Bar in Tokio schliesst über 40-Jährige aus – und löst Debatte aus
Eine Altersgrenze statt ausgelassener Offenheit: Eine Kneipe im Zentrum Tokios lässt Gäste über 40 Jahre nicht mehr ohne Weiteres hinein. Was die Betreiber als Anpassung an ihr junges Publikum verstehen, empfinden viele als klare Diskriminierung.
Kneipe führt Altersobergrenze ein
Auslöser der Debatte ist das Lokal Tori Yaro Dogenzaka, eine sogenannte Izakaya (preiswerte japanische Kneipe) in Tokios Bezirk Shibuya. Anfang 2026 hing dort laut dem Portal «Japan Today» plötzlich ein auffälliges Schild am Eingang: «Einlass nur für Gäste zwischen 29 und 39 Jahren. Diese Izakaya ist für jüngere Generationen. Kneipe nur für unter 40-Jährige.»
Die Kneipe gehört zu einer grösseren Kette, doch nur der Standort in Shibuya wendet die Altersgrenze bislang an – jedoch nicht ganz so strikt. In kleiner Schrift nennt das Schild mehrere Ausnahmen:
- Gäste über 39 Jahre dürfen hinein, wenn mindestens eine Person in der Gruppe jünger ist.
- Freunde und Familienangehörige von Mitarbeitern oder Geschäftspartnern sind ausgenommen.
Hinzu kommt: Die Regel lässt sich rechtlich nicht durchsetzen. Ältere Gäste können also weiter auf einen Einlass bestehen. Laut «Japan Today» prüft das Türpersonal, ob sich Gäste in einem «angemessenen Zustand» befinden und zur Atmosphäre passen. Was genau damit gemeint ist, bleibt offen.
Betreiber des Lokals verteidigen ihre Entscheidung
Die Kette begründet den Schritt mit dem Wunsch nach Harmonie im Lokal. Toshihiro Nagano, PR-Vertreter von Tori Yaro, erklärte «Japan Today», die Kundschaft sei überwiegend jung. Niedrige Preise, schlichtes Design und eine laute, ausgelassene Stimmung zielten genau auf dieses Publikum. «Ältere Gäste beschweren sich häufig, dass es zu laut ist», so Nagano. Die Altersbegrenzung solle sicherstellen, dass alle zufrieden nach Hause gehen.
Die Reaktionen darauf fallen dem Nachrichtenportal «Euronews» zufolge gespalten aus. Im Internet begrüssen einige die klaren Zielgruppen und hoffen auf weniger Konflikte im Alltag. Andere bezeichnen die Regel als diskriminierend und warnen vor Ausgrenzung – gerade in einem Land, dessen Bevölkerung rapide altert. Ein häufig genannter Einwand: Zwischen körperlichem und geistigem Alter bestehe ein Unterschied. Auch Menschen über 40 könnten in ein lebhaftes Umfeld passen.
Auch Südkorea lässt Ältere nicht rein
Ganz neu ist das Konzept mit der Altersobergrenze nicht: In Südkorea existieren seit Längerem bereits «No Seniors Zones» (seniorenfreie Zonen). Besonders im Universitätsviertel Hongdae in Seoul weisen Clubs und Kneipen Gäste über 30 ab, teils sogar schon über 25. Laut Medienberichten nutzen auch Cafés und Sportanlagen solche Regeln, meist mit dem Argument der «passenden Atmosphäre».
Verwendete Quellen:
- euronews.com: "Upper age limits for clubs are common in South Korea. Now Japan is following suit" (englisch)
- japantoday.com: "Tokyo pub explicitly soft-bans customers older than 39 from entering" (englisch)

