International
Russland

Russland: Geleakter Bericht über mögliches Ende des Ukrainekriegs

Russian President Vladimir Putin listens as Russian Strategic Missile Forces chief, Col. Gen. Sergei Karakayev reports to him on a successful test launch of the Sarmat intercontinental ballistic missi ...
Russlands Präsident Wladimir Putin hält bislang an seinen Maximalforderungen fest.Bild: keystone

Bericht zeigt, wie ein Kriegsende aus russischer Sicht aussehen kann

Geleakte interne Dokumente aus der Präsidialverwaltung Russlands zeigen, wie ein mögliches Kriegsende aussehen und vor allem, wie man dieses als Sieg verkaufen könnte.
19.05.2026, 16:3519.05.2026, 16:35
Nico Lercher

Die Frontlinie bewegt sich kaum. Die vom Westen verhängten Sanktionen wirken sich auf die Wirtschaft aus. Ukrainische Drohnenangriffe bringen den Krieg in russische Städte. Der Krieg, in dem schon Tausende junge Russen gestorben sind, bringt Putin immer mehr unter Druck. «Wir müssen wissen, wann Schluss ist», heisst es in einer Präsentation der Präsidialverwaltung, welche vom Investigativmedium Dossier Center geleakt wurde.

Der politische Block der russischen Machtelite sei besorgt über die Entwicklung an der Front und in der Wirtschaft, schreibt «Dossier Center». Seit Februar 2026 wurde deshalb daran gearbeitet, ein mögliches Kriegsende zu skizzieren. Das als am plausibelsten erachtete Szenario geht von einem Abkommen mit den USA, der Ukraine und ein wenig Propaganda aus.

Was steht drin?

In diesem Szenario werden laut «Dossier Center» die Oblaste Donezk und Luhansk an Russland abgetreten und die Oblaste Cherson und Saporischja entlang der Frontlinie aufgeteilt. Russische Streitkräfte würden sich im Gegenzug aus Sumy und Charkiw zurückziehen. Die EU-Sanktionen blieben bestehen, während die der USA aufgehoben würden. Auch die ukrainische Regierung in Kiew bliebe an der Macht.

Damit man dieses Kriegsende der russischen Bevölkerung trotz Nichteinhaltens von definierten Kriegszielen als Sieg verkaufen kann, braucht es eine Kommunikationsstrategie. Der Krieg soll als Erfolg verkauft werden und Ziele sollen rückwirkend nach unten korrigiert werden. Potenziell kritische Stimmen, wie die nationalistischen Militärblogger, sollen mit Androhung von Gefängnisstrafen auf Linie gebracht werden.

Was bedeutet das nun?

SRF vermutet, dass der Bericht ohne Putins Wissen erstellt wurde. Bei den Verfassern handle es sich um Teile der Eliten, welche ein Kriegsende für möglich und wünschenswert halten. Sie waren es auch, die den Krieg weder erwartet noch gewollt hatten. Der geleakte Bericht kann als Versuch verstanden werden, Putin zu einem Kurswechsel zu bewegen.

«Dossier Center» betont, dass die Präsentation keinen Einfluss auf die laufenden Verhandlungen habe. Vielmehr zeige sich an diesem Dokument der anhaltende Machtkampf zwischen dem politischen Block, in Form der Präsidialverwaltung, und dem russischen Geheimdienst FSB.

Etwas anders beurteilt das US-Analyseinstitut Institute for the Study of War (ISW) das Dokument. Demnach könnte dieses bewusst geleakt worden sein, um russische Verhandlungsbereitschaft über Territorien zu signalisieren. Die Präsidialverwaltung stelle dieses Szenario fälschlicherweise als grosses Zugeständnis dar. Laut dem «ISW» sei es unwahrscheinlich, dass die russische Armee den gesamten Oblast Donezk kurz- bis mittelfristig militärisch einnehmen wird.

Ob das «wahrscheinlichste Szenario» der russischen Präsidialverwaltung bloss Verhandlungstaktik ist, ein Machtkampf bleibt oder zur Realität wird, bleibt unklar.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern
1 / 54
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern

Von ihrem Nachbarn überfallen, kämpft die Ukraine ums Überleben. In dieser Bildstrecke schauen wir auf die Ereignisse seit der Invasion Russlands zurück ...

quelle: keystone / bo amstrup
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kurz vor Parade in Moskau: Ukraine soll schwere Angriffe gegen Russland gestartet haben
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
9
Golf statt Gebet: Trump stösst seine Fundamentalisten-Fans vor den Kopf
In Washington feiern Tausende von Gläubigen den 250. Geburtstag des Landes. Und behaupten, dass die USA eine christliche Nation seien. Warum blieb der Präsident diesem Grossevent fern?
Donald Trump hatte am Sonntag zwei Möglichkeiten, seinen freien Tag zu geniessen. Die erste Option: Quasi vor seiner Haustüre, auf der National Mall, fand eine religiöse Veranstaltung statt, organisiert von seiner Regierung. Tausende von Christen feierten in der herrlichen Parkanlage in der Mitte der amerikanischen Hauptstadt den 250. Geburtstag der Unabhängigkeitserklärung. Und verwischten dabei bewusst die Grenze zwischen Religion und Staat.
Zur Story