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Mann von Mob in Pakistan totgeschlagen – er soll Koran verbrannt haben

A Muslim reads verses of the Quran in a mosque during Itikaf, which requires staying in seclusion in a mosque to read the Quran and pray during the last ten days of the Islamic fasting on month of Ram ...
Ein Mann in Pakistan liest im Koran.Bild: keystone

Mann von Mob in Pakistan totgeschlagen – er soll Koran verbrannt haben

21.06.2024, 06:27
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Wegen einer mutmasslichen Koran-Verbrennung ist in Pakistan ein Mann von einer Menschenmenge erschlagen und verbrannt worden. Die Menge habe den Mann am Donnerstag aus einer Polizeistation geholt, wo dieser zu seinem Schutz untergebracht worden sei, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Polizeikreisen.

Anwohnende in der Gegend von Madyan im Swat-Tal hatten den Mann demnach zuvor festgehalten und behauptet, er habe den Koran verbrannt. «Die Polizei griff ein, rettete ihn und brachte ihn auf die örtliche Polizeiwache», sagte eine Polizeiquelle zu AFP. Doch die Menge, die von den örtlichen Moscheen angestachelt worden sei, habe die Polizeistation gestürmt und den Mann, der nicht aus der Region stammte, mit Steinen beworfen.

Von der Polizei abgegebene Warnschüsse hätten die Menschenmenge nur weiter aufgestachelt, hiess es weiter. Der Mob habe die Polizisten überwältigt, den Mann hinausgezerrt und ihn mit Stöcken zu Tode geprügelt. Später übergossen sie seinen Körper mit Öl und zündeten ihn an.

Keine Seltenheit

Vorfälle wie diese sind in Pakistan keine Seltenheit. Ende Mai wurde ein Christ, der Seiten aus dem Koran verbrannt haben soll, in der ostpakistanischen Region Punjab von einem Mob gelyncht. Ebenfalls im Punjab hatte eine Menschenmenge im Februar 2023 einen Muslim totgeschlagen, der beschuldigt wurde, den Koran geschändet zu haben.

Der Vorwurf der «Gotteslästerung» ist im mehrheitlich muslimischen Pakistan ein äusserst heikles Thema. Blasphemische Vergehen können mit der Todesstrafe geahndet werden, die bislang jedoch noch nie vollstreckt wurde. Allerdings kann selbst der geringste Verdacht auf eine Beleidigung des Islam Proteste auslösen und zu Lynchmorden führen. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wird der Vorwurf auch häufig als Vorwand benutzt, um persönliche Fehden auszutragen. (sda/afp)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
21.06.2024 07:44registriert April 2016
Einfach nur Wahnsinn einen Menschen zu töten, weil er ein Buch zerstört, dass man gut findet.

Wäre aber so leider in vielen muslimischen Ländern und Regionen möglich - in den allermeisten christlichen oder buddhistischen Ländern jedoch unvorstellbar.
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tychi
21.06.2024 08:31registriert Juli 2016
Bücher verbrennen ist immer falsch - ABER: Ich würde alles tun, um für das Recht eines Menschen einzustehen, ein Buch zu verbrennen!
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Unicron
21.06.2024 13:20registriert November 2016
Man ersetze mal den Begriff "Gott" mit "Batman" und man realisiert wie lächerlich das alles ist.
Man stelle sich vor jemand wird tot geschlagen und verbrannt weil er einen Batman Comic verbrannt haben soll (was aber keiner gesehen hat).

Es ist nur ein fucking Buch, selbst wenn man daran glaubt, ist doch nicht das BUCH heilig, sondern der Text darin, und das Buch gibt es in Millionenfacher Ausführung.
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