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Papst stuft Massaker an Armeniern als «Völkermord» ein



epa05387926 Pope Francis (C) arrives to visit the Apostolic Cathedral of Etchmiadzint during his visit in Yerevan, Armenia, 24 June 2016. Pope Francis is in Armenia for a three-day visit.  EPA/ANDREW MEDICHINI / POOL Pool photo

Franziskus in Armenien.
Bild: EPA/AP POOL

Papst Franziskus ist zu Gast bei der «ersten christlichen Nation» in Armenien. Bei seinem Besuch stufte er am Montag das Massaker an den Armeniern erneut als Völkermord ein.

«Diese Tragödie, dieser Genozid, hat leider die traurige Liste der entsetzlichen Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts eröffnet, die von anormalen rassistischen, ideologischen oder religiösen Motivationen ermöglicht wurden», sagte Franziskus am Freitag in Eriwan bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan, wie Radio Vatikan berichtete.

Es war mit Spannung erwartet worden, ob der Papst den Begriff Genozid vermeiden würde, um etwa Spannungen mit der Türkei zu vermeiden. 2015 hatte die Türkei kurzzeitig ihren Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Papst Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte.

Nach armenischen Angaben starben bei den Massakern im damaligen Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 rund 1,5 Millionen Armenier.

Nach armenischer Zählung haben bereits 27 Länder das Massaker als Genozid bezeichnet, darunter neben den USA, dem Vatikan und Frankreich zuletzt auch Deutschland. Die Türkei reagierte scharf auf die Resolution des Bundestags vom 2. Juni. Sie selbst spricht von einem Bürgerkrieg mit Opfern auf beiden Seiten.

«Bewunderung und Schmerz»

Zum päpstlichen Besuchsprogramm in der Südkaukasusrepublik Armenien zählt ein Gebet, das den Opfern der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich gewidmet ist. Er komme in das Land, weil die «Ereignisse» in der Geschichte des armenischen Volks bei ihm «Bewunderung und Schmerz» auslösten, hatte Franziskus am Mittwoch erklärt.

Bei seinem Besuch rief der Papst zudem die Christenheit angesichts weltweiter Bedrohungen zur Einheit auf. «Die Welt ist leider gezeichnet von Spaltungen und Konflikten (...), und erwartet von den Christen ein Zeugnis gegenseitiger Achtung und brüderlicher Zusammenarbeit», sagte Franziskus am Freitag einem vorab verteilten deutschen Redemanuskript zufolge.

Auf dem Flug nach Eriwan rief der Papst die Europäer angesichts des Brexit-Votums der Briten für einen Ausstieg aus der EU zu bedachtem Handeln auf. «Das erfordert von uns allen eine grosse Verantwortung», sagte er italienischen Medien zufolge.

Dreitägiger Besuch

Die Strassen von Eriwan erstrahlten zum Papstbesuch in Gelb-Weiss und Violett - den Farben des Vatikans und der Armenischen Kirche. Bei Sonnenschein erwarteten zahlreiche Schaulustige den Papst am Kirchensitz in Etschmiadsin vor den Toren der Hauptstadt.

Der päpstliche Besuch in Armenien dauert drei Tage. Zu seinem Besuchsprogramm zählen ein Gebet an der Gedenkstätte Zizernakaberd in der Hauptstadt Eriwan, die den Opfern der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich gewidmet ist, und ein Besuch im Kloster Chor Virap mit Blick auf den Berg Ararat in der Türkei.

Zuletzt hatte Papst Johannes Paul II. die Kaukasusrepublik im Jahr 2001 besucht. Karekin lobte brüderliche Beziehungen der beiden Kirchen. Armenien erinnere sich mit Dankbarkeit an die «historische Predigt, die den Genozid verurteilte», sagte er einer Mitschrift zufolge. (sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 25.06.2016 08:54
    Highlight Highlight Wo er recht hat, da hat er recht!
    Allerdings dürfte das Aussprechen einer solchen Wahrheit, wie dem Völkermord an den Armeniern, das Neu-Osmanische Türkentum im Allgemeinen und Ihre Majestät Sultan Tayhip (?) Erdogan im Speziellen zutiefst beleidigen!
    Eine Strafklage wegen Majestäts-Beleidigung und Beleidigung aller wahrhaften Türken (Frauelis mitgemeint), dieses Mal gegen den Papst, scheint unausweichlich.
    Gott höchstpersönlich wird sich also mit dem Fall beschäftigen müssen.
  • Spooky 25.06.2016 00:28
    Highlight Highlight Mich interessiert es eigentlich nicht, was der Papst sagt. Der ist für mich sowieso unglaubwürdig.
  • ströfzgi 24.06.2016 19:26
    Highlight Highlight Ich frage mich was der Papst noch für eine Aufgabe hat. Kommt mir vor wie ein kleines Mäuschen das mal rasch piept, aber keine Eier hat um mal Tacheles zu reden. Wer ausser er hätte das Gehör vieler Nationen? Unsere Ober-Kommunikations-Leuchte Schneider Ammann etwa? 😂

    Da würde ich mehr von der Kirche erwarten...
    • Raphael Bühlmann 24.06.2016 20:09
    • ströfzgi 24.06.2016 21:11
      Highlight Highlight @Raphael: stell Dir vor Bono Vox hätte all seine Songs nur in einer umweltenzyklika verewigt. Hätte er was bewegt? Hättest Du es gelesen?

      Das meine ich. Übrigens, so viel Text wie im Link könnte auch von JSA stammen. Beides mit selbem Effekt.
    • Raphael Bühlmann 24.06.2016 21:29
      Highlight Highlight Bono in Ehren, mich begeistert eher Bob Marley.

      https://www.watson.ch/!631541838

      Schau mal da. Der Papst hat mehr Einfluss als unsere Lieblingskünstler und weiss diesen zum Glück auch zu nutzen.
      Und bei allem Respekt für unseren Bundespräsidenten: Dessen Engagement für die Umwelt sieht, wenn es denn existent ist, wohl wesentlich bescheidener aus ;)
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