Pakistan erklärt den Taliban den Krieg – diese 5 Punkte musst du jetzt wissen
Was ist passiert?
Die Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan sind dramatisch eskaliert. Nach afghanischen Angriffen auf pakistanische Stellungen im Grenzgebiet am Donnerstagabend flog Islamabad am Freitag Luftangriffe auf Kabul und Kandahar. Beide Seiten meldeten Tote und Verletzte. Die Taliban forderten nach den Attacken eine Lösung durch Dialog, während Pakistan Bedingungen stellte, damit die Kämpfe eingestellt werden.
Die Beziehungen hatten sich in den vergangenen Monaten wegen pakistanischer Vorwürfe verschlechtert, Kabul beherberge Terroristen, die in Pakistan Anschläge verübten. Afghanistan weist dies zurück. Der Konflikt flammte immer wieder militärisch auf, Vermittlungen scheiterten bereits im vergangenen Herbst. Seit Donnerstagabend wurden laut Taliban 13 afghanische Sicherheitskräfte getötet und 22 verletzt, zudem gab es zivile Opfer. Pakistan sprach von 274 getöteten afghanischen Kämpfern und meldete zwölf getötete und 27 verletzte Soldaten. Taliban-Sprecher Mudschahid drohte mit weiterer Gewalt, betonte aber zugleich den Wunsch nach Gesprächen.
Ist eine schnelle Beilegung des Konflikts in Aussicht?
Pakistan zeigte sich nicht dialogbereit und forderte die Taliban auf, sich klar von Extremisten im Nachbarland zu distanzieren. Solange dies nicht geschehe, werde der Militäreinsatz fortgesetzt. Ein Armeesprecher verlangte von Kabul eine Entscheidung zwischen Pakistan und Terrororganisationen. Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach sogar von einem «offenen Krieg».
Die nächtlichen Luftangriffe auf Kandahar und Kabul markieren eine neue Eskalation, da erstmals auch Ziele im Landesinneren getroffen wurden. Kandahar gilt als politisches und spirituelles Machtzentrum der Taliban. Kabul bezeichnete die Attacken als Vergeltung für frühere pakistanische Angriffe, während Islamabad seinerseits von Gegenmassnahmen nach Terroranschlägen spricht, deren Drahtzieher es in Afghanistan vermutet.
Wie reagiert die internationale Gemeinschaft?
China, das eine Grenze zu beiden Ländern hat, rief zu raschem Dialog und einer Feuerpause auf. «Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts», sagte Aussenamtssprecherin Mao Ning in Peking.
Vermittler aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hatten in der Vergangenheit auf eine Waffenruhe gedrängt. Auch im aktuellen Konflikt sprach der türkische Aussenminister mit beiden Konfliktparteien. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Länder zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers.
Worum geht es in dem Konflikt?
Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) – weithin als pakistanische Taliban bekannt – und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge.
Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 300 der Angriffe werden der TTP zugerechnet. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. Auf die Vorwürfe aus Islamabad sagte Mudschahid am Freitag, die TTP seien «Pakistans internes Sicherheitsproblem, das schon seit Jahren besteht und nichts mit Afghanistan zu tun hat.»
Wie geht es weiter?
In Pakistan wurden noch am Freitag weitere Sicherheitsmassnahmen getroffen. In Islamabad verboten Behörden jegliche Drohnenflüge. In mehreren Städten im Land wurde die Alarmbereitschaft erhöht. In Peshawar im Norden nahe der afghanischen Grenze richteten sich Krankenhäuser auf Opfer von möglichen Anschlägen ein. (aargauerzeitung.ch)
