Was in Cannes gerade ausser Filmen läuft? Fashion! 22 Bilder von Kleidern und ihren Stars
Demi Moore
Sie braucht heuer den grössten Koffer, denn sie ist in der Jury und muss entsprechend an jedem einzelnen Tag über den roten Teppich (abends) und vor die Presse (tagsüber). Ein Riesenstress, wenn man bedenkt, dass jeder Auftritt stundenlanges Gezupfe, Gerupfe, Geschminke etc. bedeutet.
Am 12. Mai gönnte Demi Moore sich und dem Publikum eine wirklich lustige Kreation von Jacquemus, nämlich ein gepunktetes bonbonförmiges Konfetti-Kleid, von dem einzelne Konfetti dreidimensional abstanden. Noch mehr Jacquemus gab's Stunden später zum Eröffnungsabend, nämlich ein ganz mit weissen Pailletten besetztes Kleid im Stil der 50er-Jahre-Hollywoodstars. Mit jeder Menge Schmuck von Chopard.
Das folgende lila Gucci-Gewand vom 13. Mai sei eine Hommage an ein Gucci-Minikleid, das Demi Moore vor 23 Jahren zu einer «Matrix Reloaded»-Premiere getragen habe. Im damals schicken Schichtenlook über schlichten Jeans. Sieht man dem lila Riesen jetzt so aber nicht unbedingt an, Hauptsache Gucci erinnert sich.
Uuuund: noch mehr Gucci! Jetzt am 14. Mai. Exakt auf den roten Teppich abgestimmt.
Muss man diesen Albtraum in Pink verstehen? Matières Fécales (Fäkalien) heisst das Modehaus, dem er entsprungen ist, und er wirkt, als sei ein Barbie-Dress aus der Kläranlage gezogen worden. Aber: unvergesslich und schon auch ein Riesenspass. Getragen am 16. Mai.
Doch zurück zu … Gucci natürlich! Erst zwei Tage zuvor hatte dieser Rockstar-im-Pelz-Look an einer Modeschau in New York das Licht der Öffentlichkeit erblickt, schon schmiegt er sich am 18. Mai wie ein Beschützertier um Demi Moore.
Heidi Klum
Wieso ist Heidi Klum schon wieder in Cannes? Aus Spass? Wegen der gesellschaftskritischen Arthouse-Filme? Letzteres ganz gewiss, aber auch wegen Festivalsponsor und Werbepartner L'Oréal. Sie musste etwa die von L'Oréal veranstaltete «Women of Worth»-Gala besuchen, ganz im Sinn von «weil sie es sich wert ist». Und das, wo sie sich eben erst in Spanien den Fuss verknackst hatte, ins Spital musste und von Ehemann Tom mit einer Tonne von roten Rosen getröstet wurde! Aber selbstverständlich lässt sie sich davon nichts anmerken. Den Eröffnungsabend bestreitet sie in einem skulptural gewickelten apricotfarbenen Kleid von Elie Saab mit einer Hingucker-Blume.
Am 18. besucht sie das triste, gesellschaftskritische rumänisch-norwegische Migrations-Drama «Fjord» in einer goldenen Spitzenpracht von Monique Lhuillier.
Kristen Stewart
Kristen Stewart ist dem Modehaus Chanel treuer als all ihren … nein, da wäre uns jetzt ein geschmackloser Witz unterlaufen. Aber tatsächlich ist sie Chanel so treu, als sei sie schon in Chanel-Windeln gewickelt worden. Sie spielt im französischen Film «Full Phil» die Tochter von Woody Harrelson und die beiden scheinen am Festival den Spass ihres Lebens zu haben. Schön! Am 17. trat sie erst in einem durchsichtigen Chanel-Deux-Pièces und nacktfarbiger Unterwäsche vor die Presse.
Und abends begrüsste sie das Premierenpublikum von «Full Phil» ebenfalls in Chanel. Was man dem Kleid mit den gelegentlichen Durchblicken nicht ansieht: Es ist eine gefühlte Tonne schwer, denn alles, was rot ist, besteht aus Tausenden von winzigen roten Perlen.
Cate Blanchett
Cate Blanchett war einfach da, um über Cate Blanchett und ihre Karriere zu reden. Also, um einen schönen, lustigen Talk vor Publikum abzuhalten. Logisch, schaute sie auch ein paar Filme. In Kleidern. Das Ding, das sie am 16. Mai um ihren Hals trägt, nennt sich professionell Statement-Kragen. Man könnte auch sagen Echsenkragen. Designt hat ihn Louis Vuitton.
Am 17. Mai entscheidet sie sich … wofür genau? Es ist auf jeden Fall von Givenchy und entwickelt viel Eigenleben.
Daisy Edgar-Jones
Es gibt heuer keine schöneren Bilder als jene von Daisy Edgar-Jones. Die in einem ungeheuer leichten, schmeichelhaften Traum von Balenciaga zur gewiss niederschmetternden Premiere von «Fjord» erschien. Die personifizierte Grazie. Nach den Bestsellerverfilmungen «Normal People» (von Sally Rooney) und «Der Gesang der Flusskrebse» (von Delia Owens) wird sie als Nächstes in der Jane-Austen-Verfilmung «Sense and Sensibility» spielen.
Sharon Stone
Tja, diese «Fjord»-Premiere hatte es in sich. Denn da erschien plötzlich auch Sharon Stone und zeigte allen, was ein wahrer Filmstar ist und kann und darf. Denn ganz streng genommen wären derart voluminöse Kreationen in Cannes ein bisschen verboten. Aber egal. Das prunkvolle Etwas hat die koreanisch-stämmige Designerin Sohee Park, bekannt als Miss Sohee, entworfen. Ein Kleid wie ein Film.
Sandra Hüller
Eben schickte sie in «Project Hail Mary» noch Ryan Gosling ins All und hatte mit «Rose» Premiere an der Berlinale, jetzt dominiert sie schon wieder in «Vaterland» als Erika Mann Cannes. Für ihren Auftritt wählte sie ein schlichtes schwarzes Kleid von Chanel mit einem langen weissen Schwanz und darüber – auch dies von Chanel – ein voluminöses Oberteil aus weissen Gänsefederchen, deren Spitzen schwarz gefärbt sind. Passt. Schliesslich ist «Vaterland» ein Schwarz-weiss-Film.
Charlotte Gainsbourg
Der Teufel trägt bekanntlich Prada, doch was zum Teufel trägt die sonst so geschmackssichere Charlotte Gainsbourg da zur hochproblematischen «Fjord»-Premiere? Saint Laurent? Ehrlich wahr? Ja.
Alicia Vikander und Michael Fassbender
2014 drehten Alicia Vikander und Michael Fassbender zusammen das Leuchtturmwärter-Drama «The Light Between Oceans», sie spielten ein Liebespaar – und sie verliebten sich auch im Leben. 2017 heirateten sie, seither leben sie mit ihren beiden Söhnen zurückgezogen in Lissabon und treten so gut wie nie gemeinsam auf. Doch jetzt standen sie wieder zusammen vor der Kamera, im wirklich grausigen Katastrophen-Film «Hope» des koreanischen Regisseurs Na Hong jin. Und weil dieser in Cannes für eine Goldene Palme nominiert ist, führte für das schöne Ehepaar kein Weg um den Gang über den Teppich herum. Michael konnte sich die Sonnenbrille nicht verkneifen, aber ansonsten haben sie den ungeliebten Termin mit einem untrüglichen Gespür für feinen Glamour absolviert. Sie in einem cleanen Kleid von Louis Vuitton, er in einem unbekannten Anzug.
Coco Rocha
Wer kennt sie nicht? Das kanadische Supermodel trimmt regelmässig Heidi Klums Möchtegerns in «Germany's Next Topmodel» auf grosse bis groteske Posen. Sie liebt den dramatischen Ausdruck und trägt in Cannes ein skulpturales Ereignis von Designer Gaurav Gupta.
Chloé Zhao
Während Sandra Hüllers Federhülle zum Reinfassen einlädt, schreien Chloé Zhaos Schulerstacheln: «Rühr mich nicht an!!!» Die «Hamnet»-Regisseurin und Oscar-Gewinnerin ist wie Demi Moore in der Jury und ihre Mischung aus Animal Print und Kaktus ist bis jetzt definitiv DAS Kleid des Festivals. Es stammt vom Modehaus Schiaparelli, das sich aktuell auf Kunststoff-Recycling spezialisiert und dabei crazy Fransenzeugs im Stil von Acryl-Staubwedeln entwickelt. Oder eben Stacheln.
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