Finnen sollen US-Soldaten bei Arktis-Übung blamiert haben – die Geschichte stimmt nicht
Die Geschichte war gut. Reservisten der berühmten finnischen Jägerbrigade sollen an einem Arktis-Manöver die teilnehmenden amerikanischen Berufssoldaten derart überrannt haben, dass die Nordeuropäer von der Übungsleitung gebeten wurden, «es etwas langsamer angehen zu lassen».
Die britische «Times» berief sich auf eine anonyme Quelle aus Militärkreisen, als sie auf dem Höhepunkt des Grönland-Konflikts exklusiv über den Vorfall berichtete:
Mitten im Streit um Grönland, in dem sich der US-Präsident über dänische Hundeschlitten lustig macht und die europäische Verteidigungsfähigkeit der Insel anzweifelt, wird Trumps Armee bis auf die Knochen blamiert: So etwas liest man dieser Tage in Europa gerne. Entsprechende Beiträge in den sozialen Netzwerken, die sich über die Möchtegern-Arktiskrieger aus den USA lustig machten, wurden millionenfach geteilt.
Leider war die Geschichte zu gut, wie sich jetzt herausstellt. Auf Nachfrage des US-Fachportals The War Zone dementiert die finnische Armee die Darstellung der «Times». Die beteiligte Jägerbrigade erklärt, man habe weder den Druck reduziert noch überhaupt als gegnerische Truppe agiert.
Im Gegenteil: Die Finnen hätten während des Manövers auf derselben Seite wie die US-Einheiten gekämpft. Kurzum: Man könne die Situation nicht «wiedererkennen», welche die britische Traditionszeitung da beschrieb. Auch eine begleitende kanadische Militärkorrespondentin hat laut eigener Aussage «nichts Derartiges» beobachten können.
Konkret geht es um das Manöver Joint Viking 25 in Nordnorwegen, an dem im März vor einem Jahr über 10’000 Soldaten aus neun Ländern teilnahmen. Ziel der Übung war es, sich mit den Besonderheiten der Kriegsführung in Schnee und Eis vertraut zu machen. So hatten etwa Soldaten in Vollmontur eine Minute Zeit, um sich aus einem Eiswasserloch zu befreien.
Unabhängig von der umstrittenen Episode räumt das US-Militär ein, dass der Einsatz in der Arktis besonders anspruchsvoll ist. Extreme Kälte, schwierige Geografie und logistische Hürden erschweren selbst einfache Tätigkeiten wie Kommunikation, Bewegung oder medizinische Versorgung. Genau deshalb, so die US-Armee in einem Statement, sei Joint Viking 25 so wichtig gewesen: Unter norwegischer Anleitung habe man Grundlagen im arktischen Überleben und Kämpfen erlernen können.
Für skandinavische Armeen dagegen sind solche Bedingungen Alltag. Mit dem Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens gehören nun fast alle arktischen Staaten dem westlichen Bündnis an. Und ganz egal, was Donald Trump mit Grönland noch im Schilde führt: Dies bleibt ein wesentlicher strategischer Vorteil angesichts wachsender Spannungen mit Russland und zunehmender Ambitionen Chinas im hohen Norden. (aargauerzeitung.ch)
