International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Britische Star-Autorin Rosamunde Pilcher ist tot



epa07350229 (FILE) - Scottish writer Rosamunde Pilcher poses during the presentation of the two episodes 'Ein Sommer in Endellion' (lit: 'A summer at Endellion') and 'Herbststuerme' (lit: 'Autumn storms') of the Rosamunde-Pilcher-series in four parts called 'Four Seasons' in Hamburg, Germany, 14 November 2008  (reissued 07 February 2019). According to media reports, Rosamunde Pilcher has died aged 94.  EPA/BODO MARKS  GERMANY OUT

Bild: EPA/DPA

Junge trifft Mädchen. Es gibt Schwierigkeiten. Und am Ende kriegen sie sich. Dieses Strickmuster für Bücher und Filme ist ebenso schlicht wie erfolgreich. Und kaum jemand beherrschte es besser als Rosamunde Pilcher. Nun ist die Meisterin der Schicksalsschläge im Alter von 94 Jahren gestorben.

In Dutzenden Romanen und Erzählungen erzählte sie diese Geschichte immer wieder neu. «Das war es, was ich am besten konnte», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur anlässlich ihres 90. Geburtstags - andere Genres hätten sie nie gereizt.

Die Britin wurde damit zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, obwohl sie die Literaturkritiker nie vom Hocker riss. Nun ist Rosamunde Pilcher im Alter von 94 Jahren gestorben. Der britische «Guardian» zitierte ihren Sohn Robin mit den Worten, Pilcher habe sich bis Weihnachten in grossartiger Verfassung befunden, im neuen Jahr aber eine Bronchitis bekommen. Am Sonntagabend habe sie einen Schlaganfall erlitten und seitdem nicht mehr das Bewusstsein erlangt.

Das grosse Missverständnis

«Wie, Pilcher ist keine Deutsche?», fragen vor allem jüngere Deutsche erstaunt, wenn sie erfahren, dass die Autorin in England aufwuchs und in Schottland lebte. In keinem anderen Land war Pilcher so bekannt wie in Deutschland. Zu verdanken hat sie das wohl auch dem ZDF, das mit mehr als 100 auf Pilcher-Geschichten basierenden, herzerwärmenden 90-Minuten-Filmen eines der erfolgreichsten Formate des deutschen Fernsehens geschaffen hat.

Die Familiensaga «Die Muschelsucher» bescherte Pilcher 1987 den Durchbruch, als sie schon fast im Rentenalter war. Mit dem Schreiben begann sie schon als junges Mädchen, mit 18 veröffentlichte sie die erste Kurzgeschichte.

Nach dem Schulabschluss meldete sich das Mädchen aus Lelant in der südenglischen Grafschaft Cornwall 1942 zum Kriegsdienst und arbeitete kurze Zeit im britischen Aussenministerium, dann in Indien. Zurück in der Heimat lernte sie Graham Pilcher kennen. 1946 heiratete das Paar und zog ins schottische Dundee, wo Grahams Familie ein Textilunternehmen hatte. Die Schriftstellerin lebte dort bis ins hohe Alter; seit 2009 war sie verwitwet.

Rosamunde Pilcher zog vier Kinder gross. Ihre Geschichten entstanden am Küchentisch und erschienen in Frauenzeitschriften. «Ich habe mir nie vorstellen können, dass das ein Erfolg würde», erzählte sie. «Ich habe einfach Kurzgeschichten geschrieben, weil ich das geliebt habe.»

Pause vom echten Leben

Über ihre Arbeit habe die Mutter zu Hause nie gesprochen, erinnerte sich die älteste Tochter, Fiona Wynn-Williams. «Wir waren oft in den Bergen und am Strand picknicken», erzählte sie der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des 90. Geburtstags ihrer Mutter. Pilcher habe ihre Kinder ermutigt, immer das zu tun, was sie wollten - zum Schreiben habe sie sie nie überreden wollen. Einer tut es trotzdem: Sohn Robin Pilcher wurde selbst Schriftsteller.

Rosamunde Pilcher veröffentlichte ihren letzten Roman im Jahr 2000. Langweilig sei ihr aber nie, erzählte sie einmal: «Es fällt mir leicht, die Tage zu füllen. Ich habe einen Haushalt zu führen, Hunde, mit denen ich rausgehen muss, einen grossen Garten und eine Familie, die ich besuche, oder die mich besuchen kommt.»

Der Erfolg bescherte Pilchers Familie ein Millionenvermögen und machte ihre eher strukturschwache Heimat Cornwall zum begehrten Reiseziel.

Auch das ZDF hatte daran einen Anteil. Kamerafahrten über breite Strände und raue Klippen, Weinberge und herausgeputzte Herrenhäuser machen äusserst erfolgreich Werbung für die Region. Pilcher-Touren führen zu den Schauplätzen der zwar manchmal von Dramen gebeutelten, aber letztlich heilen Welt, die sie in ihren Geschichten entwarf: Voller grossherziger Menschen, die ritten und Sport- oder Geländewagen fuhren, dafür frei von Sex und Gewalt. Den wenigen Bösewichten war ihre Hinterhältigkeit schon von weitem anzusehen. Pilcher bot eine Pause vom echten Leben und seinen Überforderungen - egal, was Literatur- und Filmkritiker davon hielten. (sda/dpa)

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bokl 07.02.2019 19:00
    Highlight Highlight RIP.

    Und für alle nicht Fans lohnt sich der Griff zur TV-Fernbedinung wohl in den nächsten Tagen nicht ...
  • Crizzle 07.02.2019 16:18
    Highlight Highlight Bömisch? Passt nicht wirklich zu alternativ, ne? Vermutlich ist damit „bohemian“ gemeint = in etwa „freigeistig“
    • Reto Disk 07.02.2019 17:00
      Highlight Highlight Lol. Google Translate hat zugeschlagen...

      Bohemian in diesem Kontext mit Böhmisch übersetzen... Made my day...

      "Bohemien" wäre treffender gewesen (Angehörige der "Bohème"). Und ja, das Wort gibts im Deutschen.

Mike Müller packt SVP-Glarner am Wienerli – so lief die «Heidi»-Arena

 Ist die Schweiz eine christliche Cervelat-Nation oder ein weltoffener, islamfreundlicher Kleinstaat? Die Diskussion um die Schweizer Werte dreht sich bald mal um die Wurst. 

Es ist der Moment, als es selbst Mike Müller in der «Arena» zu bunt wird. «Herr Glarner. Jetzt von Mann zu Mann. Haben Sie wirklich Angst, dass das Wienerli ausstirbt? Ich meine es ernst», schiesst der Satiriker gegen den SVP-Flüchtlingsschreck aus Oberwil-Lieli. Dies nachdem jener zuvor moniert hatte, dass Coop «den Muslimen zuliebe» nur noch Poulet-Würstli verkaufe.

«Es darf nicht sein, dass wir Schweizer nicht mehr unsere Nahrung aufnehmen können, die wir uns gewohnt sind.» Dies …

Artikel lesen
Link zum Artikel