International
Papst

Papst Franziskus besucht Aids-Kranke in Mosambik

Papst Franziskus besucht Aids-Kranke in Mosambik

06.09.2019, 16:1106.09.2019, 17:02
epa07820352 Pope Francis during the meeting with bishops, priests, religious, consacreted and seminarians, cathechists and animator at the Cathedral of the Immaculate Conception in Maputo, Mozambique, ...
Begehrt: Der Papst in Afrika.Bild: EPA

Papst Franziskus am Freitag in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, eine Messe vor rund 60'000 Gläubigen gefeiert. Zuvor hatte er eine Klinik für Aids-Kranke besucht.

Er lobte das Mitgefühl der Mitarbeiter der Einrichtung, die «jenen leisen Schrei vernommen haben, der fast unhörbar von so vielen Menschen ausgeht, die in der Schande, an den Rand gedrängt und von allen verurteilt leben». Dies gebe Frauen und Kindern «Würde zurück».

Der Klinikbesuch gilt als grosse symbolische Geste: Mosambik kämpft mit hohen HIV-Infektionszahlen. Laut der UNO-Organisation Unaids waren im Jahr 2018 in dem südostafrikanischen Land mit 27 Millionen Einwohnern 2.2 Millionen Menschen HIV-positiv, davon 60 Prozent Frauen.

Das Land zählte 150'000 Neuinfektionen, 54'000 Mosambikaner starben im vergangenen Jahr an den Folgen der Krankheit. Nur 30 Prozent der infizierten 15- bis 24-Jährigen wüssten, wie die Übertragung des HI-Virus verhindert werden könne.

Heikles Thema umgangen

Bei seinem Besuch in der Klinik vermied es der Papst, das Thema der Prävention von Geschlechtskrankheiten anzusprechen. Nach wie vor sind sexuell übertragbare Krankheiten ein heikles Thema für die katholische Kirche, insbesondere bei Reisen, die den Papst nach Afrika führen.

Die katholische Kirche lehnt nach wie vor jede Form der Empfängnisverhütung ab. Franziskus ist der Ansicht, Geschlechtsverkehr müsse «offen für das Leben» sein. Ende November 2016 hatte er zu «verantwortungsvollem Verhalten» bei der Bekämpfung der Ausbreitung von Aids auf, gab aber nicht an, ob dazu auch die Verwendung von Kondomen gehört.

Unter seinem Vorgänger Papst Benedikt XVI. war das Thema besonders in den Fokus gerückt: Dieser hatte 2009 international für Entsetzen gesorgt, als er sagte, Kondome würden das Aids-Problem nicht lösen, sondern verschlimmern. Ein Jahr später korrigierte er seine Aussage und äusserte, dass «in einigen Fällen» die Verwendung von Kondomen gerechtfertigt sei, um eine Ansteckung zu verhindern.

Gegen Rache und Vergeltung

Zu der Messe in einem überfüllten Stadion am Stadtrand von Maputo kamen nach Angaben der Veranstalter 60'000 Gläubige. Einige waren trotz begrenzter Mittel von weit her angereist.

Franziskus sprach sich gegen Rache aus und sagte, es könne keine Nation und Gesellschaft auf Gewalt aufgebaut werden. Auf Portugiesisch sagte der Papst, die Menschen sollten niemals dem alten Gesetz der Vergeltung folgen.

Hintergrund der Worte dürfte der jahrzehntelange Bürgerkrieg sein, der Mosambik prägte. Erst vor einem Monat hatten die Regierung und die Renamo-Rebellen einen Friedensvertrag unterzeichnet.

Renamo wandelte sich damit zur wichtigsten Oppositionspartei im Land. Bei einem Treffen mit Staatschef Filipe Nyusi am Donnerstag hatte der Papst das Abkommen ausdrücklich gelobt.

Weiterflug nach Madagaskar

Am Freitagnachmittag wollte Franziskus nach Madagaskar fliegen. Auf der Insel wird er den Grossteil seiner Afrika-Reise verbringen. Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt, drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar am Tag. In dem christlich geprägten Inselstaat wird der Besuch von Franziskus mit Spannung erwartet. (aeg/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Papst empfängt 150 Obdachlose in Sixtinischer Kapelle
1 / 12
Papst empfängt 150 Obdachlose in Sixtinischer Kapelle
150 Obdachlose hatten am 26. März 2015 die Sixtinische Kapelle für sich allein.
quelle: ap/l'osservatore romano
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Papst mag keine Küsse auf die Hand
Video: srf
Sardinien-Trip mit «krankem» Kind: Neuer Wirbel um CDU-Skandalpolitiker Spahn
Jens Spahn steht neuer Ärger ins Haus. Der deutsche CDU-Politiker, der im Juli mit der sogenannten «Leihmutter-Affäre» für einen Skandal sorgte, sollte aus einem Ausschuss verbannt werden – er war anscheinend unter einem Vorwand einer Sitzung ferngeblieben.
Spahn hat sich unter der Woche, am Dienstag und am Mittwoch, im Haushaltsausschuss des deutschen Bundestags aus «familiären Gründen» entschuldigen lassen. Wie das Newsmagazin Stern berichtet, war der 46-Jährige offiziell nicht anwesend, weil er sich um sein krankes Kind habe kümmern müssen.
Zur Story