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Mount Everest: Für Bergsteiger gelten neu Benimmregeln

Nepal, Tonnen von M
Der Mount Everest ist der höchste Berg der Welt – und eine riesige Müllhalde. Mitarbeiter einer nepalesischen Entsorgungsfirma leeren den Güsel aus, den sie am Berg eingesammelt haben. Bild: www.imago-images.de

Am Mount Everest gelten neu Benimmregeln

Weil immer mehr Touristen und Touristinnen den Achttausender erklimmen wollen, gleicht der höchste Berg der Welt immer mehr einer Müllhalde.
06.04.2026, 15:1906.04.2026, 15:35

Nepal wappnet sich für die Everest-Saison. Während die verschiedenen Basislager auf über 5000 Metern für den alljährlichen Ansturm der Bergsteiger und Bergsteigerinnen vorbereitet werden, hat die nepalesische Umweltbehörde neue Benimmregeln erlassen. Darüber berichtet der Spiegel.

So müssen die Everest-Kraxler und -kraxlerinnen neu bei ihren Touren auf den Everest zwingend spezielle Fäkalienbeutel mit sich führen.

Ganz ähnlich wie bei den Robidog-Beuteln für Hunde müssen damit künftig dicke Geschäfte, die am Everest verrichtet werden, eingesammelt werden.

In this image released by mountain guide Adrian Ballinger of Alpenglow Expeditions and taken Saturday, May 18, 2013, climbers navigate the Hillary Step just below the summit of Mount Everest, in the K ...
Stau am Everest: Der Weg zum Gipfel ist in der Hauptsaison oft überfüllt.Bild: AP ALPENGLOW EXPEDITIONS

Hintergrund: Der höchste Berg der Welt verkommt immer mehr zur Müllhalde. Weil jährlich Hunderte sich den Traum vom Aufstieg verwirklichen wollen und es in bergiger Höhe kaum Entsorgungsmöglichkeiten gibt, werden Abfälle oft achtlos in die Natur geschmissen.

Die Konsequenz davon: Am Everest verrotten 50 Tonnen Abfall.

Deshalb greift das Umweltamt nun mit einem rigiden Abfallmanagement durch. Mit Fäkalienbeuteln allein ist es nämlich nicht getan.

So muss neu jeder Bergsteiger und jede Bergsteigerin zehn Kilogramm Abfall vom Everest abtransportieren, um der Vermüllung Einhalt zu gebieten. Das sind zwei Kilogramm mehr als noch in der vergangenen Saison, wie das Bergsteigermagazin Alpin.de berichtet.

Ob die Massnahmen gegen das Everest-Littering eingehalten werden, wird von eigens dafür eingestellten Kontrolleuren überwacht. Wer dagegen verstösst, riskiert empfindliche Bussen.

Eine weitere Massnahme betrifft die Helikopterflüge, die strenger reglementiert werden. In der Vergangenheit waren angebliche Notfallrettungen dazu missbraucht worden, um reiche Touristen, die keine Lust auf den Abstieg hatten, ins Basislager zurückzufliegen.

Zudem soll diese Saison voraussichtlich nur noch 400 Menschen die Bewilligung erteilt werden, den Everest zu besteigen. Sie kostet umgerechnet etwa 13'800 Schweizer Franken.

Nepal reagiert mit diesem verschärften Regime auf die zuletzt immer lauter gewordene Kritik, der Mount Everest sei zu einem Ort des Massentourismus geworden. Stundenlange, sich bis zum Gipfel ziehende Staus sind zur Gewohnheit geworden.

Dazu wurden jüngst Recherchen veröffentlicht, wonach Sherpas ihre Kunden teils vergifteten, um mit Rettungsflügen das grosse Geld zu machen.

Mehr als 300 Menschen sind bis jetzt beim Versuch, den höchsten Berg der Welt zu erklimmen, gestorben. Tendenz steigend. So sind in den letzten Jahren vermehrt Menschen im Himalaya gestorben, die schlecht vorbereitet in die Expedition gestartet waren.

In this photo made on May 22, 2019, a long queue of mountain climbers line a path on Mount Everest. About half a dozen climbers died on Everest last week most while descending from the congested summi ...
Nichts mit Ruhe in der Natur: Wer auf den Everest will, kann das oft nur im Gänsemarsch inmitten anderer Kletterer und Kletterinnen tun.Bild: AP @Nimsdai Project Possible

Für besondere Kritik sorgte, dass Zeit und Platz am Everest zwischenzeitlich so eng geworden sind, dass Expeditionsgruppen lieber über sich in Not befindende Alpinistinnen und Alpinisten kraxelten, statt ihnen Hilfe zu leisten.

Rund 200 verstorbene Bergsteigerrinnen und Bergsteiger säumen den Weg zum Gipfel; sie wurden nie geborgen. Teilweise orientieren sich andere Alpinisten an ihnen, benutzen sie als Wegweiser.

(her)

So sieht Stau am Mount Everest aus

Video: watson/Alina Kilongan
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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Der Luzerner
06.04.2026 15:53registriert September 2025
Das fühlt sich so falsch an. Man merkt, wie sehr wir vergessen haben, mit der Welt achtsam umzugehen. Der Everest ist kein Abenteuer mehr – er ist ein Spiegel unserer Rücksichtslosigkeit geworden.
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Schampar
06.04.2026 16:17registriert Dezember 2023
Die nächste Extrem-Müllhalde wird der Mond. Im Orbit ist es ja bereits so weit.
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Flügengitt
06.04.2026 15:52registriert Mai 2025
Man gewinnt den Eindruck, dass dem Everest seine Seele gestohlen wird. Wo früher Demut vor der Natur im Vordergrund stand, regiert heute die bloße Konsumierbarkeit des Extremen. Wir sollten uns fragen, ob wir wirklich jedes Naturwunder der Welt dem Diktat der Vermarktung unterwerfen müssen, bis vom Mythos nichts mehr übrig ist als eine zertretene, schmutzige Spur im Schnee.
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