International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04669100 (FILE) A file picture dated 22 February 2012 shows German comedian and television host Jan Boehmermann posing in Berlin, Germany. Late night talk show host Jan Boehmermann claimed responsibility on 18 March 2015 for manipulating a two-year-old video that allegedly shows Greek Finance Minister Yanis Varoufakis giving Germany the middle finger. The video sparked a media firestorm earlier this week when another German talk show host confronted Varoufakis with the clip during a live interview, prompting the minister to immediately deny its authenticity.  EPA/BRITTA PEDERSEN

Ist zurück nach elf Monaten Pause: Satiriker Jan Böhmermann. Bild: EPA/DPA FILE

Review

Echte Wut auf Rechte und Reiche: Böhmermann überrascht beim TV-Comeback

Wer hätte das ahnen können? Der «blasse, dünne Junge» ist zurück und versteckt sich nicht mehr hinter schützender Ironie. In der Premiere des «ZDF Magazin Royale» lederte Jan Böhmermann gegen Verschwörungstheoretiker, Rechte, Superreiche und andere fragwürdige Existenzen – ganz ernsthaft.



Es sind keine einfachen Zeiten, auch nicht für Satiriker. Die Realität, sie scheint jede noch so absurde Überspitzung (Stichwort Trump, Stichwort Wendler, Stichwort mutierendes Virus in Nerzfarmen) zu überholen. Wie würde sich Jan Böhmermann mit seiner neuen Show, dem «ZDF Magazin Royale», in dieser Lage schlagen? Erstmals im Hauptprogramm, erstmals mit neuer Produktionsfirma, erstmals ohne Sidekick und Corona-bedingt ohne Band und Publikum im Studio – würde Böhmi etwas anders machen als in den sechs Jahren zuvor bei ZDFneo?

Um es kurz zu machen: aber hallo! Ohne Krawatte («Die war Party machen in Berlin und musste in Quarantäne!») setzte der 39-Jährige bei der Premiere am Freitag auf etwas geradezu Altmodisches: auf Ernsthaftigkeit. Die Themen, die Böhmermann in seiner 30-minütigen Sendung sezierte: soziale Ungleichheit, Nazis, rechte Netzwerke in der Bundeswehr, Antisemitismus, korrupte Reiche, Verschwörungstheoretiker. Den kopflosen Wendler parodierte er als Handpuppe Spencer aus der Kindersendung «Hallo Spencer». Die Handpuppe beschwerte sich, dass «wir alle von einer unbekannten Hand gesteuert werden!»

Bild

Früher Held aller Kinder, nun Aluhutträger: Puppe Spencer. bild: screenshot zdf

Böhmermann ist wütend über «die ungleiche Verteilung von Geld und Gut»

Ungewohnt ernst wurde Böhmermann auch, als es um die Auswirkungen der wirren Worte von prominenten Verschwörungstheoretikern wie Wendler, Hildmann und Co. Im Messengerdienst Telegram ging: «Es ist eben nicht egal, was da alles geschrieben wird, das muss man mal ganz direkt so sagen», sagte Böhmermann mal ganz direkt so. Unbemerkt von Polizei und Verfassungsschutz könnten Verschwörungsschwurbler auf Telegram ungestört ihren Müll verbreiten, so «the Real Jan Böhmermann», der in gerade einmal sieben Tagen beim Messengerdienst mehr als 100'000 Follower gesammelt hatte. Er postete seinerseits nur «Yogitee-Weisheiten», weil es absolut nicht gehe, die Fake-Parallelwelt mit noch mehr Fake-Realitäten zu befeuern.

Bild

Jan Böhmermann machte sich in seiner ZDF-Premiere über die Verschwörungsschwurbler auf Telegram lustig. bild: screenshot zdf

Das grösste Problem der Gesellschaft sei «die ungleiche Verteilung von Geld und Gut», kritisierte Böhmermann. Dann teilte er gegen Reiche aus, die sich ums Steuerzahlen drückten (Jeff Bezos) oder ihren Reichtum auf dem Leid anderer Menschen aufgebaut haben. Er klang dabei wirklich wütend:

«Sieben der elf reichsten Familien Deutschlands sind so vermögend, weil sie früher mit den Nazis zusammengearbeitet haben.»

Neue moralische ZDF-Instanz? Er meint es wirklich ernst

Was wirklich neu ist: Im «ZDF Magazin Royale» traut sich Jan Böhmermann hervor hinter der schützenden Mauer aus ironischer Distanz. Er meint das jetzt wirklich so. Ob die Schenkelklopfer auf dem Sofa da mitziehen? Es dürfte dem 39-Jährigen ziemlich egal sein. «Gegenwind ist mein zweiter Vorname» hatte er in einem Interview vorab zu Protokoll gegeben.

Dass aus dem rappenden «Polizistensohn» 2020 eine neue moralische Instanz im TV auf den Spuren des einstigen ZDF Magazin-Moderators Gerhard Löwenthal werden könnte, gehört zweifelsohne zu den guten Nachrichten in einem an guten Nachrichten armen Jahr. Für die Schenkelklopfer-Fraktion gibt es ja ohnehin schon genug alternative Angebote. Und im Abspann durften Scooter noch mal herzhaft ihren Hit «Fuck 2020!» shouten.

(watson.de/tsch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Jan Böhmermann trollt Trolle

Argentinien: Riesige Nazi-Sammlung entdeckt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Im Alter von 60 Jahren: Diego Maradona stirbt an Herzinfarkt

Die Fussballwelt erleidet einen traurigen Verlust. Gemäss argentinischen Medienberichten soll Diego Armando Maradona im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Tigre an einem Herzinfarkt verstorben sein.

Der Weltmeister wurde Anfang November in ein Spital in Buenos Aires eingeliefert, weil er sich unwohl fühlte und um seine Medikation neu einzustellen. Bei der darauffolgenden Untersuchung wurde ein Blutgerinnsel im Gehirn entdeckt, das ihm tags darauf operativ entfernt wurde.

Nach dem erfolgreichen …

Artikel lesen
Link zum Artikel