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Gipfel in Wladiwostok: Putin fordert Sicherheitsgarantien für Nordkorea



Der russische Präsident Wladimir Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind am Donnerstag in Wladiwostok zu ihrem ersten Gipfel zusammengetroffen. Die beiden Staatschefs trafen sich in der Stadt im äussersten Osten Russlands.

«Ich freue mich, sie hier zu sehen», sagte der Kremlchef, als sich beide Politiker unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen auf der Insel Russki – einem Gelände der Fernöstlichen Universität – erstmals die Hände schüttelten. Beide lächelten freundlich in die Kameras.

Ihr erstes langes Vier-Augen-Gespräch haben Kim und Putin als «inhaltsvoll» bezeichnet. Dabei sei es auch um die Situation auf der koreanischen Halbinsel gegangen, die zu den grössten internationalen Problemen gehöre, sagte Kim.

Putin hat sich nach dem Gespräch für internationale Sicherheitsgarantien für Nordkorea ausgesprochen. Eine atomare Abrüstung dort sei nicht möglich, ohne dem Staat seine territoriale Unversehrtheit zu garantieren. «Sie brauchen nur eine Garantie für ihre Sicherheit», so Putin. Über diese Garantien müsse die internationale Gemeinschaft nachdenken. So könne der Atomstreit gelöst werden. Putin bezeichnete seinen Dialog mit Kim als konstruktiv.

Keine Vereinbarung geplant

Im Anschluss an das Vier-Augen-Gespräch begannen die Delegationen beider Länder mehrstündige Verhandlungen. Nach russischen Angaben war aber zunächst nicht geplant, dass Vereinbarungen unterzeichnet werden. Auch eine gemeinsame Gipfelerklärung war demnach nicht vorgesehen. An den Gesprächen im äussersten Osten Russlands nahm auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow teil.

Wegen der nordkoreanischen Atom- und Raketentests haben die Vereinten Nationen scharfe Sanktionen gegen das isolierte Land verhängt. Damit droht Zehntausenden nordkoreanischen Gastarbeitern, die für Nordkorea eine wichtige Einnahmequelle sind, die Ausreise aus Russland. Beide Seiten wollen das verhindern.

Russische Kommentatoren beschrieben das Ereignis auch als Imagekampagne für Kim und Putin. Anschliessend wird der Kreml-Chef zum «Seidenstrassen»-Gipfel nach Peking weiterreisen, wo Nordkorea in seinen Gesprächen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auch eine Rolle spielen wird.

Gipfel mit Trump endete vorzeitig

Russland ist wie die USA an einer nuklearen Abrüstung des Nachbarlandes interessiert. Zugleich setzt sich Moskau im Gegenzug für ein Entgegenkommen beim Atomprogramm für eine Lockerung der Sanktionen gegen Pjöngjang ein. Kim dürfte bei seinem ersten Besuch der Atommacht Russland Sicherheitsgarantien einfordern, sollte er sich auf Abrüstungsschritte einlassen.

Kims Gipfel mit Trump Ende Februar in Vietnam war vorzeitig abgebrochen worden. Beide waren mit maximalen Forderungen in die Gespräche gegangen und hatten sich nicht auf zentrale Fragen der atomaren Abrüstung Nordkoreas einigen können. Trotzdem bewerteten sie das Treffen anschliessend positiv. Erst kürzlich erklärte Trump auch einen weiteren Gipfel für möglich.

Neue Spannungen sind aber unübersehbar. Wenige Stunden vor dem Gipfel mit Putin kritisierte Nordkorea derzeit laufende Militärübungen Südkoreas und der USA. Die Luftmanöver gefährdeten die Beziehungen zwischen den koreanischen Staaten, sagte ein nordkoreanischer Sprecher und kündigte «entsprechende Gegenmassnahmen von unserer Armee» an, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete.

Missstimmung wegen Militärübung

Die Militärübung der USA und Südkoreas könne «die aggressive, anstössige und streitsüchtige Art ihrer feindseligen Handlungen nicht verbergen», sagte der Sprecher des nordkoreanischen Komitees für die Friedliche Wiedervereinigung des Landes. Durch den geänderten Codenamen der Übung in Südkorea würden beide Staaten suggerieren, das Manöver sei im Umfang reduziert worden – dies sei aber nicht der Fall.

Machthaber Kim hatte mit seinem gepanzerten Sonderzug am Mittwoch die Grenze zwischen Nordkorea und Russland überquert. Stunden später war er in der Hafenstadt am Pazifik angekommen und wurde mit militärischen Ehren empfangen. Er äusserte die Erwartung auf «erfolgreiche und nützliche Gespräche» mit Putin. Nordkoreas Machthaber bleibt noch den Freitag in Wladiwostok und soll erst am Samstag wieder heimreisen.

Russland hatte Kim bereits im Mai vergangenen Jahres eingeladen. Zuletzt war es im Jahr 2011 zu einem Gipfel zwischen den Führern Russlands und Nordkoreas gekommen. Der mittlerweile gestorbene Kim Jong Il - der Vater des jetzigen Machthabers - hatte sich seinerzeit mit dem damaligen Kremlchef Dmitri Medwedew getroffen. (sda/dpa)

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