DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Forscher warnen: Extreme Hitze in Indien und Pakistan nur ein Vorgeschmack

10.05.2022, 08:5910.05.2022, 15:20
Bild: keystone

Seit zwei Monaten leiden die Menschen in Indien und Pakistan unter einer beispiellosen Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad. Mehr als eine Milliarde Menschen sind betroffen. Abgesehen von gesundheitlichen Beschwerden sind auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen zu erwarten.

Klimaforscher sind von den extremen Temperaturen allerdings nicht überrascht – sie sehen darin nur einen Vorgeschmack auf eine nahe Zukunft mit häufiger unerträglicher Hitze in Südasien.

«Diese Hitzewelle könnte tausende Menschen töten», warnt Robert Rohde vom US-Klimaanalyseinstitut Berkeley Earth mit Blick auf die hohen Temperaturen seit März. Es wird noch etwas Zeit vergehen, bis die genaue Zahl der Opfer, insbesondere unter alten sowie armen Menschen, feststeht.

Nach Angaben der indischen Regierung hat die Sterblichkeit durch Hitze in Indien seit 1980 um mehr als 60 Prozent zugenommen. Zuletzt gab es 2015 und 2019 Hitzewellen mit vielen Todesopfern.

Katastrophe mit Ansage

Der Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Petteri Taalas, spricht von einer «Kaskade der Auswirkungen» der Hitze auf die Landwirtschaft sowie die Wasser- und Energieversorgung. Überdies verschlechtert sich die Luftqualität durch die hohen Temperaturen, und das Brandrisiko steigt.

Aus Sicht von Klimaforschern sind die zunehmenden Hitzewellen in Südasien eine Katastrophe mit Ansage. «Mich überrascht, dass die meisten Leute schockiert sind, obwohl wir sie seit langem gewarnt haben, dass sich solche Katastrophen anbahnen», sagt etwa der Biologe Camilo Mora von der University of Hawaii. «Diese Erdregion und die meisten tropischen Gebiete zählen zu den Gebieten, die am anfälligsten für Hitze sind.»

In einer viel beachteten Studie aus dem Jahr 2017 hatten Mora und sein Team prognostiziert, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts fast die Hälfte der Erdbevölkerung mindestens 20 Tage jährlich einer «tödlichen Hitze» ausgesetzt sein wird.

Dies gilt demnach auch dann, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt würde. Derzeit steuert die Welt laut Weltklimarat IPCC jedoch auf eine Erwärmung um 2,8 Grad zu.

Klimawandel verändert Spielregeln

Experten prüfen noch, inwieweit die aktuelle Hitzewelle in Indien und Pakistan auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Die deutsche Klimaforscherin Ulrike Otto, eine Vorreiterin in diesem als Attributionsforschung bekannten, relativ neuen Zweig der Klimawissenschaft, sagt, es bestehe jedenfalls «kein Zweifel, dass der Klimawandel die Spielregeln in puncto extremer Hitze verändert».

«Was wir jetzt erleben, wird in einer zwischen zwei und drei Grad wärmeren Welt normal beziehungsweise kühl sein», fügt die Wissenschaftlerin des Londoner Imperial College hinzu. Auch der Weltklimarat sagt für Indien und Pakistan «intensivere, längere, häufiger Hitzewellen» vorher.

Bevor die Menschheit mit ihren Aktivitäten das Klima massiv verändert habe, seien Hitzewelle wie die jetzige in Indien alle 50 Jahre vorgekommen, sagt Marian Zachariah vom Imperial College. Heute sei damit alle vier Jahre zu rechnen.

Auswirkungen schwer vorzustellen

Für eine Verschlimmerung der Lage in Südasien spricht auch eine vergangene Woche im Fachblatt «Science» veröffentlichte Studie, für die Vikki Thompson von der Universität Bristol die weltweit schlimmsten Hitzewellen seit 1960 verglich. «Statistisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass eine Rekordhitzewelle Indien früher oder später trifft», warnt Thompson auf dieser Grundlage. Dann seien Temperaturen von mehr als 50 Grad zu erwarten.

Der Klimawissenschaftler Roxy Mathew Koll vom Indischen Institut für tropische Meteorologie ist in Sorge. Schon bei der bisherigen Erderwärmung um 1,1 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gebe es in Indien eine Zunahme an Hitzewellen, Überflutungen, Stürmen und Dürren. «Es ist schwer für mich, mir die Auswirkungen vorzustellen, wenn sich der Anstieg der globalen Temperaturen verdoppelt.» (aeg/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

61 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Marc L
10.05.2022 10:07registriert April 2021
Jetzt wäre doch der richtige Zeitpunkt, viel Geld in die Hand zu nehmen, Bund, Kanton, Gemeinden, um die Energiewende so schnell wie möglich umzusetzen? Aber nein, wir suchen alternativ Lieferanten für Öl und Gas, diskutieren über Steuersenkung auf Benzin und Gas… ja der Staat macht mehr Schulden, das klar. Aber das wäre mal Schulden für eine bessere Zukunft unsere Kinder. Je reicher eine Person, je mehr muss er selber berappen, je niedriger das Einkommen, je mehr wird vom Staat geholfen. Das Geld etlich mal von oben nach unten verteilen und nicht wie heute, immer mehr nach oben.
604
Melden
Zum Kommentar
avatar
Menel
10.05.2022 09:25registriert Februar 2015
Wenn man bedenkt, dass Menschen rund 200 Jahre brauchen, bis sie etwas verstanden und umgesetzt haben (siehe Aufklärung, giftigkeit von Blei...) und Wissenschaftler seit Ende 19. Jh. vor dem Klmaeinfluss von CO2 warnen, werden wir dann wohl so in 100 Jahren ready sein, was zu ändern 😅🤪
5813
Melden
Zum Kommentar
avatar
neiFrännä
10.05.2022 09:39registriert August 2021
Also im Oberland ist das kein Thema. Da hat man am Wochenende das Freilichtmuseum geöffnet, damit ein Autotreffen hindurch fahren konnte und alle fanden das sauglatt...🤷🏻‍♀️...es waren VW Käfer, sind ja so herzig, ohne Katalysator.....und solches Kulturgut und die dazugehörige Benzinverbrennerei wird hier auf Watson ja auch immer wieder abgefeiert. In diesem Sinne können Forscher warnen wie sie wollen, solange sich jeder seinen Konsum schönredet, wird sich nix und null ändern.
5219
Melden
Zum Kommentar
61
Kampf gegen Übergewicht: Jamie Oliver droht Boris Johnson mit ganz besonderem Dessert

Starkoch Jamie Oliver (46) hat aus Protest gegen eine aufgeschobene Anti-Übergewichts-Strategie der britischen Regierung einen Protest mit der berühmten Süssspeise Eton Mess angedroht.

Zur Story