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US-Techgigant Palantir klagt gegen das «Republik»-Magazin

Mitglieder der Redaktion des Magazins Republik nehmen an der Redaktionssitzung am Montagmorgen teil, aufgenommen am Montag, 30. Januar 2023 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Das unabhängige Schweizer Medium konzentriert sich auf Recherchen, Analysen und Essays zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.Bild: KEYSTONE

US-Techgigant Palantir klagt gegen das «Republik»-Magazin

Der amerikanische Softwarekonzern Palantir Technologies geht gerichtlich gegen das Zürcher Onlinemagazin «Republik» vor.
12.02.2026, 17:3613.02.2026, 07:07

Der Fall liegt gemäss «Republik»-Journalistin Adrienne Fichter beim Zürcher Handelsgericht. Hintergrund ist eine im Dezember 2025 veröffentlichte, zweiteilige Investigativ-Recherche, die in Zusammenarbeit mit dem Recherchekollektiv WAV entstand.

Die Artikelserie dokumentiert, wie der umstrittene US-Datenanalyse-Konzern seit 2018 versuchte, Schweizer Bundesbehörden und die Armee durch eine aggressive Verkaufsstrategie als Kunden zu gewinnen. Trotz Treffen auf höchster Ebene – etwa mit dem damaligen Bundesrat Ueli Maurer im Silicon Valley oder Bundeskanzler Walter Thurnherr am WEF in Davos – blitzte das Unternehmen bei zivilen Behörden mindestens neunmal ab.

epa12031786 A photo illustration made on 14 April 2025 shows the Palantir logo. Palantir Technologies Inc. is US company that specializes in software platforms for big data analytics. Palantir enables ...
Palantir Technologies analysiert Datenmengen für Unternehmen, Regierungen und Geheimdienste.Bild: keystone

Die Souveränitätsbedenken

Während der Pandemie habe Palantir ausserdem seine Software pro bono angeboten, um beim Contact Tracing und der Impfstrategie zu helfen. Auch die Armee prüfte den Einsatz. Ein interner Bericht des Armeestabs riet Ende 2024 jedoch explizit davon ab. Die Gutachterinnen und Gutachter befürchteten, dass sensible Schweizer Daten über Palantir an US-Geheimdienste (CIA, NSA) abfliessen könnten. Grosse Unternehmen aus der Schweizer Privatwirtschaft (z. B. Swiss Re, Novartis und Ringier) nutzen Palantir-Produkte dennoch.

Palantir weist die Vorwürfe der Recherche entschieden zurück und argumentiert, die Berichterstattung der «Republik» verbreite «Mythen und Verschwörungstheorien». Mit dem rechtlichen Vorgehen wolle der Tech-Konzern aus seiner Sicht falsche Darstellungen korrigieren und seinen Ruf wahren.

Zwei Forderungen nach Gegendarstellung abgelehnt

Die Schweizer Anwälte des Defense-Tech-Konzerns verlangten am 29. Dezember 2025 eine Gegendarstellung, schreibt Adrienne Fichter am Donnerstagmittag in einem LinkedIn-Post. «Palantir will nicht, dass wir die Wahrheit schreiben.» Das seit 2018 bestehende Onlinemagazin lehnte ab, ebenso eine zweite Forderung im Januar. Nun klagt Palantir gegen das leserfinanzierte Magazin. Der Fall liegt beim Zürcher Handelsgericht.

«Palantir will nicht, dass wir die Wahrheit schreiben.»
Republik-Journalistin Adrienne Fichter

Die «Republik» hat laut Fichter eine umfangreiche Verteidigungsschrift eingereicht. Die Redaktion belege ihre Befunde mit zahlreichen Dokumenten sowie öffentlich verfügbaren Berichten und betont ihr Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und die Pressefreiheit der Schweiz.

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136 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
12.02.2026 17:43registriert Oktober 2018
Ich werde somit Republik gleich was spenden…

Keine Macht den Techgiganten!
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Fakten_Checker
12.02.2026 18:12registriert September 2025
Danke Adrienne Fichter und das Republik Magazin. Palantir gegründet von Peter Thiel ist gefährlich. Niemand sollte dort etwas kaufen. Hochachtungsvoll ein Verleger.
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eightball
12.02.2026 17:49registriert September 2016
Die Republik scheint vieles richtig gemacht zu haben und diesmal sogar auch die CH-Behörden. In den deutschen Ländern verursacht der Betrieb und vor allem die Datensammlung grosse Diskussionen betreffend fehlender Rechtstaatlichkeit. Ich wünsche mir tatsächlich, dass die Schweiz sich dagegen von Anfang an widersetzt.
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