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Colombia's FARC lead negotiator Ivan Marquez (L) and Colombia's lead government negotiator Humberto de la Calle (R) shake hands while Cuba's Foreign Minister Bruno Rodriguez looks on, after signing a final peace deal in Havana, Cuba, August 24, 2016. REUTERS/Enrique de la Osa

Historischer Handschlag: FARC-Vertreter Luciano Marin (l.) und der kolumbianische Unterhändler Humberto de la Calle besiegeln den Friedensvertrag. Bild: ENRIQUE DE LA OSA/REUTERS

Kolumbien und die FARC schliessen nach 50 Jahren Frieden – was das für die Schweiz bedeutet



Der älteste Konflikt Lateinamerikas dürfte bald Geschichte sein. Die Unterhändler der Regierung Kolumbiens und der FARC-Rebellen haben sich auf einen Vertrag zur Beilegung der seit Jahrzehnten andauernden Kämpfe geeinigt. Im Oktober folgt eine Volksabstimmung.

Nach fast vier Jahren Verhandlungen haben sich die kolumbianische Regierung und die linke Guerillaorganisation FARC auf einen Friedensvertrag geeinigt. Eine gemeinsame Erklärung zu dem Entwurf wurde am Mittwoch von Vermittlern aus Kuba und Norwegen in der kubanischen Hauptstadt Havanna verlesen.

Das steht in der Vereinbarung

In den Verhandlungen einigten sich die Unterhändler der Regierung und der FARC bereits auf eine Landreform, auf die künftige politische Teilhabe der Rebellen, auf neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer. Unter anderem soll die FARC ihre Waffen abgeben. Ausserdem vereinbarten beide Seiten ein eigenes Justizwesen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Konflikts. Für politische Straftaten wird eine weitreichende Amnestie gewährt. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen. 

«Die Delegationen der Regierung und der FARC haben sich auf ein endgültiges Abkommen geeinigt über alle Punkte der Agenda zur Beilegung des Konflikts und für einen dauerhaften Frieden in Kolumbien», hiess es in der Erklärung. In Havanna liefen seit 2012 die Friedensverhandlungen.

Das Abkommen soll im September unterzeichnet werden. Anfang Oktober muss das kolumbianische Volk das Paket in einer Abstimmung billigen. In den jüngsten Umfragen lagen Befürworter und Gegner des Friedensabkommens mit jeweils rund 31 Prozent gleichauf. Die Gegner des Vertrags kritisieren vor allem, dass die Guerillakämpfer mit relativ milden Strafen davonkommen dürften.

Feier auf den Strassen in Kolumbien nach Bekanntgabe des Deals.

Seit Tagen hatten die Unterhändler der Regierung und der «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – FARC) in der kubanischen Hauptstadt an den letzten Details gefeilt. Teilweise wurde über 18 Stunden am Stück verhandelt.

Auf einem am Dienstag veröffentlichten Foto waren der Chef der Regierungsdelegation, Humberto de la Calle, Aussenministerin María Ángela Holguín, Innenminister Juan Fernando Cristo, FARC-Chef Rodrigo Londoño alias «Timochenko» sowie die Guerilla-Unterhändler Iván Márquez und Jesús Santrich zu sehen.

Vertrag in der Schweiz aufbewahren

Die Schweiz unterstützte nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom Juni seit 2011 den Friedensprozess. Demnach soll der Vertrag dereinst auch von Schweizer Behörden paraphiert und in der Schweiz aufbewahrt werden. Damit wollen die Parteien der Bedeutung des Vertrags als besondere Vereinbarung im Rahmen der Genfer Konventionen Rechnung tragen.

Das sagen die Beteiligten

«Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen», sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá. «Lasst uns aus unserer Nation das Land machen, von dem wir immer geträumt haben: Ein Land in Frieden.» Der Frieden werde dem Land mehr Bildung, Tourismus, Arbeitsplätze und Wohlstand bringen.

«Der Krieg ist vorbei», sagte der Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle. «Die FARC hören auf, als bewaffnete Gruppe zu existieren und beginnen ihr Leben in der Demokratie.» Der Delegationschef der FARC sagte seinerseits: «Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen: den Frieden in Kolumbien.»

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüsste die Einigung. «Jetzt wo die Verhandlungen abgeschlossen sind, braucht es genauso entschlossene und beispielhafte Anstrengungen, um den Vertrag umzusetzen», sagte Ban in New York.

US-Präsident Barack Obama gratulierte der kolumbianischen Regierung zu dem Friedensvertrag.

Die EU stellte Kolumbien für die Zeit nach dem Konflikt wirtschaftliche Unterstützung in Aussicht. Insgesamt stünden mehr als 400 Millionen Euro zur Verfügung, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zuletzt bei einem Besuch in Bogotá.

Mit dem Abkommen soll der älteste Konflikt Lateinamerikas zu Ende gehen. In den Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit den 1960er Jahren über 220'000 Menschen ums Leben. Rund fünf Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen. Ein Waffenstillstand wurde schon Ende Juni erreicht. (kad/sda/dpa)

Das echte Dschungelcamp: Alltag bei den kolumbianischen FARC-Rebellen

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jolly Jumper 25.08.2016 11:24
    Highlight Highlight Wenn dieses Abkommen bloss Frieden bedeuten würde...
    Fakt ist, dass immer noch etliche paramilitärische Gruppen die Bevölkerung terrorisieren und die Regierung nicht wirklich gegen sie vorgeht.

    Ich hoffe ich täusche mich, aber die FARC Mitglieder die ihre Waffen ablegen und nicht ins Gefängnis müssen werden auf sich gestellt sein, in einem Land das die FARC hasst. Wieso? Weil die Medien total korrupt sind. Die Kolumbianer wissen kaum, dass dir FARC für das Wohl vom Volk kämpfte und gegen die Ungerechtigkeiten. Was macht so eine Person zum Überleben? Betteln oder stehlen...
    • Jolly Jumper 25.08.2016 11:45
      Highlight Highlight Ausserdem löst es das eigentliche Problem von Kolumbien, die Korruption nicht einmal ansatzweise. Kolumbien hat alles von Erdöl über Edelsteine, Kohle und sogar Gold. Und trotzdem ist die Infrastruktur nicht gerade top, die Bevölkerung arm und so gut wie ohne Unterstützung vom Staat. Die Klassen überfüllt, Jugendliche mit 15 schwanger, etc.
      Aber hey sie haben ihre selección und die richtet ja alles und macht alle glücklich! Ist schliesslich dass einzige was zählt, wen interessiert schon Politik. Wenn das die Kolumbianer bloss auch so sarkastisch sehen würde wie ich, wäre vieles besser...
  • Madison Pierce 25.08.2016 08:29
    Highlight Highlight Höchstens acht Jahre, auch für die schlimmsten Verbrechen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass nun unzählige Verbrecher unbehelligt bleiben. Das ist ungerecht gegenüber den unzähligen Opfern von Verbrechen von beiden Seiten.
    • Maragia 25.08.2016 10:51
      Highlight Highlight Das haben sie zwar recht, aber somit können auch viele neue Taten verhindert werden. Wenn diese Teilamnestie nicht bestehen würde, würden evtl. viele der Täter nicht bereit sein für einen Friedensprozess.
  • Kyle C. 25.08.2016 08:19
    Highlight Highlight Schön zu hören. Diesem wunderschönen Land und seinen Menschen ist es sehr zu gönnen. Das jetzt einfach Frieden eintreten wird wage ich leider dennoch zu bezweifeln. Die Lage war und ist sehr komplex in Kolumbien. Ich befürchte, dass nicht alle Ableger der FARC sowie andere rebellische Gruppierungen einfach so mitziehen werden. Ich hoffe ich täusche mich.
  • rodolofo 25.08.2016 08:15
    Highlight Highlight Ich beobachte in Lateinamerika seit längerer Zeit eine "Thaylandisierung" der Verhältnisse:
    Das heisst: Sowohl die "Rechte", als auch die "Linke" sind durch Korruption und Misswirtschaft, sowie durch Beteiligung am Organisierten Verbrechen dermassen "entzaubert" worden, dass sie sich nur noch wenig voneinander unterscheiden. Wenn aber nur noch Personen-Wahlkämpfe stattfinden zwischen unterschiedlichen Günstlings-Netzen, dann werden diejenigen, welche gelbe Leibchen tragen, demonstrieren und das Zentrum lahmlegen, wenn die "Rot-Leibchen" regieren und umgekehrt.
    Zwischendurch putscht die Armee.
  • lilie 25.08.2016 07:45
    Highlight Highlight Eine gute und zukunftsweisende Nachricht, die Hoffnung macht in diesen Zeiten, wo eine Schreckensnachricht die andere jagt.

    Nun hoffe ich nur, dass die Rebellen auch rasch in den normalen Alltag integriert werden können. Denn viele scheinen ja aus persönlicher Not zu den Rebellen gestossen sein und fanden dort eine Ersatzfamilie, welche sie mit allem Notwendigen versorgte.

    Nun gilt es für sie, ein normales Leben aufzubauen, und das könnte zumindest für einige schwer werden. Wieviel da wohl der Staat beiträgt/beitragen kann?
  • TomC 25.08.2016 07:44
    Highlight Highlight Muy bien! Ein schöner und glücklicher Tag für ganz Südamerika...
  • http://bit.ly/2mQDTjX 25.08.2016 03:20
    Highlight Highlight Hin und wieder wünsche ich mir eine mutige schweizer Aussenpolitik zurück. So im Stil von Micheline Calmy-Rey: Eine aktive schweizer Neutralitäts- und Friedenspolitik. Die Welt hätte eine solche neutrale und aktive Schweiz und deren diplomatischen "Guten Dienste" dringend nötig.

    Die Schweiz ist nicht nur Depositärstaat. Ihr Engagement ging weit darüber hinaus. Allerdings geriet die Schweiz nach 2001 zunehmend unter internationalen Druck. Die bewährten "Guten Dienste" kann die Schweiz heute kaum noch anbieten.

    http://www.blick.ch/news/schweiz/farc-kann-auf-die-schweiz-zaehlen-id4402.html
    • pamayer 25.08.2016 07:11
      Highlight Highlight Danke für den link.
      Die schweiz hat grosses Potential, und nun wollen die rechten das rädchen wieder zurückdrehen, schweizer recht vor frenden richtern etc.
      Am besten ein grosses balkenberg museum von genf bis romanshorn, 3x das eidgenössische, trachten für alle obligatorisch - - und viele ausländische tv Stationen.
    • LaPaillade #BringBackHansi 25.08.2016 08:00
      Highlight Highlight Persönlich glaube ich nicht, dass unter Burkhalter eine passiviere Diplomatie betrieben wird als unter Calmy-Rey. Oder wenn dann nicht wirklich abfallend.
      Beispielsweise ist die Schweiz unter Burkhalter wieder in den UN-Menschenrechtsraat gewählt worden. Weiterhin das geschickte Agieren von Burkhalter/Schweiz als sie den OSZE-Vorsitz inne hatte. Auch bei den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran (Sanktionsaufhebung etc.) war die Schweiz beteiligt. Ebenso bei Kuba-USA. Oder das Anbieten von Genf als Verhandlungstisch der Syrien-Krise.
  • tzhkuda7 25.08.2016 02:28
    Highlight Highlight Super! Ich hoffe da kommt nicht noch eine Einzeltat dazwischen von jemandem der am Frieden nicht interessiert ist und Angst um seinen Profit am Krieg hat.
  • elivi 25.08.2016 01:40
    Highlight Highlight Wow es gibt noch echt gute nachrichten!
    • Anam.Cara 25.08.2016 07:10
      Highlight Highlight Genau, elivi. Ein Zeichen der Hoffnung für die Betroffenen und ein Schritt zurVersöhnung zweier bitterer Feinde. Und ein Zeichen der Hoffnung für die gane Welt.
      Ich verstehe einfach nicht, wie man Deine Aussage blitzen kann...

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