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Russland: Luftkrieg vor Moskauer Siegesparade trotz Waffenruhe

Russian servicemen prepare to march towards Red Square prior to the Victory Day military parade rehearsal in Moscow, Wednesday, April 29, 2026, backdropped by a Stalin stile skyscraper. (AP Photo/Alex ...
Russische Soldaten in Moskau bei der Generalprobe auf dem Marsch zum Roten Platz.Bild: keystone

Waffenruhe hält nicht: Luftkrieg vor Moskauer Siegesparade

07.05.2026, 15:4207.05.2026, 15:42

Vor dem traditionellen Tag des Sieges in Moskau haben Russland und die Ukraine ihren Drohnenkrieg unvermindert heftig fortgeführt. Die Ukraine gab eine einseitig erklärte Waffenruhe nach einem Tag wieder auf und reagierte auf fortdauernde russische Attacken mit einem ihrer grössten bisherigen Drohnenangriffe.

Am Freitag soll dann mit Tagesanbruch um 0.00 in Moskau (Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) eine einseitig von Russland erklärte Waffenruhe in Kraft treten. Die Waffen sollen für zwei Tage schweigen, während das Land feierlich an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland 1945 im Zweiten Weltkrieg erinnert.

epa12938657 Russian President Vladimir Putin meets with Rostec State Corporation CEO Sergei Chemezov at the Kremlin in Moscow, Russia, 07 May 2026. EPA/MIKHAIL METZEL/SPUTNIK/KREMLIN / POOL MANDATORY  ...
Kremlchef Wladimir Putin.Bild: keystone

Dazu gehört eine Militärparade vor Kremlchef Wladimir Putin auf dem Roten Platz am Samstag. Für den Fall von Störungen durch die Ukraine hat Moskau Angriffe auf das Zentrum der ukrainischen Metropole Kiew angedroht. Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa rief ausländische Diplomaten auf, Kiew zu verlassen.

Moskau will 347 ukrainische Drohnen abgefangen haben

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, über Nacht seien 347 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar; es ist aber eine der höchsten je gemeldeten Zahlen. Betroffen waren demnach fast alle Regionen in West- und Zentralrussland. Ein Angriffsziel lag nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten in der Stadt Perm am Ural – 1'500 Kilometer von der Ukraine entfernt.

Wolodymyr Selenskyj besuchte am Freitag (12. Dezember 2025) Kupjansk – zwei Wochen, nachdem Russland die vollständige Eroberung der Stadt gemeldet hatte.
Der Ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.Bild: Ukrainian Presidential Press Service

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechtfertigte die Angriffe, die trotz der einseitig erklärten Feuerpause geflogen wurden. «Wir haben eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen», schrieb er in sozialen Netzwerken. «Gestern und heute ist diese Waffenruhe von Russland gebrochen worden. Die spiegelbildliche Reaktion auf die russischen Angriffe sind unsere Langstrecken-Sanktionen» – gemeint sind Drohnenangriffe auf das russische Hinterland.

«Wir haben eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen.»
Wolodymyr Selenskyj

Selenskyj: Moskau geht es nur um sichere Parade

Zugleich sagte er, wenn Moskau den Pfad der Diplomatie einschlage, werde auch Kiew dies tun. Doch Russland töte weiter Menschen, «während es völlig irrational besessen ist von wenigen Stunden Stille in einem Teil von Moskau», schrieb Selenskyj.

Wie am Vortag griff die russische Armee nach Angaben des Kiewer Militärs auch in der Nacht zum Donnerstag mit Kampfdrohnen an. Die ukrainische Luftwaffe ortete 102 russische Drohnen, von denen 92 abgefangen worden seien. Einschläge habe es an sechs Stellen gegeben. Verletzte wurden unter anderem aus Charkiw und Cherson gemeldet. Die Angriffe zogen sich bis in den Vormittag. Auf die Grossstadt Dnipro wurde eine ballistische Rakete abgefeuert.

ARCHIV - Putins Sprecher Dmitri Peskow. Foto: Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Putins Sprecher Dmitri Peskow.Bild: sda

Kreml ging nicht auf ukrainischen Vorstoss ein

In den mehr als vier Jahren des von Putin befohlenen Angriffskrieges hat es mehrmals Feuerpausen über hohe Feiertage gegeben, die von Russland aber immer als seine Entscheidung dargestellt wurden. Deshalb ging der Kreml auch diesmal nicht auf den ukrainischen Vorstoss ein.

«Es gab keine Reaktion der russischen Seite darauf», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow auf die Frage, wie Moskau auf Kiews Ankündigung einer Feuerpause reagiert habe. Zugleich sagte Peskow, dass Russland an der eigenen verkündeten Waffenruhe am 8. und 9. Mai festhalte.

Selenskyjs Chefunterhändler reist in die USA

Die Bemühungen um ein Ende des Krieges liegen auf Eis, auch weil die USA, die sich als Vermittler sehen, derzeit durch den Iran-Krieg abgelenkt sind. Trotzdem soll der Chef des nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, Rustem Umjerow, noch in dieser Woche nach Florida reisen, und mit Steve Witkoff zu sprechen, dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump. (sda/dpa)

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Korrektorat
07.05.2026 16:35registriert Januar 2025
Russland hat Glück, dass es von Hitler in einem Anflug von Selbstüberschätzung (Unternehmen Barbarossa) gezwungen wurde, die Seiten zu wechseln. Ansonsten wäre Russland heute ein Weltkriegsverlierer mit Deutschland und Japan. Hätte dem Land in der Aufarbeitung seiner Gräueltaten wohl gut getan.

Nie vergessen: Die Russen haben den Zweiten Weltkrieg als Verbündeter Hitler-Deutschlands begonnen und sind den Nazis in kaum einer Schandtat nachgestanden.
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Simsalabimeon
07.05.2026 16:28registriert Oktober 2024
Das war von Anfang an klar und das wussten auch die Ukrainer. Die russen halten sich nicht an eine Waffenruhe. Ich bin mir trotzdem sicher, dass die Ukraine die Parade nicht angreifen wird, denn das würde ihnen international eher schaden. Das gilt aber nicht für Drohnenfabriken, Raffinerien, Umschlagplatze etc.
Das sind ja sowieso legitime Ziele und wirkungsvoller als eine Pseudo-Religiöse Veranstaltung mit einem Putin-Double. Es ist leider kein Ende in Sicht... es sei denn, die russen stehen irgendwann mal auf gegen ihren "Führer", aber diese Hoffnung ist bei mir nur noch winzig klein.
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mMn
07.05.2026 16:20registriert September 2020
Richtig... schmeist dem eine Schar Flamingos in die Parade.
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