argumentieren. 

Die Anwälte riefen US-Präsident Barack Obama auf, ihrem Mandanten mit einer Begnadigung die sofortige Ausreise nach Israel zu ermöglichen.

Ein Sprecher des US-Justizministeriums bestätigte, dass Pollard Ende November auf Bewährung entlassen wird. Unter den Gesetzen in den USA stand ihm eine Überprüfung der lebenslangen Haft nach 30 Jahren zu. Bei einer erneuten Ablehnung durch die Bewährungskommission hätte der US-Israeli nach Angaben seiner Anwälte 15 weitere Jahre in Haft verbringen müssen. (trs/sda/afp)

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Huawei-Finanzchefin in Kanada verhaftet – China protestiert

Die Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei ist in Kanada verhaftet worden. Sie müsse mit einer Auslieferung in die USA rechnen. Für Freitag sei eine Anhörung angesetzt, ob Meng Wanzhou gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt werden könne.

Dies teilte das kanadische Justizministerium am Mittwoch mit. Meng Wanzhou sei am 1. Dezember in Vancouver festgenommen worden, hiess es weiter. Einem Bericht der Zeitung «The Globe and Mail» zufolge wird ihr zur Last gelegt, gegen …

Artikel lesen
Link to Article