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Skripal-Verdächtige sind GRU-Agenten laut Bellingcat

epa07017016 (FILE) - An undated combo handout photo made available by the British London Metropolitan Police (MPS) showing Alexander Petrov (R) and Ruslan Boshirov (L) (reissued 13 September 2018). An ...
Die Verdächtigen Ruslan Boschirow (l.) und Alexander Petrow (r.).Bild: EPA/LONDON METROPOLITAN POLICE

Von wegen nur Touristen: So einfach wurde das russische Skripal-Märchen entlarvt

Recherchen des Investigativ-Netzwerks Bellingcat ergaben, dass die beiden Verdächtigen im Skripal-Fall keine Zivilisten sind. Leaks aus der russischen Pass-Datenbank deuten darauf hin, dass sie Agenten des russischen Militärnachrichtendienstes GRU sind.
21.09.2018, 12:0421.09.2018, 15:41

Letzte Woche sorgte ein Interview mit den beiden Skripal-Verdächtigen Ruslan Boschirow und Alexander Petrow für viel Gesprächsstoff. Die Geschichte, dass sie nur Touristen seien, wirkte wie inszeniert.

Gemeinsame Recherchen des Investigativ-Netzwerks Bellingcat und des russischen Portals The Insider stärken nun den Verdacht, dass die beiden keine Zivilisten sind. Gestützt auf Leaks aus der russischen Pass-Datenbank behauptet Bellingcat, die beiden Verdächtigen seien Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Folgende drei Argumente sprechen dafür:

Pass-Akte mit kuriosem Stempel

Bellingcat und The Insider erhielten von einer anonymen Quelle Akten aus der russischen Pass-Datenbank. Die Akten der beiden Russen enthalten praktisch keine Daten, nur zwei identische Stempel mit der Aufschrift «Keine Daten zur Verfügung stellen» und eine kryptische Nummer. Russische Journalisten spekulierten, dass es eine Telefonnummer sein könnte und riefen an. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um eine Nummer des Verteidigungsministeriums handelt. Auf einem Moskauer Telefonverzeichnis überprüften sie die Nummer und lokalisierten sie in der Khoroshevskoye-Shosse-Strasse in Moskau. Das einzige Militärgebäude an der Strasse ist das Hauptquartier des GRU.

Verdächtige Zahlen

Die internationalen Passnummern von Petrow und Boschirow unterscheiden sich nur um drei Ziffern. Die Pässe wurden also praktisch zum gleichen Zeitpunkt ausgestellt. Bellingcat verweist darauf, dass sie bereits früher über den mutmasslichen GRU-Agenten Edouard Schischmakow berichtet hatten, welcher unter falscher Identität (als Edouard Schirokow) gereist war. Dessen Pass war im selben Jahr ausgestellt worden wie die Pässe von Petrow und Boschirow. Seine Passnummer (654341323) unterscheidet sich nur um 26 Ziffern mit derjenigen von Petrow (654341297). Für Bellingcat ein Hinweis darauf, dass dieselbe Spezialbehörde nur 26 Pässe zwischen April und August 2016 ausgestellt hat.

Verdächtige Reiseaktivitäten

Bellingcat und The Insider verfügen nach eigenen Angaben über Daten zu den Grenzübergängen der beiden Verdächtigen. Die Reiseaktivitäten gleichen denjenigen von Protagonisten aus Agenten-Thrillern. Zum Beispiel überquerte Petrow im Juli 2016 von Russland kommend die Grenze zu Kasachstan im Bus. Als finales Reiseziel gab er Peking an. Danach verliert sich die Spur. 15 Tage später taucht Petrow wieder auf – auf einem Flug nach Moskau, von Tel Aviv kommend.

Petrow und Boschirow reisen viel, mehrere Male besuchen sie gegen Ende 2017 unter anderem die Schweiz. Der nächste Flug geht dann im März 2018 nach London, einen Tag vor Skripals Tochter. Die Tickets besorgen sie sich zwei Tage vor Abflug.

Reaktion aus Moskau

Der Kreml dementiert weiter eine Verbindung der zwei Verdächtigen im Fall Skripal zu staatlichen russischen Stellen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Montag in Moskau, er glaube Präsident Wladimir Putin mehr als «anonymisierten Informationen über irgendwelche Telefonnummern». (jaw/sda)

Russland ist «höchstwahrscheinlich» verantwortlich

Video: srf
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