Oscar-Moderator hält sich wie erwartet zurück – doch 2 Mal schiesst er scharf
Conan O'Brien ist nicht Trevor Noah. Wer erwartete, dass der diesjährige Oscar-Moderator ein Anti-Trump-Pointen-Feuerwerk abbrennt sowie Noah an den Grammys, der hatte sicher keine realistischen Vorstellungen. Conan O'Brien ist als eher moderat und vor allem wenig politisch bekannt.
Doch auch wenn sich O'Brien insgesamt zurückhielt, so sorgte er mit zwei erfrischend unverfrorenen Momenten für Erheiterung und Erstaunen im Glamour-Publikum vor ihm. Einmal nahm der Moderator eindeutig unzweideutig den US-Präsidenten ins Visier. O'Brien sagte:
O'Brien spielte damit auf die umstrittene Umbenennung des «Kennedy Center», eines der wichtigsten Kulturzentren der USA, in «Trump Kennedy Center» an. Die Verleihung fand im Dolby Theatre in Hollywood statt. Generell hat Trump ein Faible dafür, Dinge, Gebäude, Strassen und alles Mögliche nach sich selbst zu benennen. Vor kurzem benannte er auch ein Programm, das ärmeren US-Amerikanerinnen und -Amerikanern Zugang zu günstigeren Medikamenten ermöglichen soll, nach sich selbst.
Doch nicht nur: Donald Trump hat auffallend kleine Hände. Diese Tatsache lieferte spöttischen Kommentierenden in der Vergangenheit immer wieder Futter. Sie suggerieren gerne, entsprechend des gängigen Mythos, wonach kleine Hände bei Männern auf einen kleinen Penis hinweisen, dass eben auch der US-Präsident nicht allzu gut bestückt ist. Bekanntlich reagiert dieser auf solche Formen der Provokation oft emotional.
Umbenennung sorgte für Protest
Im Falle des Kennedy Centers hatte Trump kurz nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr unter seine Kontrolle gebracht und einen Kampf gegen «anti-amerikanische Propaganda» in der Kulturwelt angekündigt.
Er entliess mehrere Mitglieder des Kuratoriums, übernahm selbst den Vorsitz und betraute seinen für polarisierende Äusserungen bekannten Vertrauten Richard Grenell damit, die später unter öffentlichem Protest in «Trump Kennedy Center» umbenannte Institution auf Linie zu bringen. Zur Begründung hiess es unter anderem, das landesweit bekannte Kulturhaus im Herzen der US-Hauptstadt sei zu «woke» gewesen.
Nach dem kleinen Penis folgen die Pädophilen
Zurück nach LA: Conan O'Brien hatte nämlich noch einen weiteren Pfeil im Köcher, den er gleich zu Beginn der Show abfeuerte. Dieser zielte nicht unbedingt nur auf Trump persönlich, sondern auf die US-Elite sowie die US-Justiz im Allgemeinen. Letztere steht seit Wochen in der Kritik für ihren Umgang mit den Epstein-Files und sieht sich Vorwürfen gegenüber, dass einflussreiche und prominente Namen, die in den Dokumenten auftauchen, geschützt würden.
Darauf spielte O'Brien an, als er über die Absenz von britischen Schauspielern bei der diesjährigen Verleihung zu referieren begann. Es sei das erste Mal seit 2012, dass keine britischen Schauspieler als beste Darsteller nominiert seien. Ein britischer Sprecher habe ihm auf die Schilderung dieser Beobachtung hin erwidert:
Das Hollywood-Publikum schien für eine Sekunde überrumpelt von der Unvefrorenheit der Pointe, zumal O'Brien damit auch die US-Filmelite ins Visier nahm, die ihm gerade gegenüber sass. Dann jedoch brandete lauter Applaus und Gelächter im Saal auf.
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con, ergänzt mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.
