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Hungarian Prime Minister Viktor Orban speaks during a media conference at the EU Council building in Brussels on Thursday, Sept. 3, 2015. Hungarian Prime Minister Viktor Orban is visiting EU officials on Thursday to discuss the current migration crisis. (AP Photo/Virginia Mayo)

Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán will keine Flüchtlinge. 
Bild: Virginia Mayo/AP/KEYSTONE

Osteuropa will keine Flüchtlinge – dabei könnte seine Wirtschaft die Zuwanderung gut brauchen 



Die Slowakei, Tschechien und Ungarn haben am gestrigen Treffen der EU-Innenminister gegen die Aufteilung von Flüchtlingen gestimmt. Als einziges Land der Visegrád-Gruppe stellte sich Polen hinter den Plan. Möglicherweise hat sich in Warschau eine Erkenntnis durchgesetzt, gegen die Budapest, Prag und Bratislawa noch ankämpfen: Die ausgetrockneten Arbeitsmärkte in Osteuropa brauchen die Zuwanderung.

«Polen wird den Anschluss an Westeuropa nicht schaffen, ohne die Grenzen für Arbeitskräfte aus dem Ausland zu öffnen», zitiert der britische Economist einen Experten der Weltbank.

Laut einem Bericht des US-Beratungsunternehmens Manpower Group haben Firmen in Polen und Ungarn enorme Probleme, freie Stellen zu besetzen. In Tschechien und in der Slowakei ist das Phänomen weniger ausgeprägt, doch nehmen auch dort die unbesetzten Stellen zu.

Auch im öffentlichen Dienst ist die Lage angespannt. Polen etwa hat fünf Pflegefachleute pro 1000 Einwohner, in Deutschland sind es 13. Zudem sind sie wesentlich älter: In Ungarn sind rund 40 Prozent der Ärzte über 60. Im Spital Almasi Balogh Pal im nordungarischen Ozd arbeiten 55 Ärzte für eine Stadt mit 80'000 Einwohnern. Laut der Spitalleitung schalten sie regelmässig Jobinserate, erhalten aber keine Rückmeldungen.

Selbst der Niedriglohnsektor in Osteuropa ist ausgetrocknet. Ungarn sucht Schreiner, Verkäufer, Gärtner und Bäcker. Polen benötigt Bauarbeiter und Hilfskräfte für die Landwirtschaft.

Die Gründe sind bekannt: Viele Arbeitskräfte aus Osteuropa wandern Richtung Westen ab, wo ihnen höhere Löhne winken. Trotz höherer Lebenshaltungskosten bleibt ihnen netto mehr in der Tasche. Die Abwanderung wird verstärkt durch geringe Geburtenraten und zunehmende Lebenserwartung. Mit beiden Phänomenen kämpft auch Westeuropa – aber dort schafft die Zuwanderung Abhilfe.

Die Strategie, Arbeitskräfte aus Südosteuropa zu holen, also aus Ländern, die der Visegrád-Gruppe kulturell näher stehen, wird kaum Abhilfe schaffen. Bürger aus den EU-Ländern Rumänien und Bulgarien können aufgrund der Personenfreizügigkeit in Westeuropa arbeiten. Bleibt der Balkan, dessen Abschöpfungspotential aber durch Abwanderung, Überalterung und niedrige Geburtenraten ebenfalls beschränkt ist.

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Mehr als 1000 Flüchtlinge überqueren die Grenze nach Ungarn

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