Bericht zeigt, wie ein Kriegsende aus russischer Sicht aussehen kann
Die Frontlinie bewegt sich kaum. Die vom Westen verhängten Sanktionen wirken sich auf die Wirtschaft aus. Ukrainische Drohnenangriffe bringen den Krieg in russische Städte. Der Krieg, in dem schon Tausende junge Russen gestorben sind, bringt Putin immer mehr unter Druck. «Wir müssen wissen, wann Schluss ist», heisst es in einer Präsentation der Präsidialverwaltung, welche vom Investigativmedium Dossier Center geleakt wurde.
Der politische Block der russischen Machtelite sei besorgt über die Entwicklung an der Front und in der Wirtschaft, schreibt «Dossier Center». Seit Februar 2026 wurde deshalb daran gearbeitet, ein mögliches Kriegsende zu skizzieren. Das als am plausibelsten erachtete Szenario geht von einem Abkommen mit den USA, der Ukraine und ein wenig Propaganda aus.
Was steht drin?
In diesem Szenario werden laut «Dossier Center» die Oblaste Donezk und Luhansk an Russland abgetreten und die Oblaste Cherson und Saporischja entlang der Frontlinie aufgeteilt. Russische Streitkräfte würden sich im Gegenzug aus Sumy und Charkiw zurückziehen. Die EU-Sanktionen blieben bestehen, während die der USA aufgehoben würden. Auch die ukrainische Regierung in Kiew bliebe an der Macht.
Damit man dieses Kriegsende der russischen Bevölkerung trotz Nichteinhaltens von definierten Kriegszielen als Sieg verkaufen kann, braucht es eine Kommunikationsstrategie. Der Krieg soll als Erfolg verkauft werden und Ziele sollen rückwirkend nach unten korrigiert werden. Potenziell kritische Stimmen, wie die nationalistischen Militärblogger, sollen mit Androhung von Gefängnisstrafen auf Linie gebracht werden.
Was bedeutet das nun?
SRF vermutet, dass der Bericht ohne Putins Wissen erstellt wurde. Bei den Verfassern handle es sich um Teile der Eliten, welche ein Kriegsende für möglich und wünschenswert halten. Sie waren es auch, die den Krieg weder erwartet noch gewollt hatten. Der geleakte Bericht kann als Versuch verstanden werden, Putin zu einem Kurswechsel zu bewegen.
«Dossier Center» betont, dass die Präsentation keinen Einfluss auf die laufenden Verhandlungen habe. Vielmehr zeige sich an diesem Dokument der anhaltende Machtkampf zwischen dem politischen Block, in Form der Präsidialverwaltung, und dem russischen Geheimdienst FSB.
Etwas anders beurteilt das US-Analyseinstitut Institute for the Study of War (ISW) das Dokument. Demnach könnte dieses bewusst geleakt worden sein, um russische Verhandlungsbereitschaft über Territorien zu signalisieren. Die Präsidialverwaltung stelle dieses Szenario fälschlicherweise als grosses Zugeständnis dar. Laut dem «ISW» sei es unwahrscheinlich, dass die russische Armee den gesamten Oblast Donezk kurz- bis mittelfristig militärisch einnehmen wird.
Ob das «wahrscheinlichste Szenario» der russischen Präsidialverwaltung bloss Verhandlungstaktik ist, ein Machtkampf bleibt oder zur Realität wird, bleibt unklar.
