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Russland

Verdacht auf Kriegsverbrechen – russische Brigade wirft Gas-Granaten ab

Eine Drohne und ein K-51-Gasbehälter (Archivbild). Eine russische Brigade soll diese Reizgaskanister bei Krynky eingesetzt haben.
Eine Drohne und ein K-51-Gasbehälter (Archivbild). Eine russische Brigade soll diese Reizgaskanister bei Krynky eingesetzt haben.Bild: Ukrainischer Grenzschutz

Verdacht auf Kriegsverbrechen – russische Brigade wirft Gas-Granaten ab

Russlands Armee hat offenbar am Dnipro-Ufer in der Ukraine Reizgas eingesetzt. Eine militärische Einheit rühmte sich damit zunächst auf Telegram – und versuchte es dann zu vertuschen.
25.12.2023, 20:53
Thomas Wanhoff / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Die 810. Marine-Infanterie-Brigade der russischen Armee hat offenbar Gas gegen ukrainische Soldaten eingesetzt. Auf dem Telegramkanal der Brigade hatte es zunächst geheissen, dass man K-51-Aerosol-Granaten in Krynky verwendet habe.

Die Verwendung der Granaten wurde als «radikaler Wechsel in der Taktik» bezeichnet, berichtet das amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW). Die Munition sei mit Drohnen über ukrainischen Stellungen abgeworfen worden. Später wurde die Nachricht offenbar abgeändert und der Hinweis auf die K-51-Granaten herausgenommen, Screenshots wurden aber in anderen russischen Kanälen geteilt.

«Die Taktik, K-51-Granaten von Drohnen aus auf feindliche Stellungen abzuwerfen, wurde erfolgreich getestet und angewandt, um sie aus befestigten Stellungen auszuräuchern», hiess es in der Originalversion des Beitrags vom Freitag.

K-51-Granaten sind mit CS-Reizgas gefüllt, wie es auch von der Polizei bei Demonstrationen eingesetzt wird. Die Verwendung im Krieg verstösst gegen die Konvention zum Einsatz von Chemiewaffen (CWC). Die Kanister bestehen aus einer Kunststoffhülle und einem Metallboden.

Was gilt gemäss der Chemiewaffen-Konvention?

Auf der Webseite Organisation zur Überwachung der Konvention heisst es:

«Ein Aufruhrbekämpfungsmittel ist definiert als jede Chemikalie, die nicht in einer Chemiewaffen-Liste aufgeführt ist und die beim Menschen rasch Reizungen der Sinnesorgane oder körperliche Beeinträchtigungen hervorrufen kann, die innerhalb kurzer Zeit nach Beendigung oder Exposition verschwinden. Die Verwendung von Aufruhrbekämpfungsmitteln als Methode der Kriegsführung ist nach dem CWC verboten.»
Das Gebäude der OPCW, die die Chemiewaffenkonvention überwacht.
Das Gebäude der OPCW in Den Haag, die die Chemiewaffenkonvention überwacht.Bild: OPCW

Ein russischer Militärblogger kritisierte laut ISW indirekt die 810. Marine-Infanterie-Brigade. Sie hätte die Taktik öffentlich gemacht und man könne darauf schliessen, dass die russischen Streitkräfte möglicherweise beabsichtigen, Gasgranaten auch an anderen Stellen der Front einzusetzen.

Der Einsatz von K-51-Granaten ist nicht der Erste in der Ukraine. Im März wurden nach Angaben der Militärwebseite «Militarnyi» bereits in Luhansk von ukrainischen Grenzschutztruppen russische Drohnen gefunden, die solche Kanister getragen hatten. Auch aus anderen Gebieten wurden zuvor Gaswolken gemeldet, die offenbar aus Reizgas bestanden.

Die Region um das Dorf Krynky am linken Ufer des Flusses Dnipro wird derzeit hefdtig umkämpft. Ukrainische Truppen haben sich dort festsetzen können, treffen aber auf heftigen Widerstand russischer Truppen. Kiew will von dort aus die Landverbindung zur Krim erreichen.

Quellen

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mondblüemli
25.12.2023 22:44registriert Oktober 2021
Russland verstösst gegen die Konvention zum Einsatz von Chemiewaffen.
Nein?
Doch!
Oh…
557
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banda69
26.12.2023 04:34registriert Januar 2020
Die russischen Terroristen begehen seit zwei Jahren Kriegsverbrechen in der Ukraine.
376
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The Destiny // Team Telegram
26.12.2023 02:37registriert Mai 2014
K-51-Granaten sind mit CS-Reizgas gefüllt, wie es auch von der Polizei bei Demonstrationen eingesetzt wird. Die Verwendung im Krieg verstösst gegen die Konvention zum Einsatz von Chemiewaffen (CWC).

Was ist die Begründung dahinter, dass es gegen Zivilisten kein Problem ist, aber im Krieg schon?
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