Im Vergleich zu dem, was die Ewige Stadt am Montag und vor allem am Dienstag erwartet, waren die Temperaturen in Rom am Wochenende noch geradezu angenehm kühl: Maximal 36 Grad zeigte die Quecksilber-Säule im Schatten, und die Römerinnen und Römer sind die Sommerhitze ja gewöhnt. Am Sonntag befand sich ohnehin die halbe Stadt am Meer, das bei Bedarf Abkühlung bietet.
Ab diesem Montag ist aber Schluss mit lustig, zumindest für zahlreiche Bewohner, deren Ferien erst im August beginnen und die noch arbeiten müssen: Laut den örtlichen Prognosen sollen die Temperaturen in Rom am Montag auf 39 bis 40 Grad steigen, am Dienstag sogar auf 41 bis 42 Grad. Einzelne Institute sagen gar 46 Grad voraus.
Das Hochdruckgebiet, das für die Hitzewelle verantwortlich ist, wurde von den Wetterfröschen auf den sinnigen Namen «Caronte» getauft - also Charon, der düstere Fährmann der griechischen Mythologie, der die Seelen der Toten über den Acheron in das Reich des Hades geleitet.
Die Behörden haben die höchste Hitze-Alarmstufe verhängt; selbst in Bozen im Südtirol sollen die Temperaturen auf bis zu 38 Grad klettern. Den Meteorologen fehlen inzwischen die Worte: Man könne nicht mehr von Hitze sprechen - vielmehr erwarte Italien ein regelrechter «Hitze-Sturm».
In Sardinien, Sizilien und Apulien dürfte die 45-Grad-Marke geknackt werden; allgemein wird erwartet, dass in bestimmten Gebieten der vor zwei Jahren in Catania registrierte europäische Temperatur-Rekord von 48.8 Grad fallen wird. Der «Corriere della Sera» schreibt, in Italien würden in den kommenden Tagen Temperaturen «wie in der Sahara» herrschen. Von dort kommt die heisse Luft ja auch.
Nicht nur in Italien machen Temperaturen von über 40 Grad tagsüber und 30 Grad nachts den Menschen zu schaffen - weite Teile Südeuropas ächzen unter der Hitze. Zwischenzeitlich gab es mancherorts Entspannung - etwa in Südspanien, wo die Temperaturen am Samstag auf unter 40 Grad fielen. Andere Länder wie Griechenland verzeichneten jedoch örtlich Höchstwerte von bis zu 44 Grad. Im Westen der Türkei wurden 48 Menschen wegen Hitzschlag im Spital behandelt.
Auch der Süden Spaniens leidet schon seit Tagen unter extremer Hitze. Die Tageshöchsttemperaturen lagen in Teilen Andalusiens immer wieder über 40 Grad. Nachts gibt es kaum Abkühlung, weil es selbst dann noch stellenweise 30 Grad heiss ist. Am frühen Morgen ist es dann mit etwa 25 Grad «am kühlsten». Und die nächste Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 43 Grad ist bereits unterwegs.
Die Hitze wirkt sich auch auf den Tourismus aus - so etwa in Griechenland. Am Samstag wurden dort erneut etliche archäologische Stätten über die Mittagsstunden geschlossen - darunter die Akropolis in Athen, die um 11.30 Uhr am Vormittag keinen Einlass mehr erlaubte und erst ab 17.30 Uhr wieder Gäste empfing.
Selbst im nördlich gelegenen Bulgarien schlug die Hitze zu: Dort soll es nach einer kurzen Entspannung am Montag wieder extrem heiss werden. Meteorologen erwarten Werte um 40 Grad. Noch beunruhigender ist die langfristige Prognose, dass die Hitze in den kommenden zwei Wochen kaum nachlassen wird.
Meteorologen der betroffenen Länder weisen immer wieder auch auf den Klimawandel als Ursache für die Hitzewellen hin. In den kommenden Jahren erwarte man extreme Hitzewellen mit heisser Luft aus Afrika, heisst es etwa in der Türkei. Auch in Spanien haben sich die Hitzewellen in den vergangenen Jahren gehäuft, wie der dortige Wetterdienst mitteilte. Sprecher Ruben del Campo warnt seit langem: «Eines ist klar: Der (vom Menschen verursachte) Klimawandel verstärkt extreme Wetterereignisse.»
Eine Hitzewelle hat auch weite Teile der USA im Griff. Im Westen des Landes stöhnen mehr als 100 Millionen Menschen, von Texas im Osten bis Kalifornien im Westen, über rekordhohe Temperaturen. In Phoenix, der Millionenstadt in Arizona, wurden am Samstag umgerechnet 47.8 Grad Celsius gemessen - ein neuer Rekordwert für Mitte Juli. Im Golf von Mexiko stieg die Wassertemperatur auf ungeahnte Höhen; so wärmte sich das Meerwasser in der Nähe von Key West (Florida), am Südzipfel der USA, auf 33 Grad auf.
Und im «Tal des Todes» (Death Valley), einem Nationalpark im Osten Kaliforniens registrierte eine exponierte Wetterstation gar etwas mehr als 52 Grad Celsius. So heiss war es zuletzt in den Siebzigerjahren. Das Death Valley hält den Rekord der höchsten je auf diesem Planeten gemessenen Temperatur, mit 56.7 Grad Celsius im Juli 1913. Dieser Rekord könnte in den kommenden Tagen fallen.
Bereits registriert der National Park Service, verantwortlich für die unwirtliche Wüstenlandschaft, eine deutliche Zunahme der Touristen. Schaulustige posieren vor einer Temperaturanzeige beim Informationszentrum Furnace Creek, wo Schilder vor dem leichtsinnigen Umgang mit der tödlichen Gefahr warnen. Die trockene Hitze «fühlt sich an, als wäre die Sonne durch die Haut gegangen und in die Knochen eingedrungen», sagte ein Park-Offizieller. Und dennoch zitierte eine Nachrichtenagentur einen Läufer aus Deutschland, der sich selbst herausgefordert hatte, in der brütenden Hitze zu rennen. «Mir ist wirklich aufgefallen, dass mir nicht so heiss war, aber mein Körper hat hart gearbeitet, um mich abzukühlen», sagte der Tourist.