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Friedensprozess in Kolumbien: Ex-Militärs gestehen Kriegsverbrechen

Friedensprozess in Kolumbien: Ex-Militärs gestehen erstmals Kriegsverbrechen ein

27.04.2022, 08:0727.04.2022, 08:07

Im Friedensprozess in Kolumbien haben ehemalige Soldaten erstmals ihre Beteiligung an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit öffentlich eingeräumt. Zehn Ex-Militärs, darunter ein ehemaliger General, sprachen am Dienstag bei einer Anhörung der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) in der Stadt Ocaña im Department Norte de Santander über die sogenannte Praxis der «falsos positivos» (falsche Resultate) während des Konflikts zwischen staatlichen Sicherheitskräften und linken Guerillagruppen in dem südamerikanischen Land. Dabei töteten Soldaten unschuldige Zivilisten und gaben sie später als im Kampf getötete Rebellen aus, um von der Militärführung geforderte Quoten zu erfüllen.

«Ich erkenne meine Verantwortung für die von mir begangenen Verbrechen und Morde an», sagte der ehemalige Soldat Néstor Guillermo Gutiérrez. «Es ist nicht leicht, hier vor den Opfern zu stehen. Ich werde nicht rechtfertigen, was ich getan habe. Wir haben unschuldige Menschen, Bauern, ermordet.» Auch Opfer kamen bei der Anhörung zu Wort. Soraida Navarro, deren Vater vor 14 Jahren während des Bürgerkrieg verschleppt wurde, sagte: «Wir haben kein Vertrauen in den kolumbianischen Staat mehr. Wenn Soldaten in unsere Gegend kommen, fürchten wir uns.»

Kolumbien litt über 50 Jahre unter einem Bürgerkrieg mit rund 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen. Die grösste Guerillaorganisation Farc und die Regierung schlossen 2016 einen Friedensvertrag. Darin wurde auch eine Sonderjustiz vereinbart, die Tätern bei einer Kooperation mit den Behörden verminderte Strafen zusichert. Im Juli werden die Abschlussberichte vorgelegt. Dann soll ein Friedenstribunal die ersten Urteile sprechen. (meg/sda/dpa)

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