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Vielleicht schon bald Vergangenheit: Der Sender «RT Deutsch» - hier mit Moderatorin Jasmin Kosubek bild: «RT Deutsch»

Russland in Geldnot

Putin streicht seinem Propaganda-Netzwerk 50 Prozent des gesamten Budgets

In den Büros von «RT Deutsch» in Berlin herrscht aber Katerstimmung. Der Grund: «Russia Today» muss seine Ausgaben um 50 Prozent kürzen.



Auf der Website von «Russia Today Deutsch» steht fett die Schlagzeile «Russische Wirtschaft verkraftet Sanktionen besser als vom Westen erwartet». Dennoch machen die Mitarbeiter von Russia Today bittersaure Miene: «Durch die Rubel-Abwertung wurde unser Budget halbiert», erklärt Chefredaktorin Margarita Simonjan gegenüber «Wedomosti». Die Gründe für den Rubel-Absturz seien neben dem sinkenden Ölpreis die Wirtschaftssanktionen der USA und der EU, mit denen Russland für die Annektierung der Krim und den Krieg in der Ukraine bestraft wird.

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Wird an die kurze Leine genommen: «RT»-Chefredaktorin Margarita Simonjyn. bild: RT

Noch im September 2014 hatte der Kreml der «RT»-Chefredaktorin ein 40 Prozent höheres Budget zugesichert, mit dem auch ein deutschsprachiger «RT»-Kanal finanziert werden sollte. Stattdessen muss Margarita Simonjan nun das Budget von 445 Millionen Dollar um rund 50 Prozent kürzen.

Andere Propaganda-Medien aus Russland trifft es noch härter: Das Nachrichtenportal «Rossija Sewodnja» (in Deutsch «Sputnik») und die Nachrichtenagenturen «TASS» müssen ihr Budget von 250 Millionen Dollar sogar um 60 Prozent kürzen. «TASS» entlässt einen Viertel ihrer Mitarbeiter und streicht die Gehälter der verbleibenden Mitarbeiter um 25 Prozent.

«Eine strategische Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit des Staates sowie für den Schutz der Moral, der Gesundheit, der Rechte und legitimen Interessen der Bürger».

Der russische Präsident Putin über «RT».

Der Kreml gab «Russia Today» 2005 ein «No Limits»-Budget

Das Propaganda-TV «Russia Today» sendete erstmals 2005 positive News aus Russland für ein internationales Publikum. Zuerst in Englisch, seit 2007 in Arabisch und seit 2009 auch in Spanisch. Im Schweizer Kabelfernsehen von Swisscom und Cablecom ist «Russia Today» auch zu sehen. Und natürlich auf YouTube, wo «Russia Today» über 1,3 Milliarden Videoaufrufe und 1,4 Millionen Abonnenten zählt.

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Übertragungswagen in Russland: Allein auf YouTube hat RT schon mehr als 1,3 Milliarden Video-Aufrufe.  bild: Jürg Vollmer

Offiziell soll der TV-Sender «eine Gegenöffentlichkeit herstellen sowie Medien-Manipulationen aufzeigen», heisst es in der Selbstdarstellung von «Russia Today». Präsident Putin redete aber Klartext, als er erklärte, «Russia Today» habe wie der Rüstungskonzern Kalaschnikow «eine strategische Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit des Staates sowie für den Schutz der Moral, der Gesundheit, der Rechte und legitimen Interessen der Bürger».

Sein Hauptquartier hat «Russia Today» in einer ehemaligen Teefabrik im Moskauer Stadtviertel Lefortowo – benannt nach dem Schweizer Admiral François Le Fort. Bei der Gründung arbeiteten «nur» 300 Journalisten mit einem soliden Jahresbudget von 30 Millionen Dollar für «Russia Today». Doch die damals erst 25jährige Chefredaktorin Simonjan bekam vom Kreml ein «No Limits»-Budget: 2014 waren es 445 Milionen Dollar für weltweit über 2000 Mitarbeiter.

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Völlig unscheinbar: Der Hauptsitz von «RT» in Moskau. Bild: Google Streetview

2009 änderte «Russia Today» seinen Namen in das neutrale Kürzel «RT». Gleichzeitig sendete «RT» nicht mehr positive Nachrichten aus Russland, sondern vor allem negative News aus den USA und Europa. «RT» ist seither strikt auf der Kreml-treuen Linie, wie die Berichterstattung über die Annexion der Krim im Frühling 2014 und den Krieg in der Ost-Ukraine zeigt.

110 Mitarbeiter bei «Ruptly» und «RT Deutsch» – darunter auch der Schweizer Nicolaj Gericke

Im Herbst 2014 gab Margarita Simonjan bekannt, dass in Berlin ein eigener deutscher TV-Kanal eröffnet werden soll. Am Potsdamer Platz arbeitet schon seit 2012 die Video-Nachrichtenagentur «Ruptly», eine Tochterfirma von «RT». Über drei Stockwerke erstrecken sich die Büros sowie Schneide- und Aufnahmeräume von «Ruptly» und «RT Deutsch» für 110 Mitarbeiter aus Deutschland, England, Spanien, Russland und Polen.

Am 6.November 2014 startete die erste und bisher einzige Sendung von «RT Deutsch». Moderiert wird das Magazin «Der fehlende Part» von Jasmin Kosubek, als Aussenreporter sind Lea Frings und Nicolaj Gericke im Einsatz. Der Schweizer Gericke fällt dabei nicht gerade durch differenzierte Urteile auf. Deutschsprachige Medien bezeichnet er schon mal als «Göbbels-Presse», nach Hitlers Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels.

Der 24jährige Gericke ist in Herzogenbuchsee/BE aufgewachsen und arbeitet seit Juli 2013 für «Ruptly TV» respektive «RT Deutsch» in Berlin. «RT Deutsch hat derzeit zehn Mitarbeiter», erklärte Nicolaj Gericke gegenüber watson, «fünf Kollegen arbeiten für die Website und fünf produzieren unsere Sendung ‹Der fehlende Part›.» Diese könnte nun aber dem Streichkonzert zum Opfer fallen.

Pläne für «RT Deutsch» aufs Eis gelegt

Keine Stunde nach unserer Vorab-Meldung, dass das Budget von «RT» um 50 Prozent gekürzt wird und «RT Deutsch» damit wohl nicht realisiert werde, twitterte Nicolaj Gericke zurück: «Wer nicht kämpft, hat schon verloren»

Tatsächlich scheinen die Pläne für einen «RT Deutsch»-Kanal mit der radikalen Budgetkürzung aufs Eis gelegt worden zu sein. «RT Deutsch»-Chefredaktor Iwan Rodionow antwortete bisher nicht auf unsere Anfragen.

Der Verlust hält sich allerdings in Grenzen, wenn man die Kritik der Medienforscher und Journalisten zu «RT Deutsch» und dessen bisher einzige Sendung «Der fehlende Part» zusammenfasst. Für Professor Martin Emmer, Direktor des Publizistikinstituts der FU Berlin, ist der TV-Sender «eindeutig ein Kommunikationskanal der russischen Regierung».

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Tut sich schwer mit russischen Namen und geschichtlichen Fakten: «RT»-Moderatorin Jasmin Kosubek.  bild: «rt detusch»

Zwar sei die Propaganda von «RT Deutschland» sehr professionell, attestiert das «Handelsblatt», die Moderationen seien aber pannenhaft «und die Moderatorin Jasmin Kosubek überfordert mit ihrer Naivität manchen Gesprächspartner» und jeden historisch und politisch sattelfesten Zuschauer. Die 27-jährige Kosubek kann russische Namen nicht aussprechen und wenn sie vor der Kamera erklärt, «ich habe ja keine Ahnung», möchte niemand widersprechen.

So moderierte Jasmin Kosubek den ehemaligen DDR-Spitzel Rainer Rupp («Topas») mit dem Satz an: «Es könnte mir keiner besser erzählen, was in Deutschland gerade passiert.» Für die Wochenzeitung «Zeit» eines von vielen erschreckenden Beispielen, «wie in ‹RT Deutsch› gelogen und verbogen wird. Insgesamt ist es haarsträubend, was in ‘RT Deutsch’ als Journalismus verkauft wird.» Wie lange noch, das weiss man nur in Moskau.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Freidenker 27.01.2015 22:01
    Highlight Highlight Lesen wir, dass US-General Hodges im Kiever Militärspital US-Army-Medaillen an ukr. Soldaten verteilt ? Wird totgeschwiegen. Die USA ist ja offiziell an diesem Konflikt gar nicht beteiligt... DARF das nicht berichtet werden ? Was hat ein US-General also dort verloren ??
    Was steckt dahinter, dass hauptsächlich Russland-Korrespondenten unisono gegen Putin wettern ? Ich verstehe ja, dass man seinen Job nach bestem Wissen (aber auch Gewissen !!) erledigen sollte. aber diese auffällig einseitige Stimmungsmache ist fast schon dilettantisch. Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man es ignorieren
    • goschi 28.01.2015 07:09
      Highlight Highlight Vielleicht liest man auch einfach nichts davon, weil es erfunden ist...
    • Freidenker 28.01.2015 09:57
      Highlight Highlight Erfunden ? Gibt bewegte TV-Bilder davon... also... erfunden sind ganz andere Storys
    • Marcelo 28.01.2015 09:59
      Highlight Highlight @goschi: Das Video wurde von Hromadske.TV veröffentlich und ist auch auf deren Youtube-Kanal. Der ASR-Blog hat dazu einen ausführlichen Bericht gebracht. Hromadske.TV ist ein NATO-Propaganda Internetsender (Radio + TV) und wurde von westlichen Staaten und G. Soros via Demokratiefonds finanziert. Auch die Schweiz hat sich mit 1 Mio an einem dieser Fonds beteiligt (European Endowment for Democracy).
    Weitere Antworten anzeigen
  • vlada.carvalho 27.01.2015 08:13
    Highlight Highlight Ist doch schön, immer auf andere mit dem Finger zu zeigen. Propaganda ist schon unser tägliches Brot, doch dies merkt wohl niemand mehr. Mal sehen, wer zuletzt lacht!
  • Marcelo 26.01.2015 22:07
    Highlight Highlight Klar bildet RT eine einseitige Meinung ab, insbesondere wenn es um Russland selbst geht. Einen kurzen Blick in die Artikel und insbesondere den twitter-account von Herr Vollmer lässt jedoch auch bei ihm nicht viel Objektivität herauslesen. Gleich zweimal das Interview mit Klitschko angepriesen. Herr Vollmer, welche Regierung hat Klitschkos Partei UDAR via Konrad Adenauer Stiftung finanziert? Kleiner Tip, Sie haben einmal für deren staatlich finanzierten Auslandkanal gearbeitet. Also so eine art Propagandasender. Oder gilt dies nur für Russland?
  • sankipanki 26.01.2015 21:18
    Highlight Highlight Mal völlig wertfrei angemerkt: Wie ihr ja selbst schreibt, erfolgt die Halbierung des Budgets nicht durch Putin, sondern durch den abgewerteten Rubel.
  • The Destiny // Team Telegram 26.01.2015 20:44
    Highlight Highlight Ich dachte rt deutsch sei ein inoffizieller rip off von dem englischen original?
  • Mooogadelic 26.01.2015 20:19
    Highlight Highlight Vielleicht verschwindet dann auch die Häfte der Jubelpers... Äh. Jubelrussen aus den Kommentaren.
    • Marcelo 26.01.2015 22:08
      Highlight Highlight Nööö, der Artikel hat mich gerade motiviert endlich einen Account zu machen. Danke Herr Vollmer.
  • Angelo C. 26.01.2015 19:46
    Highlight Highlight Ja und? Relativ nebensächliche Ausgaben wie die 2005 als "unbegrenzt" apostrophierten Spesen für einen deutschsprachigen Kanal dürften, sowohl auf Grund der politischen Lage, wie auch der finanziellen, nicht gerade vordringlich sein. Diese vermeindlichen "Hoffungsschimmer" für Putin- und Russlandhasser sind also Schall und Rauch. Putin sitzt bei seinem Volk noch immer mit einer Zustimmungsrate von über 80% fest im Sattel. Daran werden vorerst weder Sanktionen noch Einsparungen irgendetwas ändern. Davon darf man gelassen ausgehen....
  • goschi 26.01.2015 19:35
    Highlight Highlight Hui, ihr müsst einen Nerv getroffen haben, so schnell, wie hier die treuen Verfechter der russischen Sache .. äh Presse aufgetaucht sind.
    An alle, die eine "gesamtheitliche westliche Medienverschwörung" sehen, überlegt euch einmal, wie diversifiziert die westliche Presselandschaft ist, wie verschiedenen deren politische, kulturelle und nationale Agenda ist und dann beachtet die als "einzeig freie Stimme" so hochgelobte russische Presse.
    Mit auch nur einem Tropfen Objektivität dürfte offensichtlich sein, was an diesem auf Verschwörungstheorien aufbauenden Weltbild nicht passen kann.
    • vlada.carvalho 27.01.2015 08:19
      Highlight Highlight Das gleiche würde wohl ein Russe in Russland von uns auch behaupten. Was wissen wir über Russland und ihre Mentalität, die Menschen, Politik, Wirtschaft? Glaubt ihr alkes zu wissen, weil euch Hollywood schön darauf getrimmt hat, dad der Russe böse ist? Wer bricht geopolitische Vereinbarungen und führt Krieg auf der ganzen Welt? Wer spioniert uns aus und will uns chippen? Wer tötet Menschen auf der Strasse wegen einer Beleidigung?
    • goschi 27.01.2015 10:13
      Highlight Highlight @vlada.carvalho und wie berichten die westlichen Medien darüber?
      Genau, sehr kritisch, differenziert und keineswegs zurückhaltend.

      Soviel zu "Systempresse" oder "Lügenpresse"
    • Freidenker 27.01.2015 22:02
      Highlight Highlight Ich finde, die westlichen Medien sind aufrichtig, aufklärend und helfen uns, den richtigen Weg einzuschlagen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • asdf 26.01.2015 19:19
    Highlight Highlight Und genau deshalb, liebe Leser, verzichtet auf Berichterstattungen die nicht vom transatlantischen Medienbündnis stammen! Das ist pure Verblendung aus Moskau. Das Monopol auf Wahrheit liegt hier bei uns im Westen. Differenziert wird hier am allerbesten, schliesslich liest man ja auch bei uns täglich von den Massengräbern in der Ostukraine, den nordamerikanischen Söldnern, dem Azov-Bataillon usw.
    DASS ICH NICHT LACHE!
  • Ivan Erceg 26.01.2015 19:00
    Highlight Highlight Propaganda seid Ihr.

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