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Studie: Frauen und Männer sind gleich schlecht beim Orientieren

Frauen soll sich schlechter orientieren als Männer – das sagt eine Studie dazu

Frauen können nicht Karten lesen und verlaufen sich ständig, so lautet das Klischee. Forschende aus Italien haben untersucht, ob das wirklich stimmt – und kommen zu einem überraschenden Ergebnis.
31.03.2026, 03:4731.03.2026, 05:36
Stephanie Schnydrig
Stephanie Schnydrig

Es ist wieder einmal die Evolution, die schuld sein soll am schlechteren Orientierungsvermögen des weiblichen Geschlechts: Männer waren Jäger und mussten sich in der weiten Welt zurechtfinden. Die Frauen hingegen blieben in der Höhle bei den Kindern. Sie hatten es also gar nicht nötig, sich draussen orientieren zu können. Aber diese Erklärung gilt seit Längerem als umstritten, denn heute weiss man, dass auch Frauen auf die Jagd gingen.

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Beide gleich verwirrt: Orientierungsfähigkeit hat laut einer Studie nichts mit dem Geschlecht zu tun. (Symbolbild)Bild: www.imago-images.de

Was stimmt: Männer und Frauen nutzen unterschiedliche Strategien, um sich zu orientieren. Die Männer setzen eher auf die Karten-Strategie. Das bedeutet, dass sie sich in ihrem Kopf die Umgebung wie eine Landkarte vorstellen. Sie merken sich Entfernungen und Richtungen, wissen, wo Wegpunkte in welchem Verhältnis zueinander liegen. Diese Strategie nutzt insbesondere den Hippocampus, einen Bereich im Gehirn, der für Erinnerungen und räumliche Vorstellungen wichtig ist.

Die Frauen hingegen nutzen eher die Schritt-für-Schritt-Strategie. Sie merken sich zum Beispiel: «Beim roten Haus links, dann beim Baum rechts». Ihr Fokus liegt auf sichtbaren Merkmalen und Reihenfolgen, weniger auf einer Gesamtübersicht. Dabei ist eher der vordere Teil des Gehirns aktiv, der präfrontale Bereich, der beim Planen und beim Abarbeiten von Aufgaben hilft.

Wo die Frauen-Strategie scheitert

In vertrauten Umgebungen stösst diese Schritt-für-Schritt-Strategie der Frauen jedoch eher an ihre Grenzen. Man stelle sich vor, dass ein Weg unerwarteterweise wegen einer Baustelle versperrt ist oder man knapp dran ist und eine Abkürzung sucht. In solchen Situationen ist die Karten-Strategie der Männer flexibler. Daher tun sich Frauen in gewohnten Umgebungen im Schnitt etwas schwerer mit der Orientierung als die Männer.

Nun haben Judit Fiedler und Alessandro Treves, zwei Neurowissenschafter aus Italien, aber gezeigt: Sobald man Männer und Frauen in eine unbekannte Umgebung versetzt, verschwinden diese Unterschiede. Frauen und Männer sind dann im Durchschnitt gleich gut im Orientieren. Das haben sie in einem Experiment herausgefunden, in dem sich 232 Erwachsene in virtuellen Welten zurechtfinden mussten.

Die Erklärung der Forschenden, die sie im Fachmagazin «Royal Society Open Science» soeben präsentieren: In einer völlig neuen Umgebung fehlen vertraute Hinweise. Beide Strategien funktionieren schlechter und alle müssen improvisieren. Das führt dazu, dass es in unbekanntem Gefilde genauso viele Frauen gibt, die gut zurechtkommen wie Männer. Und ebenso viele Männer scheitern wie Frauen. (aargauerzeitung.ch)

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