Warum diese Palantir-Jacke kontrovers ist
Der US-Techkonzern Palantir sorgt mit einem ungewöhnlichen Merchandise-Produkt für Aufsehen. Das Unternehmen, das vor allem für Überwachungstechnologien, Datenanalyse und Militärsoftware bekannt ist, brachte eine sogenannte «Chore Jacket» auf den Markt – inspiriert von französischen Arbeiterjacken des 19. Jahrhunderts.
Die Jacke kostete 239 US-Dollar, also rund 185 Franken. Nach nur fünf Stunden war sie ausverkauft.
Dass ausgerechnet Palantir eine Arbeiterjacke lanciert, wirkt auf viele widersprüchlich. Die «Chore Jacket» steht historisch für körperliche Arbeit: Mechaniker oder Fabrikangestellte trugen solche Jacken im Frankreich des 19. Jahrhunderts als robuste Arbeitskleidung. Kritiker sehen in Palantirs Merchandise-Produkt nun den Versuch eines milliardenschweren Technologiekonzerns, sich mit der Ästhetik der Arbeiterklasse zu schmücken, obwohl Palantir kaum mit den Lebensrealitäten klassischer Arbeiter in Verbindung gebracht wird.
Laut Charles McFarlane, Kostümhistoriker und Autor, war es nicht Palantirs Ziel, das Image der Firma aufzupolieren, sondern die «intellektuelle Elite» zu provozieren. Das sagte er gegenüber dem US-Nachrichtenportal Huffpost.
@thisisantwon When defence contractors become fashion brands - why are Palantir releasing a French chore coat? 'Taste' has never been easier to acquire, so even billion-dollar tech companies are designing and dropping fashionable-looking clothing like a streetwear startup. When are we bringing back gatekeeping? #streetwear #fashion #mensfashion ♬ Mysterious and Sad - Beats by Lucky
Eliano Younes, Leiter der strategischen Zusammenarbeit bei Palantir, verteidigte das Produkt in den sozialen Medien. Man habe bewusst keine klassische Firmenkleidung wie Poloshirts oder Westen herausbringen wollen. Stattdessen habe das Unternehmen etwas schaffen wollen, «das die im Einsatz befindlichen Kollegen und Unterstützer von Palantir tragen können».
Gegenüber der New York Times betonte Younes zudem: «Das ist nicht politisch.» Bei den Käuferinnen und Käufern der Jacke gehe es um Menschen, «die Palantir lieben und unsere Mission teilen».
McFarlane widerspricht dieser Darstellung. Für ihn sei es «für ein Rüstungsunternehmen unmöglich zu behaupten, dass ein von ihm hergestelltes Produkt keine politische Dimension habe». Die Wahl der Jacke spiegle vielmehr Palantirs Selbstverständnis wider:
(hkl)
