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Russland

Russischer Geheimdienst soll desertierten Soldaten ermordet haben

epa10564651 A Ukrainian pilot stands next to an MI-8 helicopter at an undisclosed location in eastern Ukraine, 08 April 2023. Russian troops entered Ukrainian territory on 24 February 2022, starting a ...
Eine ukrainische Mi-8. Mit diesem Hubschraubertyp desertierte Maxim Kusminow. Bild: keystone

Wie ein russischer Soldat vor dem Krieg floh – und in Spanien ermordet wurde

Der ehemalige russische Militärpilot Maxim Kusminow wurde im selbstgewählten Exil in Valencia brutal ermordet. Ein hochrangiger russischer Geheimdienstoffizier reagiert mit Schadenfreude.
23.02.2024, 19:41
Thomas Wanhoff / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Der russische Überläufer Maxim Kusminow ist offenbar von russischen Geheimdiensten in Spanien getötet worden. Der Militärpilot, der im August mit einem Hubschrauber in die Ukraine geflüchtet war, war am 13. Februar in der Stadt Villajoyosa bei Alicante erschossen und überfahren worden.

Wie die spanische Zeitung «El Pais» berichtet, seien russische Geheimdienste am Werk gewesen. Diese hätten den Überläufer in einer Wohnanlage ausfindig machen können.

Dem Bericht nach hatte sich Kusminow, der offenbar von der Ukraine mit einer neuen Identität ausgestattet wurde, in einem Wohnkomplex eingerichtet, in dem viele Ukrainer und Russen wohnen.

Der damals 28-jährige Kusminow erregte im Spätsommer 2023 mit seiner Desertion Aufsehen. In der vom ukrainischen Militärgeheimdienst durchgeführten «Operation Meise» brachte er einen russischen Militärhubschrauber vom Typ Mi-8 in die Ukraine. Kusminows Familie sei bereits zuvor vom ukrainischen Geheimdienst aus Russland herausgeholt worden, erklärte damals Geheimdienstchef Kyrylo Budanow.

Freundin in Russland kontaktiert?

«Russen und Ukrainer haben sich hier gut eingelebt, und ihnen stehen alle möglichen Dienstleistungen zur Verfügung», sagen Antonio, José und Alberto, drei Freunde, die sich einen Tisch in der Bar teilen, in der der russische Ex-Pilot manchmal frühstückte, gegenüber der Zeitung. In der Umgebung gibt es auch einen Supermarkt mit osteuropäischen Produkten und ein Gebäude, das von der orthodoxen Gemeinde als Gebetsstätte genutzt wird.

«Vielleicht hat ihn jemand erkannt», vermuten die Anwohner. Der Besitzer der Bar vermutet jedoch einen anderen Grund:

«Es sieht so aus, als ob er entdeckt wurde, weil er versuchte, seine Freundin aus Russland nach Spanien zu holen».

Diese Theorie wird gemäss Berichten von den ukrainischen Geheimdiensten unterstützt. Demnach habe der Pilot seine Freundin in Russland angerufen, um sie zu bitten, ihn in seinem neuen spanischen Zuhause zu besuchen.

In der Provinz leben Tausende Russen

Die Polizeibehörden wollten zu den Vermutungen keine Auskunft geben. Nach Angaben von «El Pais» ist Kusminows Wohnanlage in La Cala eine Enklave nahe von drei beliebten Tourismusorten: Villajoyosa, Finestrat and Benidorm. In der Umgebung sollen 1200 ukrainische und 800 russische Staatsangehörige wohnen, in der Provinz Alicante seien 2022 gar 17'457 Russen gezählt worden.

Sich als Überläufer ausgerechnet dort zu verstecken, sei riskant gewesen, weil die russischen Geheimdienste oft Landsleute als Informationsquellen nutzten, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Zudem arbeiteten Moskaus Dienste bisweilen mit lokalen Banden zusammen. Unklar ist, ob der Überläufer den Ort bewusst auswählte, um dort als Russe nicht aus der Menge herauszustechen.

Noch sind die genauen Umstände des Todes von Maxim Kusminow offiziell nicht geklärt. Nach Informationen der spanischen Zeitung habe es um 16.48 Uhr einen Notruf gegeben, Augenzeugen hätten berichtet, dass sie ein Auto hätten wegfahren sehen. Später wurde das mutmassliche Fluchtauto ausgebrannt gefunden.

Spanien soll «robuste Antwort» planen

Es wurden mehrere Patronenhülsen eingesammelt. Berichten zufolge soll der 28-Jährige auch überfahren worden sein. Zunächst sei von einem 33-jährigen Ukrainer ausgegangen worden, dann habe sich aber herausgestellt, dass die Papiere gefälscht waren und es sich um den ehemaligen russischen Piloten handelte.

Offiziell haben die spanischen Behörden die Identität des Toten bisher nicht bestätigt. Das Innenministerium in Madrid betonte am Donnerstag auf eine Anfrage zu dem Artikel lediglich, dass die Ermittlungen andauerten.

In diplomatischen Kreisen in Madrid werde der Fall jedoch als «äusserst ernst» bewertet, schrieb die Zeitung. Sollte sich die Urheberschaft Moskaus an der Tat bestätigen, werde Spanien eine «robuste Antwort» geben.

Die russische Regierung hat den Anschlag zwar nicht für sich reklamiert, aber ein russischer Geheimdienst quittierte die Nachricht vom Tod mit Schadenfreude. «Dieser Verräter und Verbrecher ist in dem Moment zu einer moralischen Leiche geworden, als er sein schmutziges und schreckliches Verbrechen plante», sagte der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Quellen

(t-online/dsc)

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