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Sonntagsnews: Schweizer Spitäler sind langfristig nicht überlebensfähig

Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Z
Die Schweizer Spitäler schaffen es nicht ohne staatliche Hilfe.Bild: sda

Schweizer Spitäler sind langfristig nicht überlebensfähig – das sind die Sonntagsnews

Die Schweizer Spitäler rentieren einfach nicht, Senioren werden mit fragwürdigen Mitteln ruhig gestellt und die Schweizer Wirtschaft ist weniger von Deutschland abhängig: Diese News finden sich in den Sonntagsnews.
04.08.2024, 08:56
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Tausende Senioren werden immer noch an ihr Bett fixiert

Fixiergurte und Bettgitter sind nicht aus Schweizer Pflegeheimen verschwunden. Schweizweit hatten 2021 mindestens 3300 Seniorinnen und Senioren ein Bettgitter, wie «SonntagsBlick» basierend auf Daten des Bundesamts für Gesundheit aus dem Jahr 2021 schrieb. Rund 680 Personen seien mit einem Gurt fixiert worden. Der Grossteil der Heime verzichtete demnach auf die Massnahmen, die nur in Ausnahmen erlaubt sind. Doch 80 der erfassten 1300 Heime schränkten zehn Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ein. In 15 Heimen seien Gurte und Bettgitter bei 20 bis 50 Prozent der Bewohnenden zum Einsatz gekommen. Vor allem private Pflegeheime in der Westschweiz und dem Tessin griffen auf die Massnahmen zurück, wie die Zeitung schrieb.

Die Schweizer Spitäler sind langfristig nicht überlebensfähig

Keines der in einer Studie untersuchten Schweizer Spitäler hat sich als überlebensfähig erwiesen. Die Herausforderungen seien «im aktuellen Umfang bisher unbekannt», zitierte die «NZZ am Sonntag» das Beratungsunternehmen PWC aus seiner Studie zur Gesundheitsbranche. Im Median lag die Ebitar-Marge demnach bei 3,6 Prozent. Sie sei so tief wie seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung 2012 nicht mehr. Um profitabel zu sein, müsste beim Betriebsgewinn vor Abzügen eine Marge von 10 Prozent erzielt werden. Hauptgrund für die finanzielle Schieflage sei, dass die Tarife die Kosten seit Jahren nicht mehr decken würden.

Staatsverweigerer in Zürich sollen künftig überwacht werden

Die Kantonspolizei Zürich hat beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) einen Antrag zur Überwachung von Staatsverweigernden gestellt. Das entnahm die «NZZ am Sonntag» einem Dokument des NDB. Ein solches Prüfverfahren würde eine starke nachrichtendienstliche Beobachtung der betroffenen Personen mit sich ziehen, schrieb die Zeitung. Der Nachrichtendienst dürfte dann «alle erforderlichen Informationen», auch über die Ausübung der Meinungs- sowie Versammlungsfreiheit, beschaffen. Normalerweise sei dies dem NDB untersagt. Staatsverweigernd bedeute, dass der Staat als illegitim oder als private Firma angesehen werde. Zum Antrag aus Zürich habe sich der NDB nicht äussern wollen.

Ermittlungen nach Explosionen auf Ruag-Gelände

Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen nach einer Explosion auf dem Ruag-Gelände in Schattdorf UR aufgenommen. Die Strafuntersuchung läuft gegen Unbekannt aufgrund der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase ohne verbrecherische Absicht und schwerer fahrlässiger Körperverletzung, wie die Bundesanwaltschaft «SonntagsBlick» bestätigte. Vor zwei Jahren war in Schattdorf die Granate eines Minenwerfers explodiert. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Ruag überprüfte laut eigenen Angaben die Prozesse nach dem Unfall. Der Rüstungskonzern sei «zu jedem Zeitpunkt den Pflichten als Arbeitgeber nachgekommen». Auch den Mitarbeitenden seien keine Vorwürfe zu machen.

Zürcher Staatsanwaltschaft: Verzicht auf Vincenz-Prozess ist «Rechtsverweigerung»

Die Staatsanwaltschaft Zürich hat in ihrer Beschwerde im Fall Pierin Vincenz dem Obergericht unter anderem die Verzerrung von Zitaten vorgeworfen. Der Prozess sei ohne sachliche Gründe aufgehoben worden, schrieb die Staatsanwaltschaft in einer Beschwerde zuhanden des Bundesgerichts, die der «SonntagsZeitung» vorlag. Die Aufhebung des Urteils sei eine Verzögerungstaktik. In der Sache nicht entscheiden zu wollen, entspreche einer «Rechtsverweigerung». Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Februar mitgeteilt, dass sie den Rückweisungsentscheid des Obergerichts im Fall des ehemaligen Raiffeisen-Chefs Vincenz nicht akzeptiere. Bis Ende Jahr wird gemäss der Zeitung ein Urteil des Bundesgerichts erwartet.

Rösti kritisiert Jans indirekt für EU-Meinungsbeitrag

Bundesrat Albert Rösti hat den Meinungsbeitrag seines Bundesratskollegen Beat Jans zu EU-Debatte kritisiert. Es sei wichtig, die Federführung in einem Dossier zu respektieren, sagte Rösti der «NZZ am Sonntag». In dieser Thematik sei Aussenminister Ignazio Cassis verantwortlich. Es sei zudem schädlich für die Verhandlungen, die Debatte öffentlich weiterzuführen. Brüssel würde mitlesen. Jans informierte Cassis gemäss eigenen Angaben bevor er den Meinungsbeitrag in der «Neuen Zürcher Zeitung» publiziert hatte. Er habe den Text mit der Verhandlungsdelegation, nicht aber mit dem Gesamtbundesrat abgesprochen. Die Verhandlungen seien durch den Beitrag nicht gestört worden, sagte er.

Badi-Krise wegen schlechten Wetters

Deutschschweizer Freibädern werden voraussichtlich eine schlechtere Badesaison als letztes Jahr verzeichnen. In Basel und Zürich sind die Besucherzahlen um rund 60 Prozent eingebrochen, wie «SonntagsBlick» schrieb. In Bern, St. Gallen und im Aargau seien bisher nur halb so viele Gäste in die Freibäder gekommen wie im Vorjahr. Auch ein prächtiger Spätsommer könne die Saison nicht mehr retten, schrieb die Zeitung. Leidtragend seien mitunter die Gastronomiebetriebe in den Freibädern. Im Kanton Zug rechne man bereits mit einer Umsatzeinbusse von rund 20 Prozent.

Schweizer Wirtschaft emanzipiert sich von Deutschland

Die Schweizer Wirtschaft hat sich seit der Corona-Pandemie von Deutschland abgenabelt. Das Schweizer Bruttoinlandsprodukt wuchs seit Ende 2020 um knapp acht Prozent, wie die «SonntagsZeitung» schrieb. Die deutsche Wirtschaftsleistung sei hingegen nur um 2,5 Prozent gewachsen. Die Redewendung «wenn Deutschland hustet, bekommt die Schweiz eine Grippe», stimme nicht mehr. Vor zwanzig Jahren seien über 20 Prozent der Exporte ins nördliche Nachbarland gegangen, heute seien es noch 15 Prozent der Exporte. Auch der Immobiliensektor, die Finanzindustrie und der Tourismus würden weniger von Deutschland abhängen.

Schweizer Detailhändler sind nicht Autismus-freundlich

Schweizer Läden sind im Gegensatz zu Detailhändlern im Ausland noch kaum auf die Bedürfnisse von Personen mit Autismus eingegangen. In immer mehr Läden im nahen Ausland gibt es die Stille Stunde, wie die «SonntagsZeitung» schrieb. Die Musik werde zwischenzeitlich ausgeschaltet, das Licht gedimmt und die Regale nicht eingeräumt. In der Schweiz gebe es dieses Angebot in 13 Spar-Filialen. Coop kündigte an, die Stille Stunde testen zu wollen, verzichtete aufgrund interner Überlegungen im «grösseren Kontext des Themas Inklusion» aber darauf. Weitere Detailhändler planten keine Stille Stunde. Rund 1 bis 3 Prozent der Schweizer Bevölkerung gehören nach Schätzungen des Vereins Autismus Schweiz dem Autismus-Spektrum an. (sda/con)

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94 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Glücklich
04.08.2024 09:15registriert August 2022
‚Badi-Krise wegen schlechten Wetters‘ - ‚Leidtragend seien mitunter die Gastronomiebetriebe in den Freibädern‘

Ich bin fast täglich in der Badi, da ich gerne Schwimme und direkt neben der Badi wohne. Die Besucherzahlen sind bei uns gut aber der Konsum im Badi- Resti schlecht. Dies verwundert aber auch nicht, denn die Preise sind hoch, Qualität des Essens unakzeptabel und die Auswahl beschränkt sich auf ungesunden Fast Food. Habe 2 mal dort gegessen, seither nehme ich mein Essen mit. Auch kostet ein 0,5l Wasser CHF 4,50, sorry aber welche Familie kann sich das Leisten?
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Randy Orton
04.08.2024 09:47registriert April 2016
Machen wir doch einfach alle Spitäler, die keinen Gewinn machen zu. Wenn es keine Spitäler mehr gibt, gibt es auch keine Arzt- und Pflegekosten mehr, keine teuren Untersuchungen, keine überteuerten Medikamente die verschrieben werden - und alle Schweizer:innen sind glücklich, dass die Krankenkassenprämien jedes Jahr weiter fallen und unser bürgerliches Parlament frohlockt ob der Marktwirtschaft, die mal wieder alles geregelt hat.
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Pointless Piraña
04.08.2024 11:00registriert Dezember 2019
Ich habe immer noch nicht verstanden, warum Spitäler überhaupt rentieren sollen. Die Landwirtschaft oder der öffentliche Verkehr, Strassenbau oder Bildungswesen rentieren auch nicht und da ist es auch kein Problem, weil wir beschlossen haben, dass wir darauf angewiesen sind. Warum sollte es im Gesundheitswesen anders sein?
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