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Rätsel um Tauchunglück auf den Malediven mit fünf verstorbenen Italiener

epa12964169 Members of the Maldives Marine Police and a police boat from the nearby island of Felidhoo during a search and recovery operation in the Vaavu Atoll, Maldives, 16 May 2026. The operation f ...
Boote der Maledivischen Polizei auf der Suche nach den verschollenen Tauchern. Bild: EPA

«Irgendwas ist da unten passiert»: Rätsel um Tauchunglück auf den Malediven

Fünf italienische Taucher sterben in einer Unterwasserhöhle auf den Malediven. Das Unglück wirft zahlreiche Fragen auf.
19.05.2026, 07:4319.05.2026, 07:43
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Das Tauchen in Höhlen gilt als besonders gefährlich. Anders als beim normalen Freizeittauchen gibt es bei Problemen etwa keinen direkten Weg zur Oberfläche, auch kann man schnell die Orientierung verlieren. Um in Höhlen zu tauchen, benötigt es spezielles Training und Ausrüstung – vor allem bei Tiefen über 30 Metern. Auch deshalb wirft das Unglück auf den Malediven, bei dem fünf italienische Taucher ums Leben gekommen sind, zahlreiche Fragen auf.

Die Gruppe war am vergangenen Donnerstag nahe der Insel Alimathaa südlich der Hauptstadt Malé in ein weitverzweigtes Höhlensystem abgetaucht. Das Unglück ereignete sich am Tauchspot «Devana Kandu» im Vaavu-Atoll. Unter den Toten befinden sich laut italienischen Medienberichten die Ökologie-Professorin Monica Montefalcone von der Universität Genua, ihre 22-jährige Tochter Giorgia Sommacal, die Forschungsassistentin Muriel Oddenino, der Meeresbiologe Federico Gualtieri sowie Tauchlehrer Gianluca Benedetti vom Tauchboot «Duke of York». Nur Benedettis Leichnam konnte bislang geborgen werden. Die übrigen vier Opfer sollen am Montag tief im Höhlensystem lokalisiert worden sein.

Nach Angaben der Universität Genua befanden sich einige Personen der Gruppe zwar auf einer wissenschaftlichen Reise zur Untersuchung von Meeresökosystemen. Die Taucher waren nach Angaben der australischen ABC gemeinsam mit rund 20 weiteren Passagieren auf einem einwöchigen Trip auf dem Tauchboot unterwegs.

Offenbar Sicherheitsregeln missachtet

Der Fall gibt Rätsel auf. Denn nach Angaben des maledivischen Regierungssprechers Mohamed Hussain Shareef verfügten einige der italienischen Taucher zwar über eine Genehmigung für Tauchgänge bis in 50 Meter Tiefe. Das sagte Shareef der italienischen Zeitung «Corriere della Sera». Nach Angaben der Behörden fehlten im Antrag jedoch entscheidende Informationen.

Für Freizeittaucher gelten auf den Malediven normalerweise Tiefenbegrenzungen; internationale Tauchorganisationen wie PADI empfehlen im Freizeittauchen häufig eine maximale Tiefe von rund 30 Metern, je nach Ausbildungsstufe. Forschungsteams können Sondergenehmigungen für grössere Tiefen beantragen, die aber auf bestimmte Zwecke und Bedingungen begrenzt sind.

Nicht alle fünf italienischen Taucher dieser Gruppe waren laut Behörden in dem Antrag aufgeführt. Die Gruppe habe zwar mehrere Atolle genannt, aber offenbar nicht ausdrücklich erwähnt, dass ein Höhlentauchgang geplant war. «Das Hauptproblem ist, dass es sich um einen Höhlentauchgang handelte», zitiert der «Corriere della Sera» Shareef.

Die Gruppe der Universität Genua reist laut Shareef seit mehreren Jahren regelmässig für Forschungsarbeiten auf die Malediven. Geplant gewesen seien Untersuchungen von Weichkorallen und Riffsystemen. Auch der italienische Reiseveranstalter «Albatros Top Boat», über dessen Schiff «Duke of York» die Taucher unterwegs waren, erklärte, man habe einen solchen speziellen Höhlentauchgang nicht genehmigt.

In welcher Tiefe die Erkundungen der Taucher tatsächlich stattfanden und mit welcher Ausrüstung sie tauchten, ist bislang nicht vollständig geklärt und soll noch untersucht werden. Der Eingang der Höhle soll laut Angaben des Regierungssprechers bei etwa 47 Metern liegen. Medienberichten zufolge soll der Tauchgang bei «Devana Kandu» die Gruppe zudem in bis zu etwa 60 Meter Tiefe geführt haben. Nach Einschätzung mehrerer Experten hätte eine solche Tauchaktion eine technische Spezialausbildung für Tiefen‑ und Höhlentauchen, inklusive spezieller Gase und Dekompressionspläne, erfordert. Medienberichten zufolge wird diskutiert, ob die Gruppe auf die dafür typische Spezialausrüstung verzichtete; eine abschliessende offizielle Bestätigung dazu steht noch aus.

epa12967657 A handout photo made available by the Maldives President's Media Division shows Maldives National Defence Force (MNDF) military diver Staff Sergeant Mohammed Mahdi (2-L) and other div ...
Taucher der Maledivischen Streitkräfte bereiten sich auf einen Tauchgang vor.Bild: EPA MALDIVES GOVERNMENT

Hinzu kamen offenbar schwierige Wetterbedingungen. Für den Tag des Unglücks galten Warnungen vor starkem Wind, rauer See und kräftigen Strömungen. Gerade in Unterwasserhöhlen können aufgewirbelte Sedimente die Sicht innerhalb von Sekunden auf null reduzieren. Wer dann die Orientierung verliert, findet oft keinen Weg mehr zurück.

Ehemann des Opfers spricht von rätselhaftem Unglück

Die genaue Ursache des Unglücks ist weiterhin Gegenstand von Ermittlungen auf den Malediven und in Italien. Carlo Sommacal, Ehemann von Monica Montefalcone und Vater von Giorgia, sagte laut der italienischen Zeitung «La Repubblica», seine Frau sei eine der sehr erfahrenen Taucherinnen gewesen und habe überaus viele Tauchgänge absolviert. «Man kann alles Mögliche sagen, nur nicht, dass sie unerfahren waren», so Sommacal, wie er in dem Interview zitiert wird.

«Irgendetwas muss dort unten passiert sein», sagte er laut Berichten. Vielleicht habe jemand Probleme bekommen oder es habe Schwierigkeiten mit den Sauerstoffflaschen gegeben. Seine Frau sei immer gewissenhaft gewesen. «Sie hätte niemals das Leben unserer Tochter oder anderer Menschen gefährdet», sagte ihr Mann in dem Interview.

Er hofft darauf, dass einer der Taucher eine Videokamera dabei hatte. «Monica hatte normalerweise eine GoPro dabei, wenn sie tauchen ging. Ich weiss nicht, ob sie sie dabei hatte. Wenn sie sie finden, können wir vielleicht herausfinden, was passiert ist», wurde er in dem Interview zitiert.

Der maledivische Tauchlehrer und Militärberater Shaff Naeem, der nach eigenen Angaben mehr als 50 technische Tauchgänge in dem Höhlensystem absolviert hat, sagte laut australischem Sender ABC, möglich seien eine Verkettung mehrerer Probleme: darunter zu wenig Atemgas, Orientierungslosigkeit und sogenannte Stickstoffnarkosen – ein gefährlicher Zustand, der in grossen Tiefen das Urteilsvermögen beeinträchtigen kann.

Auch Rettungsaktion endet tödlich

Auch eine Suchaktion nach den Leichen der Taucher entwickelte sich zur Katastrophe. Acht Taucher der maledivischen Streitkräfte drangen in die Höhle vor – nur sieben kamen zurück. Der Soldat Mohamed Mahdhee verlor laut Militär unter Wasser das Bewusstsein und starb später an den Folgen eines schweren Tauchunfalls, der mit Dekompressionsproblemen in Verbindung gebracht wird.

Berichten zufolge hatte sich Mahdhee bereits bis in die ersten beiden grossen Höhlenkammern vorgearbeitet und versucht, über enge Verbindungsgänge weiter vorzudringen. Die Behörden stoppten die Bergungsarbeiten zunächst. Das Höhlensystem sei extrem komplex und gefährlich, erklärte das Militär.

Maldivian President Mohamed Muizzu along with National Defense Force members prays in front of the remains of military diver Mohamed Mahudhee who died during search and rescue operation of four Italia ...
Mohamed Muizzu, der Präsident der Malediven, gedenkt gemeinsam mit Mitgliedern der Streitkräfte des verstorbenen Militärtauchers Mohamed Mahudhee.Bild: AP

Nun sollen Spezialisten aus Finnland einen neuen Bergungsplan ausarbeiten. Zu ihnen gehören die bekannten Höhlentaucher Sami Paakkarinen und Patrik Grönqvist, die durch die Dokumentation «Diving Into The Unknown» international bekannt wurden.

Die Taucher waren bereits an mehreren internationalen Rettungsmissionen beteiligt. Laut ABC gehörten Mitglieder des Teams auch zu den Spezialisten, die 2018 bei der spektakulären Rettung eingeschlossener Jugendlicher aus einer Höhle in Thailand halfen.

Laura Marroni, Chefin der Tauchsicherheitsorganisation DAN Europe, erklärte in einer Mitteilung, die Bergungsmission finde unter «hochkomplexen Bedingungen» statt.

Ermittlungen laufen

Die maledivischen Behörden haben die Lizenz des Tauchboots «Duke of York» vorläufig ausgesetzt. Auch die Staatsanwaltschaft in Rom ermittelt inzwischen zu dem Fall.

Die Malediven gelten mit ihren Korallenriffen und Tauchspots als eines der beliebtesten Reiseziele für Taucher weltweit. Gerade deshalb sorgt das Unglück in der internationalen Tauchbranche für besondere Aufmerksamkeit.

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