International
Österreich

Chat-Affäre in Österreich: ÖVP-Gremium empfiehlt Parteiausschluss

Chat-Affäre in Österreich: ÖVP-Gremium empfiehlt Parteiausschluss

17.11.2022, 12:2317.11.2022, 18:13
epa10283331 Thomas Schmid, former Secretary General at the Austrian Finance Ministry, leaves during the Parliamentary Committee of Enquiry over clarification of corruption allegations against former A ...
Thomas SchmidBild: keystone

Die konservative österreichische ÖVP soll nach dem Willen ihres Ethikrats den ehemaligen Spitzenfunktionär Thomas Schmid aus der Partei ausschliessen.

Anlass dafür sei dessen Geständnis schwerer Straftaten, wie es in einer Erklärung des Gremiums am Donnerstag hiess. Schmid, einst Generalsekretär im Finanzministerium und ehemaliger Chef des Staatsholding Öbag, hatte in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft auch mehrere einstige und aktuelle Funktionsträger der ÖVP belastet. Die Parteimitgliedschaft des ehemaligen Vertrauten von Ex-Kanzler Sebastian Kurz ruht derzeit.

Schmid spielt bei den Ermittlungen zur Ibiza-Affäre eine Schlüsselrolle. Auf seinem Handy fand die Justiz mehr als 300'000 Chats, die aus Sicht der Opposition den Korruptionsverdacht in der Regierung von Kurz schüren.

Der Ethikrat kritisierte die Chats scharf. Die Wortwahl sowie der darin offenbarte mangelnde Respekt seien «völlig unangemessen und abzulehnen». Die von der Staatsanwaltschaft untersuchten Sachverhalte wie Untreue und Bestechung, die auch mehrere aktive sowie ehemalige ÖVP-Politiker und -Politikerinnen betreffen, beurteilte der Ethikrat nicht. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Im Gegensatz zu Schmid, der im Korruptionsverfahren den Status als Kronzeuge anstrebt, bestreiten Kurz und andere Verdächtige die Vorwürfe. Unter anderem soll das Team um Kurz mit geschönten Meinungsumfragen, die aus Steuergelder bezahlt worden sein sollen, dessen Aufstieg an die Regierungsspitze gefördert haben. In der 2019 aufgedeckten Ibiza-Affäre wirkte der damalige Vize-Kanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache anfällig für Korruption. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Ölboom wird die russische Wirtschaft kaum retten – sagt schwedischer Geheimdienstchef
Die russische Wirtschaft schwächelt, das Bruttoinlandsprodukt sinkt, die Inflation steigt. In einem Interview mit der «Financial Times» spricht der Leiter des schwedischen Militärgeheimdienstes von einer Abwärtsspirale Richtung Finanzkatastrophe.
Russlands Öl-Industrie zählt zweifelsohne zu den grossen Profiteuren des Iran-Kriegs. Durch die Blockade der Strasse von Hormus wird das russische Öl für Abnehmerländer wie Indien oder China, die bisher stark von Öl-Importen aus der Golf-Region abhängig waren, immer attraktiver. Gleichzeitig stieg im Zuge des Angriffs Israels und der USA auf den Iran der Preis für russisches Urals-Rohöl auf Rekordwerte von über 100 US-Dollar pro Barrel an.
Zur Story