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Palästina, Israel und die al-Aqsa-Moschee – die Chronik einer Gewaltspirale

In den vergangenen Wochen eskalierte die angespannte Lage zwischen Israel und Palästina: Eine Welle des Terrors und der Gewalt rollte über die Region. Ein Überblick über die Geschehnisse und die prominente Rolle der al-Aqsa-Moschee.
25.04.2022, 14:5326.04.2022, 15:03

Bomben regnen im Grenzgebiet nieder, Nationalisten ziehen in Flaggenmärschen durch Jerusalem, auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif kommt es bei Ausschreitungen zu Verletzten und bei einer Anschlagserie sterben Menschen – so viele wie seit Jahren nicht mehr im gleichen Zeitraum:

Auf israelischem Gebiet nahmen Terrorakte von Palästinensern gegen Juden zu und forderten mindestens 14 Tote sowohl auf jüdischer als auch auf palästinensischer Seite. So wurden zum Beispiel bei einem Anschlag am Donnerstag, 7. April, in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv zwei 27-jährige Männer getötet und mindestens 16 verletzt. Der Attentäter, ein 28-jähriger Palästinenser, wurde noch am selben Tag erschossen.

Gleichzeitig seien in der ersten Aprilhälfte 2022, fünfmal mehr Palästinenser durch die israelische Armee getötet worden als im gleichen Zeitraum 2021, wie die Menschenrechtsorganisation «Euro-Med Human Rights Monitor» (Euro-Med)* mit Sitz in Genf schreibt – nämlich 18 Personen in nur 14 Tagen. Seit Januar seien es sogar 29 tote Palästinenser, die von israelischer Seite getötet wurden – darunter sieben Kinder und zwei Frauen.

Palästinenser beten während dem Ramadan auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif in Jerusalem, Israel , 8. April 2022.
Palästinenser beten während dem Ramadan auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif in Jerusalem, Israel , 8. April 2022.Bild: keystone

Die zunehmende Gewaltbereitschaft hat mittlerweile international Befürchtungen geweckt, dass es im Nahen Osten zu der schlimmsten Eskalation des Nahostkonflikts seit Jahren kommen könnte.

Ein Überblick über die Geschehnisse während der letzten zwei Wochen – und warum die al-Aqsa-Moschee zum Dreh und Angelpunkt der Gewaltargumentation geworden ist:

*Euro-Med wurde 2015 von der amerikanischen, rechtspopulistischen, anti-muslimischen Denkfabrik «Center for Security Policy» vorgeworfen, mit der radikal-islamischen Hamas verbandelt zu sein.

Der 8. April: «Für diesen Krieg gibt es keine Grenzen»

Am 8. April gab der israelische Premierminister Naftali Bennett eine Erklärung heraus und erteilte den israelischen Sicherheitsbehörden eine umfassende Vollmacht gegen «den Terror»:

«Wir gewähren der Armee, (dem Inlandsgeheimdienst) Schin Bet und allen Sicherheitskräften volle Handlungsfähigkeit, um den Terror zu besiegen.»

Tags zuvor wurden in Tel Aviv zwei junge Männer von einem Palästinenser erschossen.

Bennet erklärte vor den Medien: «Für diesen Krieg gibt es keine Grenzen und es wird auch keine geben.» Ein führendes Mitglied der islamistischen Hamas, Muschir al-Masri, lobte gegenüber der Nachrichtenagentur Wafa, dass dieser Anschlag beweise, «wie tief der Widerstand in das israelische Sicherheitssystem eindringen» könne. Die Hamas ist eine radikalislamische Palästinenserorganisation, die Israel mit Krieg und Selbstmord-Attentaten besiegen will – und im Gazastreifen die Regierung stellt.

Der Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hingegen verurteilte die Tat: «Die Tötung von palästinensischen und israelischen Zivilisten führt nur zu einer weiteren Verschlechterung der Lage.»

Der 15. April: Zusammenstösse auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif

Gerade in der Stadt Jerusalem heizen sich die religiösen Spannungen besonders auf, denn der zweite Freitag des islamischen Ramadans, der Beginn des jüdischen Pessach-Fests sowie der christliche Karfreitag sind dieses Jahr zusammengefallen – auf den Freitag, 15. April. Und die heilige Stadt beanspruchen alle diese Religionen für sich.

Zu Karfreitag ziehen Hunderte Christen in Jerusalem an den Kreuzweg Jesu, gleichzeitig kommen Zehntausende Muslime zum Freitagsgebet in der al-Aqsa-Moschee auf den Tempelberg / Haram al-Scharif. Der Ramadan stellt nämlich für Palästinenser aus dem besetzten Westjordanland und dem Gazastreifen eine seltene Gelegenheit dar, die heilige Stadt mit einer Militärerlaubnis zu betreten – die ausserhalb des heiligen islamischen Monats für sie kaum ausgestellt wird.

Und am Abend reisen zusätzliche Gläubige für den Beginn des jüdischen Pessachfests nach Jerusalem.

Just an dem Tag eskaliert der Konflikt: Denn inmitten dieses Getümmels kommt es nach dem Ende der Morgengebete bei der al-Aqsa-Moschee zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen israelischen Sicherheitskräften und muslimischen Gläubigen.

Israelische Sicherheitsleute auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee, Jerusalem, Israel 15. April 2022.
Israelische Sicherheitsleute auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee, Jerusalem, Israel 15. April 2022.Bild: keystone
Palästinenser werfen Steine auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee, Jerusalem, Israel, 15. April 2022.
Palästinenser werfen Steine auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee, Jerusalem, Israel, 15. April 2022.Bild: keystone

Mindestens 152 Personen sollen bei den Auseinandersetzungen verletzt worden sein – darunter auch Kinder – 117 davon mussten ins Spital eingeliefert werden, meldete der Rote Halbmond.

Die genauen Geschehnisse an diesem Tag sind nicht ganz klar: Die israelische Polizei machte palästinensische «Randalierer» für die Eskalation der Gewalt an diesem Tag verantwortlich, die palästinensische Seite Provokationen seitens Israels, indem gegen eine geltende Regelung verstossen wurde:

Diese erlaubt Nichtmuslimen normalerweise zwar den Besuch des Tempelbergs / Haram al-Scharif. Doch während der letzten zwei Wochen des Ramadans ist der Zutritt ausschliesslich den Muslimen vorbehalten.

Der israelische Premierminister Naftali Bennett verteidigte das Einschreiten der israelischen Polizei auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif am 15. April in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CNN am 20. April: Die israelische Polizei habe die Moschee erst betreten, nachdem rund 300 gewalttätige Personen mit Steinen und Brandbomben auf den Tempelberg gezogen seien – und 80'000 friedliche Muslime vom Gebet abgehalten hätten. Bennett machte klar:

«Meine Verantwortung als Premierminister von Israel ist es, allen in Jerusalem Gebetsfreiheit zu verschaffen, einschliesslich Muslimen, weshalb ich Polizisten schicken musste, um die Randalierer zu entfernen. Und das hat funktioniert.»

Die Eskalation der Situation in den letzten zwei Wochen

Am Montag, 18. April, fliegen zum ersten Mal seit Jahresbeginn Raketen vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet. Das palästinensische Geschoss wird von der israelischen Raketenabwehr, dem sogenannten «Iron Dome», abgefangen. Trotzdem startet die israelische Luftwaffe in der Nacht auf Dienstag, 19. April, einen Gegenangriff und beschiesst eigenen Angaben zufolge «eine Werkstätte zur Waffenherstellung der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas».

Eine Explosion, die durch den israelische Luftangriff auf einen Militärstützpunkt der Hamas in der Stadt Khan Younis im südlichen Gazastreifen verursacht wurde, 19. April 2022.
Eine Explosion, die durch den israelische Luftangriff auf einen Militärstützpunkt der Hamas in der Stadt Khan Younis im südlichen Gazastreifen verursacht wurde, 19. April 2022.Bild: keystone

Am Mittwochabend, 20. April, ziehen mehr als 1000 rechte israelische Aktivisten in Richtung des muslimischen Viertels von Jerusalem. Sie skandieren Parolen wie «Tod den Arabern» und schwenken die israelische Flagge. Der Oppositionspolitiker Itamar Ben Gvir führt den Protest an. Der israelischen Polizei gelingt es erfolgreich, den Zug daran zu hindern, das muslimische Viertel zu erreichen.

Militante Palästinenserorganisationen im Gazastreifen hatten im Vorfeld scharfe Warnungen gegen den Marsch ausgesprochen. Man habe «den Finger am Abzug», hiess es in einer Stellungnahme.

Israelische Aktivisten ziehen mit Flaggen durch die Strassen von Jerusalem, Israel, 20. April 2022.
Israelische Aktivisten ziehen mit Flaggen durch die Strassen von Jerusalem, Israel, 20. April 2022.Bild: keystone

In der darauffolgenden Nacht zum Donnerstag, 21. April, werden wohl als Reaktion auf den Flaggenmarsch Raketen von Palästinenser im Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Eine der Raketen schlägt im Bereich der Grenzstadt Sederot ein, die zweite geht im Gazastreifen selbst nieder. Als Antwort darauf beschiesst die israelische Armee eigenen Angaben zufolge einen unterirdischen Komplex im Gazastreifen, der für den Bau von Raketentriebwerken genutzt werde.

Israel macht die Hamas für die Raketenanschläge verantwortlich, wie das Verteidigungsministerium auf Twitter verlauten lässt.

Am Freitag, 22. April, kommt es auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen der israelischen Polizei und muslimischen Gläubigen.

Dabei werden dem Roten Halbmond zufolge 31 Menschen verletzt, darunter drei Journalisten und eine israelische Polizistin. Bei 14 der Verletzten seien die Verletzungen so, dass man sie nicht vor Ort hätte behandeln können. Ein 21-jähriger Palästinenser muss am 24. April ins Koma verlegt werden, da seine Kopfverletzungen so gravierend seien, wie al-Jazeera schreibt.

Eine palästinensische Flagge wird auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif geschwenkt, Jerusalem, Israel, 22. April 2022.
Eine palästinensische Flagge wird auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif geschwenkt, Jerusalem, Israel, 22. April 2022.Bild: keystone

Der israelischen Polizei zufolge sollen Palästinenser bereits in den Morgenstunden Steine gesammelt haben. Die Beamten hätten in der Früh mehrfach eingegriffen, als sich mit Steinen bewaffnete Personen der Klagemauer genähert hätten.

Das Gelände der al-Aqsa-Moschee hätten sie tatsächlich betreten, während sich Tausende muslimische Gläubige zum Freitagsgebet während des heiligen Monats Ramadan versammelt hätten, meldet die israelische Polizei. Doch der Zweck dieser Aktion sei gewesen, dass die Beamten das Gelände von Steinen befreit hätten, um mögliche Gewalt zu verhindern.

Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zitiert hingegen anonyme Zeugen, die erzählen, dass die israelische Polizei Gummigeschosse gegen die Gläubigen angewendet habe – was auch der Rote Halbmond bestätigt.

Die israelische Polizei stürmt das Gelände der al-Aqsa-Moschee, wo sich steinewerfende Palästinenser aufhalten, Jerusalem, Israel, 22. April 2022.
Die israelische Polizei stürmt das Gelände der al-Aqsa-Moschee, wo sich steinewerfende Palästinenser aufhalten, Jerusalem, Israel, 22. April 2022. Bild: keystone

In den Sozialen Medien kursiert ein Video einer Drohne, die Tränengas auf das Gelände der al-Aqsa-Moschee niederregnen lässt. Die Journalistin Hind Hassan, die vor Ort war, bekräftigt mit einem Tweet die Annahme einer Tränengas-Drohne über der al-Aqsa-Moschee am vergangenen Freitag:

Der israelische Diplomat Yaki Lopez schreibt auf Twitter, dass sich die Situation so abgespielt habe, dass «muslimische Randalierer» versucht hätten, andere Muslime am Gebet zu hindern, um so die Stimmung aufzuheizen.

Später am selben Tag ruft die radikal-islamische Hamas zu einer Kundgebung im Gazastreifen auf. Daraufhin ziehen Anhänger der terroristischen Hamas-Organisation durch die Strassen und schwenken islamistische Flaggen. Sie erklären, sich somit mit den muslimischen Bewohnern des Westjordanlands und Jerusalems solidarisch bekennen zu wollen.

Anhänger der radikal-islamischen Hamas ziehen durch den Gazastreifen, 22. April 2022.
Anhänger der radikal-islamischen Hamas ziehen durch den Gazastreifen, 22. April 2022.Bild: keystone

Auch in anderen muslimischen Staaten kommt es zu ähnlichen Protesten.

Anhänger der islamischen Gruppe «Jamaat-e-Islami» nehmen an einer Solidaritätskundgebung für Muslime teil, Pakistan, 22. April 2022.
Anhänger der islamischen Gruppe «Jamaat-e-Islami» nehmen an einer Solidaritätskundgebung für Muslime teil, Pakistan, 22. April 2022.Bild: keystone

In der Nacht zu Samstag, 23. April, werden erneut Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Eine Rakete sei auf israelischem Gebiet, eine zweite noch im Gazastreifen niedergegangen, teilt die israelische Armee mit. Später sei noch eine dritte Rakete abgefeuert worden, wie das Verteidigungsministerium auf Twitter vermeldet.

In der Folge schliesst Israel seine Grenze zum Gazastreifen für tausende Arbeiter und Händler bis auf Weiteres, um die eigene Bevölkerung zu schützen.

Gewerkschaften im Gazastreifen bezeichneten die Schliessung der Grenze als «kollektive Bestrafung», die der bereits angeschlagenen Wirtschaft im Gazastreifen sehr schaden würde, wie Al-Jazeera schreibt. Und weiter: Der Zeitpunkt der Schliessung, kurz vor dem Ende des Ramadan, würde «den Schmerz der Familien, die um ihr Auskommen kämpfen», noch verstärken.

Hamas-Sprecher Hazem Wassem sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Massnahme auf eine «Verschärfung der Belagerung» abziele und eine Form der Aggression sei, welche die Hamas nicht akzeptiere.

Das politische Geplänkel

Am vergangenen Donnerstag, 21. April, brach die Arabische Liga ihr Schweigen zu den jüngsten Ereignissen. Im Vorfeld war eine dringliche Sitzung in Jordanien einberufen worden, um die «illegale israelische Politik und Massnahmen» in Jerusalem zu diskutieren.

Arabische Liga
Die Arabische Liga entstand 1945 im Zug der politischen Situation im Nahen Osten. Sie umfasst 21 Nationalstaaten sowie Palästina. Das Hauptziel der Liga ist, die Beziehungen der Mitglieder auf politischem, kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zu fördern. Zudem soll die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitgliedstaaten und der arabischen Ausseninteressen gewahrt werden.

Die Arabische Liga erklärte:

«Unsere Forderungen sind eindeutig: Al-Aqsa und Haram al-Scharif sind eine alleinige Gebetsstätte für Muslime.»

Auch in dieser Aussage schwingt der palästinensische Vorwurf mit, dass Israelis zurzeit den Tempelberg / Haram al-Scharif betreten würden, obwohl die geltende Regelung Nichtmuslimen den Besuch des Tempelbergs / Haram al-Scharif während der letzten zwei Wochen des Ramadans untersagt. Zudem dürfen nur Muslime auf dem Areal der al-Aqsa-Moschee beten.

Die Arabische Liga forderte Israel darum auf, dass die Sicherheitskräfte vor Ort unterbinden würden, dass Juden auf dem Gelände der Al-Aqsa-Moschee beten oder dieses betreten, da dies als Beleidigung der muslimischen Gefühle angesehen werden könnte – was wiederum den Konflikt schüre, wie al Jazeera schreibt.

Der israelische Verteidigungsminister, Benny Gantz, erklärte bereits am Mittwoch, 20. April:

«Israel hat die Gebetsfreiheit, den Status quo auf dem Tempelberg gewährleistet und – was am wichtigsten ist – auch die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in diesem Gebiet. Und Israel wird dies auch weiterhin gewährleisten und verteidigen.»

Der Dreh- und Angelpunkt: Tempelberg / Haram al-Scharif

Seit Jahrhunderten ist er eine der umkämpftesten heiligen Stätten überhaupt: der Tempelberg / Haram al-Scharif. Wer auch immer gerade über Jerusalem herrschte, errichtete sein Gotteshaus auf diesem Fleck Erde.

Der Tempelberg / Haram al-Scharif ist ein Hügel in der Altstadt von Jerusalem, der bereits in vorchristlicher Zeit als Tempelareal gedient hat.

Darstellung der Gebäude auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif in Jerusalem, Israel.
Darstellung der Gebäude auf dem Tempelberg / Haram al-Scharif in Jerusalem, Israel.Bild: Screenshot www.greenolivetours.com
Der Tempelberg / Haram al-Scharif ist ein Erinnerungsort, den mehrere Religionen für sich beanspruchen.

Dominiert wird der Tempelberg / Haram al-Scharif heute von einem ummauerten Plateau auf dem Gipfel, in dessen Mitte seit dem 7. Jahrhundert nach Christus der Felsendom thront – ein Sakralbau des Islams. Dieser soll laut der jüdischen Überlieferung auf dem Fundament von Tempelbauten aus biblischer Zeit errichtet worden sein.

Der Felsendom mit seiner charakteristischen Kuppel.
Der Felsendom mit seiner charakteristischen Kuppel.Bild: keystone

Der jüdisch konnotierte Begriff «Tempelberg» nimmt dann auch auf diese Tempelbauten Bezug und referiert auf (1.) den sogenannten salomonischen Tempel, (2.) den nachexilisch begründete Tempel sowie (3.) den Herodianischen Tempel – in chronologischer Reihenfolge.

Der Begriff Tempelberg bildet in dieser Tradition das symbolische Zentrum der Welt und stellt eine Verbindung von irdischer und göttlicher Sphäre her. Einen Teil der westlichen Umfassungsmauer des Plateaus des Herodianischen Tempels ist heute die Klagemauer – eine seit Jahrhunderten zentrale religiöse Stätte des Judentums.

Jüdische Gläubige beten an der Klagemauer.
Jüdische Gläubige beten an der Klagemauer.Bild: sda

Auf der südlichen Seite der Esplanade befindet sich die al-Aqsa-Moschee, die drittheiligste Stätte des Islam. Muslime glauben, dass Mohammed während der sogenannten Nachtreise von der Moschee in Mekka an diesen Ort gebracht wurde.

Die al-Aqsa-Moschee links im Bild.
Die al-Aqsa-Moschee links im Bild.Bild: keystone

Archäologisch ist die Frage der Kontinuitäten zwischen den Tempelbauten aus biblischer Zeit und den heutigen Sakralbauten zwar nicht eindeutig geklärt, trotzdem gilt: Der Tempelberg / Haram al-Scharif ist ein Erinnerungsort, den mehrere Religionen für sich beanspruchen.

Ein orthodoxer Jude betrachtet den islamischen Felsendom.
Ein orthodoxer Jude betrachtet den islamischen Felsendom.Bild: AP

Tempelberg / Haram al-Scharif nach dem ersten Weltkrieg

Bis zum Ersten Weltkrieg war Jerusalem ein Teil des Osmanischen Reiches. Juden war der Zugang zum Tempelberg / Haram al-Scharif damals verboten. Während des Ersten Weltkrieges kam Jerusalem unter britische Herrschaft. 1917 versprach die britische Regierung den Zionisten in der Balfour-Deklaration die Schaffung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina – und legte somit den Grundstein für den heutigen Konflikt. Der UN-Teilungsplan von 1947 sah dann die Beendigung des britischen Mandats über Palästina vor und regelte, wie das Gebiet unter «Juden» und «Arabern» aufgeteilt werden solle. Jerusalem und Bethlehem sollten in dieser Resolution unter internationale Kontrolle gestellt werden.

Nur wenige Stunden nach der Ausrufung des Staates Israel im Mai 1948 begannen lokale Scharmützel zwischen arabischen Milizen und jüdischen Militärorganisationen. Diese Auseinandersetzungen gipfelten im ersten arabisch-israelischen Krieg 1948/49. Während diesem Krieg gelang es dem gerade erst gegründeten jüdischen Staat ein Territorium zu sichern, das durchaus grösser war als dasjenige, welches der UN-Teilungsplan für Israel vorgesehen hatte.

Allerdings geriet die östliche Altstadt Jerusalems – und somit auch die Klagemauer – unter jordanische Herrschaft. Gläubigen Juden war der Zugang zu ihrem Heiligtum, der Klagemauer, erneut verwehrt.

Erst im Zuge des Sechstagekriegs im Jahr 1967 gelang es israelischen Fallschirmjägern, die östliche Altstadt Jerusalems zu erobern. Seit da ist die Klagemauer wieder in jüdischer Hand – der Tempelberg hingegen blieb weiterhin unter muslimischer Autorität. Trotzdem erklärte der spätere israelische Premierminister Yitzhak Rabin diesen Augenblick zum Symbol des «grossen Siegs».

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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kramer
25.04.2022 17:16registriert September 2021
Man stelle sich vor
Es gibt eine heilige stätte die für die 3 Weltreligionen heilig ist.
Es könnte ein ort des friedlichen zusammenseins und des gegenseitigen respekts sein.
Doch gibt es dort nur hass, Abneigung und Gewalt!
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Pager
25.04.2022 15:07registriert September 2021
Jerusalem unter internationale Führung stellen und endlich fertig mit dem Theater. Bei anderen Gebieten wäre das schon lange geschehen.
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