Er entwarf den «Oscar» – und so viel Gold steckt heute wirklich drin
Jedes Jahr richtet sich der Blick der Filmwelt auf die Verleihung der Oscars. Der Gewinn der ikonischen Trophäe gilt als Höhepunkt einer Karriere und als Symbol für aussergewöhnliche Leistungen vor und hinter der Kamera. Offiziell trägt der Preis allerdings den Namen «Academy Award of Merit». Die Bezeichnung «Oscar» ist ein Spitzname, der sich erst im Lauf der Zeit durchsetzte.
Ein Ritter auf Filmrollen
Die bekannte Figur zeigt einen stilisierten Ritter mit Schwert, der auf einer Filmrolle steht. Diese Filmrolle besitzt fünf Speichen und soll die ursprünglichen Berufsgruppen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences repräsentieren: Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Techniker und Drehbuchautoren. Die Statuette ist rund 34 Zentimeter hoch und wiegt knapp vier Kilogramm.
Entworfen wurde sie Ende der 1920er-Jahre vom MGM-Art Director Cedric Gibbons. Der Bildhauer George Stanley setzte die Idee anschliessend um. Heute wird der «Goldjunge» von einem spezialisierten Hersteller in den USA gefertigt. Für die Produktion mehrerer Dutzend Exemplare werden jeweils mehrere Monate benötigt.
Bronze statt massivem Gold
Trotz ihres glänzenden Aussehens besteht die Statuette nicht aus massivem Gold. Ihr Kern wird aus Bronze gegossen und anschliessend mit einer dünnen Schicht aus 24-karätigem Gold überzogen. In früheren Jahrzehnten experimentierten Hersteller zeitweise auch mit anderen Legierungen, etwa Nickel-, Kupfer- oder Silbermischungen. Seit einigen Jahren orientiert sich die Produktion wieder stärker am ursprünglichen Materialkonzept aus der Gründungszeit der Academy.
Der tatsächliche Materialwert einer Oscar-Statuette ist deshalb vergleichsweise gering und wird auf wenige hundert Euro geschätzt. Der ideelle Wert ist dagegen kaum zu beziffern. Als Symbol für künstlerische Anerkennung und beruflichen Erfolg hat der Preis einen enormen Stellenwert in der Filmindustrie.
Auktionen und strenge Regeln
Dass Oscars dennoch hohe Summen erzielen können, zeigen einzelne Versteigerungen aus der Vergangenheit. Trophäen berühmter Filmschaffender wurden teilweise für mehrere Hunderttausend Dollar verkauft. Solche Verkäufe sieht die Academy jedoch kritisch. Wer einen Oscar heute weitergeben möchte, muss ihn der Organisation zunächst für den symbolischen Preis von einem Dollar anbieten. Erst wenn dieses Angebot abgelehnt wird, darf die Auszeichnung an andere Interessenten veräussert werden.
Woher der Name «Oscar» stammt
Warum der Academy Award überhaupt «Oscar» genannt wird, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine verbreitete Anekdote erzählt von der Bibliothekarin Margaret Herrick, die beim ersten Anblick der Figur eine Ähnlichkeit mit ihrem Onkel Oscar festgestellt haben soll. Andere Geschichten führen den Namen auf Walt Disney oder auf den Hollywood-Kolumnisten Sidney Skolsky zurück, der den Begriff bereits in den 1930er-Jahren verwendete. Welche Version tatsächlich stimmt, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen.
Fest steht jedoch: Auch ohne grossen Goldanteil bleibt der Oscar eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen der Unterhaltungsbranche – und ein Symbol für die Strahlkraft des Kinos. (mke)
