Zwischen Glamour und Weltgeschehen: So politisch könnten die Oscars 2026 werden
Hollywood bereitet sich auf eine Preisverleihung vor, die stärker von gesellschaftlichen Konflikten geprägt sein könnte als viele Shows zuvor. Zwar galten die Oscars lange als Bühne für eher allgemeine Botschaften zu Themen wie Klimaschutz oder Minderheitenrechten. Doch die aktuelle Auswahl der nominierten Filme spiegelt zunehmend politische Spannungen wider, die auch in den USA selbst spürbar sind.
Unter den nominierten Filmen findet sich etwa das Drama «Sinners», das sich mit Alltagsrassismus in den USA auseinandersetzt und zugleich schwarze Kultur würdigt. Branchenmedien halten mehrere Auszeichnungen für möglich. Auch populäre Animationsproduktionen wie «KPop Demon Hunters» oder «Zoomania 2» transportieren gesellschaftspolitische Botschaften, etwa zu Feminismus und Selbstbestimmung. Diese Themen stehen teils im Kontrast zur politischen Agenda der aktuellen US-Regierung.
Prominente Stimmen und kontroverse Rollen
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt Schauspieler Sean Penn, der als Favorit auf den Preis als bester Nebendarsteller gehandelt wird. In Interviews äusserte er sich zuletzt scharf über US-Präsident Donald Trump. Seine Rolle im Film «One Battle After Another» – als Anführer einer Polizeieinheit, die Migranten jagt – wird von vielen als Kommentar zu aktuellen Entwicklungen rund um Razzien der Einwanderungsbehörde ICE interpretiert. Beobachter halten es für möglich, dass Penn in einer Dankesrede auch internationale Konflikte wie den Krieg in der Ukraine thematisieren könnte, für dessen Unterstützung er sich seit Jahren engagiert.
Auch andere prominente Teilnehmer könnten politische Akzente setzen. Der spanische Schauspieler Javier Bardem hat in der Vergangenheit Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisiert und einen Boykott gefordert. Ob er bei der Oscar-Gala entsprechende Zeichen setzt, etwa durch Symbole oder Aussagen, wird sich zeigen.
Academy betont Meinungsfreiheit und Respekt
Die Academy verweist im Vorfeld auf die Bedeutung künstlerischer Freiheit. Präsidentin Lynette Howell Taylor erklärte, die Oscars hätten stets für kreativen Ausdruck, Unabhängigkeit und freie Meinungsäusserung gestanden. Zugleich rief sie zu einem respektvollen Umgang auf. Die Wahl von Moderator Conan O’Brien gilt als Signal für einen moderaten Ton, denn er ist eher für Humor als für politische Provokation bekannt.
Neben geopolitischen Konflikten könnten auch innenpolitische Ereignisse in den USA eine Rolle spielen. In Branchenkreisen wird erwartet, dass einzelne Künstler an Gewaltfälle im Zusammenhang mit Einsätzen der Einwanderungsbehörde erinnern könnten. Solche Gesten, etwa in Form von Ansteckern oder kurzen Statements, waren bei früheren Preisverleihungen bereits zu beobachten.
Die diesjährige Oscar-Nacht dürfte damit nicht nur eine Feier des Films sein. Vieles spricht dafür, dass sie auch zum Forum für Debatten über Macht, Identität und internationale Krisen wird – möglicherweise so politisch wie lange nicht mehr. (mke)
