Botox-Verbot für Filmstars: Ich will keine iPhone-Faces mehr!
Ich sass im Kinosaal, um mir «Wuthering Heights» anzusehen. Nicht, weil ich das Buch gelesen und seit Jahren auf eine Adaption gehofft hatte, sondern weil nichts anderes lief. Ich hatte also keine hohen Erwartungen – und wurde dennoch bitter enttäuscht. Ich hasste wirklich jede einzelne der 8160 Sekunde. Der Grund dafür war aber nicht etwa die langweilige Geschichte, die absolut unromantischen Beziehungen oder die wirklich grusigen Sexszenen, sondern:
Margot Robbies Zähne.
Für die, die «Wuthering Heights» nicht kennen: Das Buch wurde 1847 von Emily Brontë geschrieben und spielt um die Wende des 19. Jahrhunderts. Also eine Zeit, in der – so viel ich weiss – noch niemand Veneers getragen hat. Darum meine Frage: WIESO ZUR HÖLLE CASTET MAN IN EINEM HISTORISCHEN DRAMA SCHAUSPIELENDE MIT VENEERS?
Versteht mich nicht falsch. Margot Robbie – und ihre Zähne – sind wunderschön. Und genau das ist das Problem. Sie sieht aus, als käme sie gerade aus einem Kosmetik-Studio in Beverly Hills. Wenn man sie als Barbie castet, funktionieren ihr wunderschönes Gesicht, das Botox und die Veneers. Wenn man sie aber als 18-jährige Catherine Earnshaw aus dem Jahr 1790 castet, wirkt ihr Auftritt wie eine schlechte Parodie (und ja auch, weil Margot Robbie einfach nicht mehr als 18-Jährige durchgeht, sorry). Margot Robbie ist aber längst nicht die Einzige, die am höchst ansteckenden iPhone-Face leidet.
Als iPhone-Face bezeichnet man in der Popkultur ein Gesicht, das so aussieht, als hätte es schon einmal ein iPhone gesehen. Es ist zu modern, zu makellos oder zu künstlich, um aus einer anderen Zeit als den 2000ern zu stammen. Schuld daran sind meist Filler, Botox oder Veneers.
Gerade für historische Filme und Serien sind solche Beauty-Eingriffe von Darstellerinnen und Darstellern fatal. Sie holen den Zuschauer oder die Zuschauerin immer wieder aus der Illusion, dass man sich gerade in einer anderen Welt befindet. Ein Grund, warum viele ins Kino gehen.
Auch ich dachte alle paar Minuten beim Anschauen von Margot Robbie in «Wuthering Heights»: Wieso hat diese Frau, die in einem abgewrackten Haus wohnt und kaum Geld hat, um Feuer zu machen, so makellos weisse Zähne?
Neben der historischen Ungenauigkeit macht Botox und Co. aber auch viele andere Dinge, die für Filme essenziell sind, zunichte. Schauspielende müssen mit ihrem Gesicht feinste Emotionen ausdrücken können: eine leicht erhobene Augenbraue zum Ausdruck von Überraschung oder eine gerümpfte Nase, um Ekel zu zeigen. Das sind Mikroemotionen, die entscheiden können, ob eine Figur gut gespielt ist oder eben auch nicht. Mit Botox in der Stirn sind solche Mikroemotionen schlichtweg nicht möglich.
Dies sieht man auch bei Anne Hathaway. Im Beispiel sieht man sie einmal mit 28 Jahren, als sie noch eine natürliche Stirn hatte, und dann mit 40 und Botox im Gesicht:
Ein weiteres Beispiel: Lindsay Lohan. Hier in einer traurigen Szene. Glaube ich zumindest:
@hlevin Lindsay Lohan botox Irish Wish movie #irishwish #lindsaylohan ♬ original sound - Yarden Kushnir
Die Männer machen dabei übrigens auch mit:
@entertainmenttonight Zac Efron gets real about the plastic surgery rumors while promoting his new movie, The Greatest Beer Run Ever on Apple TV+ #zacefron #highschoolmusical #fypツ ♬ original sound - Entertainment Tonight
Neben der Tatsache, dass iPhone-Faces den Akt der Schauspielerei kaputt machen, sorgen sie auch dafür, dass Menschen in Filmen langsam aber sicher alle gleich aussehen: volle Lippen, süsse Stupsnase, hohle Wangenknochen und die perfekte Jawline. Ich kann's wirklich nicht mehr sehen!
Darum meine Bitte an alle Castingdirektorinnen und Castingdirektoren: Bringt hässliche Menschen zurück. Bringt Menschen mit einer normal funktionierenden Gesichtsmuskulatur zurück. Und verbietet Botox am besten für alle Schauspielerinnen und Schauspieler!
