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Paskekrim: Wie Krimis lesen zu Norwegens Ostertradition wurde

Wie Krimilesen zu Norwegens Ostertradition wurde

Während der Osterferien ziehen sich die Norwegerinnen und Norweger in abgelegene Hütten zurück, um Krimis zu lesen. Das ist der Hintergrund.
05.04.2026, 18:0605.04.2026, 18:06

Angefangen hat alles mit einem cleveren Marketing-Stunt im Jahr 1923. Um ihr neues Buch zu vermarkten, kauften die Autoren Nils Lie und Nordahl Grieg kurz vor Ostern einen Werbeplatz auf der Titelseite einer Zeitung.

Der Titel der Schlagzeile und des Krimis lautete «Bergenstoget plyndret inat!», was übersetzt «Der Zug nach Bergen wurde heute Nacht ausgeraubt!» heisst. Die Leser hielten den Buchtitel für eine Schlagzeile, und diese Verwechslung sorgte für enorme Aufmerksamkeit, hohe Verkaufszahlen und den Start einer 100-jährigen Tradition.

Seither wird die Osterzeit eng mit Krimis in Verbindung gebracht, und die Norwegerinnen und Norweger begannen, ihre freien Tage mit dem Konsum spannungsgeladener Geschichten zu verbringen – von klassischen Kriminalromanen über Raubüberfälle bis hin zu Detektivgeschichten und True Crime.

Die offizielle Bezeichnung für diese Tradition lautet Påskekrim, auf Deutsch: Osterkrimi.

«Man sieht die Osterkrimis überall: in Verlagen, Buchhandlungen und auch in Bibliotheken», sagt Merete Lie, Leiterin der Deichman-Bibliothek in Oslo, gegenüber der BBC. Und weiter: «Ich glaube sogar, dass es in Norwegen keine einzige Bibliothek oder Buchhandlung gibt, die ihren Kundinnen und Kunden zu dieser Jahreszeit Krimis nicht leicht zugänglich macht. Rund um Ostern verzeichnen wir einen enormen Anstieg bei den Ausleihen.»

frau liest neben feuer in norwegen
In einer abgelegenen Hütte Krimis lesen ist in Norwegen eine Ostertradition.Bild: Shutterstock

Schon in den Wochen vor Ostern sind Kriminalromane omnipräsent und machen rund die Hälfte aller verkauften Bücher aus. Fans können ausserdem das jährliche Krimifestival in Oslo besuchen. Doch nicht nur Bücher stehen hoch im Kurs: Auch im Fernsehen werden mehr Krimifilme und -serien als üblich ausgestrahlt.

Während der rund zehntägigen Osterferien ziehen sich die Norwegerinnen und Norweger in ihre Hütten zurück und versinken in Krimis. Hercule Poirot und Miss Marple gehören zu den traditionellen Favoriten, am beliebtesten sind jedoch einheimische sowie allgemein nordische Produktionen. Dass kürzlich auf Netflix eine neue Krimiserie über einen Detektiv aus Oslo gestartet ist, dürfte daher kein Zufall sein.

Harry Hole. (L to R) Tobias Santelmann as Harry Hole, Ellen Helinder as Beate Lønn in Harry Hole Cr. Courtesy of Netflix © 2024
Detektiv Harry Hole ist in dieser norwegischen Netflix-Serie in Oslo einem Serienmörder auf der Spur.Bild: Ronald Plante/Netflix

Påskekrim ist ein Event für die ganze Familie. Während bei uns Thriller und True Crime hauptsächlich auf Erwachsene zugeschnitten sind, fangen die Norweger schon im Kindesalter an, altersgerechte Krimigeschichten zu lesen.

Diese Tradition erfreut sich also nach über 100 Jahren immer noch grosser Beliebtheit. Vor kurzem wurde die Verfilmung des ursprünglichen Påskekrim-Romans angekündigt, die pünktlich zu Ostern 2027 in den norwegischen Kinos anlaufen soll.

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