EU-Kommission: TikTok macht süchtig – App muss überarbeitet werden
Die Social-Media-Plattform-Plattform TikTok verstösst nach den vorläufigen Ergebnissen einer EU-Untersuchung gegen europäisches Recht. Das teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit.
Hier erfährst du das Wichtigste.
Um was geht es?
Konkret geht es um suchterzeugende Mechanismen – zum Beispiel um stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos. Die Behörde kündigte an, das bereits eingeleitete Verfahren gegen TikTok weiter voranzutreiben.
Es gehe darum, europäische Regeln durchzusetzen, um die Bürgerinnen und Bürger online zu schützen.
Die Brüsseler Behörde untersucht derzeit verschiedene grosse Online-Plattformen. Bei den Betreibern, marktdominierenden Techkonzernen, sowie bei der US-Regierung sorgt das teilweise für grosse Verärgerung.
Eine TikTok-Sprecherin teilte nun mit:
Was muss sich laut EU bei TikTok ändern?
Die vorläufige Untersuchung fordert etwa Anpassungen bei den App-Einstellungen wie die Einführung wirksamer «Bildschirmzeitpausen» sowie Algorithmus-Änderungen bei den Inhalte-Empfehlungen für die User.
Zudem soll das «Infinite Scrolling» deaktiviert werden. Damit ist gemeint, dass beim stundenlangen Scrollen in einer App ständig neue Inhalte geladen werden, ohne dass die User zu Pausen gezwungen ist.
Die EU-Kommission hält fest, dass die Gestaltung von TikTok die Nutzer ständig mit neuen Inhalten «belohne» und dadurch den Drang fördere, weiter zu scrollen. Das versetze das Gehirn in einen «Autopilot-Modus». «Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führen und die Selbstkontrolle der Nutzer beeinträchtigen kann.»
Was droht TikTok?
Verfahren könnte teuer werden
TikTok hat nun die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen, und könnte theoretisch auch Änderungen an seinen Funktionen vornehmen, um die Bedenken der EU auszuräumen.
Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es für TikTok teuer werden. Die EU-Kommission könnte dann formell einen Verstoss gegen das sogenannte Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) feststellen und eine Strafe verhängen. Diese könnte sich auf bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes belaufen.
Was ist mit der bisherigen EU-Untersuchung?
Die vorläufige Einschätzung ist Teil einer grösseren Untersuchung zur chinesischen Social-Media-Plattform. Die Kommission prüft seit Februar 2024 unter anderem, ob der Online-Riese Jugendliche genug schützt. TikTok gehört dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance. Das US-Geschäft wurde an eine neue Firma mit Trump-nahen amerikanischen Investoren übergeben.
Manche Kritiker werfen TikTok auch vor, dass der Algorithmus bestimmte politische Strömungen wie die AfD in Deutschland bevorzuge oder kritische Themen wie Menschenrechte in China unterdrücke.
Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass TikToks Algorithmen tatsächlich die AfD und rechtspopulistische Inhalte im Vergleich zu moderaten Parteien überproportional oft ausspielen, selbst wenn die User nicht explizit danach suchen.
Die Kurzvideo-App hat nach eigenen Angaben monatlich mehr als 135 Millionen aktive User.
Verfahren gegen US-Unternehmen empören US-Regierung
Auch gegen die US-Techkonzerne X und Meta und deren Social-Media-Plattformen laufen Verfahren der EU-Kommission. Als die EU Anfang Dezember auf Grundlage des DSA gegen Elon Musks Plattform X eine Strafe von 120 Millionen Euro wegen Transparenzmängeln verhängte, reagierte die US-Regierung scharf: Sie sprach von Zensur und verhängte Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie andere Europäer.
Die heftige Reaktion konnte auch als Drohung in Richtung Brüssel verstanden werden, keine weiteren Massnahmen gegen die Big-Tech-Konzerne zu ergreifen. Aussenminister Marco Rubio schrieb zur Begründung der Einreisesperren auf X, es würden gezielt amerikanische Plattformen attackiert. Man sei bereit, die Liste zu erweitern, wenn es keine Kurskorrektur gebe.
Quellen
(hkl/sda/awp/dpa)
