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Die Schweiz steht am häufigsten am Uno-Folter-Pranger – die Sonntagsnews

Die Schweiz steht am häufigsten am Uno-Folter-Pranger – die Sonntagsnews

Die Titlis-Bahnen haben eine frühere Nachrüstungsempfehlung des Gondel-Herstellers Garaventa nicht umgesetzt und die Schweiz ist weltweit am häufigsten mit Folter-Beschwerden bei der Uno konfrontiert – die Sonntagsnews.
22.03.2026, 07:4322.03.2026, 07:43

Schweiz steht am häufigsten am Uno-Folter-Pranger

Die Schweiz ist laut einer Auswertung der «SonntagsZeitung» weltweit am häufigsten mit Folter-Beschwerden bei der Uno konfrontiert gewesen. Sie habe sich in den letzten Jahren 133 Mal vor dem Uno-Ausschuss gegen Folter verantworten müssen. Die meisten Klagen stammten von abgewiesenen Asylsuchenden, die ihre Ausschaffung verhindern wollten und Foltergefahr geltend machten. Laut dem Staatsrechtsprofessor Markus Schefer von der Uni Basel bedeute dies nicht, dass es in der Schweiz besonders viele Menschenrechtsverstösse gebe. Vielmehr zeige die hohe Zahl, dass das Rechtssystem hierzulande funktioniere. «Es lohnt sich hier, eine Beschwerde einzureichen, weil die Entscheide der Uno hier ernst genommen werden», sagte Schefer zur «SonntagsZeitung». Ein weiterer Grund für die vielen Beschwerden sei die hohe Dichte an NGOs und spezialisierten Anwälten in der Schweiz sowie, dass Uno-Menschenrechtsverfahren hier relativ gut bekannt seien.

Titlis-Bahnen haben empfohlene Nachrüstung nicht umgesetzt

Die Titlis-Bahnen haben laut «SonntagsZeitung» eine nicht verpflichtende Nachrüstungsempfehlung des Herstellers Garaventa nicht umgesetzt. Diese sei nach einem ähnlichen Unfall 2019 bei der Rotenfluebahn an Betreiber verschickt worden. Damals wie beim aktuellen Unfall in Engelberg sei eine Gondel mutmasslich nach starkem Wind mit einem Mast kollidiert und vom Seil gerissen worden. Beide Anlagen nutzten denselben Klemmentyp, bei dem ein starkes Ausschwingen die Gondel aus dem Seil hebeln könne. Die Nachrüstung wäre laut Bericht mit einem Aufsatz an der Klemme erfolgt. Titlis-CEO Norbert Patt sagte der Zeitung: «Es war jedoch keine zwingende sicherheitsrelevante Aufforderung zur Nachrüstung.» Man habe daher keine Umrüstung vorgenommen, zudem habe der Hersteller in seiner Empfehlung nicht auf den Unfall von 2019 hingewiesen. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen besteht, sei derzeit unklar.

Titlis-CEO weist Druck-Vorwürfe in Branche von sich

Der technische Leiter der Titlis-Bahnen und weitere Mitarbeitende werden laut Aussagen von CEO Norbert Patt im «SonntagsBlick» nach dem Gondelunfall vom Mittwoch von einem Care-Team betreut. «Der technische Leiter trägt die Verantwortung und entscheidet final, ob die Anlage eingestellt wird oder nicht», sagte Patt im Interview mit der Zeitung. Diese fachliche Unabhängigkeit sei klar geregelt und werde konsequent respektiert. Er habe noch nie in solche Entscheide eingegriffen, Sicherheit stehe stets über wirtschaftlichen Überlegungen. Zu möglichen Fehlern des technischen Leiters mahnte er zur Vorsicht und sagte, dies werde derzeit überprüft. Die Stimmung im Betrieb sei gedämpft. Man habe im Intranet eine Kommunikationsplattform eingerichtet, über die sich das Team austauschen könne.

Hochschulen warnen vor SVP-Vorlage

Der Hochschulverband Swissuniversities warnt laut «SonntagsBlick» angesichts der «10-Millionen-Initiative» der SVP vor einer Schwächung des Bildungsstandortes Schweiz. Die Initiative schaffe Chaos in der Gesetzgebung, verunsichere Partner und schwäche Wirtschaft und Hochschulen, sagte Swissuniversities-Präsidentin Luciana Vaccaro im Interview mit der Zeitung. «Am Ende gibt es nur Verlierer.» Die SVP-Initiative, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt, drohe die sogenannte Guillotine‐Klausel auszulösen. Ab 9,5 Millionen Einwohnern müsste der Bundesrat die Zuwanderung massiv drosseln, ab 10 Millionen sogar internationale Verträge kündigen. «Erreichen wir die 10-Millionen-Grenze und müssten Verträge mit Personenbezug kündigen, riskieren wir erneut den Ausschluss aus Horizon Europe, Erasmus+, Digital Europe oder Euratom. Das wäre verheerend», warnte Vaccaro.

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Sexismus-Vorwürfe bei den GC-Frauen

Die GC Frauenfussball-Abteilung hat laut «SonntagsBlick» nach Vorwürfen gegen mehrere Funktionäre eine externe Untersuchung angeordnet. Demnach soll der frühere Sportchef Erich Vogel Spielerinnen zu sich nach Hause eingeladen haben, unter anderem für Vertragsgespräche und zur Ausbildung als Trainerinnen; strafrechtlich relevant seien die Vorwürfe nicht, würden jedoch von mehreren klubnahen Kreisen als unangemessen kritisiert. Weitere Vorwürfe beträfen Präsident Heinz Spross, der vor dem Team eine unangemessene Bemerkung zu einer Spielerin gemacht haben soll. Zudem sei der heutige Nachwuchschef der GC Frauen vom FCZ mit einem Stadionverbot belegt worden, wie der Klub der Zeitung bestätigte. Er dürfe Heimspiele der FCZ-Frauen in den Stadien Letzigrund und Heerenschürli nicht besuchen. In einer Stellungnahme im Namen von Geschäftsleitung und Vorstand erklärte Geschäftsführerin Lauryn Reuber: «Allfällige Verstösse gegen die Ethikrichtlinien des Schweizer Sports tolerieren wir nicht.»

Ex-CS-Präsident Rohner nicht mehr für jüdische Organisation tätig

Der frühere CS-Präsident Urs Rohner ist laut «NZZ am Sonntag» nicht mehr als Berater des World Jewish Congress tätig. Sein Name finde sich nicht mehr auf der Website des WJC. Laut seinem Sprecher sei das Gremium nie aktiviert worden und ein Treffen habe nie stattgefunden. Für Irritationen habe gesorgt, dass der frühere CS-Präsident im Juni 2023 vom WJC dafür gelobt worden sei, die CS zu einer neuen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit bewegt zu haben. Hintergrund seien Drohungen jüdischer Organisationen gegen die UBS mit Klagen wegen angeblich neu entdeckter Nazi-Konten bei Vorgängerbanken der Credit Suisse. Die UBS habe deshalb beim New Yorker Bezirksrichter Edward Korman die Bestätigung beantragt, dass der Globalvergleich von 1999 auch solche allfälligen neuen Enthüllungen abdecke. Ein entsprechendes Urteil würde die UBS vor weiteren Klagen schützen. Thomas Borer, der am damaligen Vergleich beteiligt gewesen sei, halte die Rechtslage für klar und sage, auch mögliche Täterkonten seien vom Vergleich erfasst.

Katastrophen und Smartphone: Forscher warnt vor Abkapselung

Die Häufung von Unglücken – Brandkatastrophe in Crans-Montana, Postautoanschlag in Kerzers und nun Gondelunglück in Engelberg – hat laut der «NZZ am Sonntag» die Bevölkerung zunehmend ermüdet. Zusammen mit der permanenten Ablenkung durch Smartphones komme es zu einer Abkapselung, wie Dirk Helbing, Professor für computergestützte Sozialwissenschaften an der ETH Zürich, der Zeitung erklärt habe. «Die Leute sind im Alltag unaufmerksamer geworden», wurde Helbing zitiert. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sie Unfälle auslösen oder im entscheidenden Moment nicht richtig handeln würden. Er sagte, bei der Wahrnehmung der Unglücke spielten die internationalen Krisen eine wichtige Rolle: die Kriege im Iran, in Gaza, im Sudan, die Verstösse gegen etablierte Regeln, der Aufstieg autoritärer Mächte. Früher habe die Schweiz sagen können, dass sie die grossen Probleme von sich fernhalten könne. Nun scheine die Welt vor der Haustür aus den Fugen zu geraten.

Weitere Vorwürfe gegen Basler Solar-Pleitier

Laurin Fäh ist laut «Le Matin Dimanche» mit zusätzlichen Vorwürfen der Urkundenfälschung konfrontiert worden. Die Genfer Staatsanwaltschaft habe die bisherigen Vorwürfe der ungetreuen Geschäftsbesorgung und des Vertrauensmissbrauchs entsprechend erweitert. Fäh ist Präsident von PrimeEnergy Cleantech, einer Basler Firma für Photovoltaikanlagen, deren Konkurs über 120 Millionen Franken von rund 2000 Kleinanlegern aus der Romandie betroffen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll eine persönliche Holdinggesellschaft Dutzende Millionen Franken zulasten der Anleger abgeschöpft haben. Fäh «bestreitet diese neuen Vorwürfe entschieden», zitierte die Zeitung seine Anwältin Fanny Margairaz. Der Geschäftsmann befinde sich seit September in Untersuchungshaft. Zudem sei er in der Vergangenheit in Basel-Landschaft bereits wegen Urkundenfälschung verurteilt worden, schrieb die Zeitung. (sda/con)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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K.A.T.E.R
22.03.2026 08:15registriert Februar 2025
mich persönlich hätte mehr interessiert in wievielen Fällen diese Folter Klagen als begründet betrachtet und den Klagenden Recht gegeben wurde anstatt der nicht weiter erklärten Anzahl Klagen.
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Barth Simpson
22.03.2026 08:18registriert August 2020
"Schweiz steht am häufigsten am Uno-Folter-Pranger"
Ich würde mal behaupten, hier muss bei der Erfassung der Folterfälle bei der Uno etwas ziemlich schräg laufen, dass die Schweiz diesbzüglich Spitzenreiter sein soll.
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«Titlis Xpress» ist nach tödlichem Unfall wieder in Betrieb
Die Seilbahn zwischen den Stationen Trübsee und Engelberg-Stand hat am Samstag erstmals seit dem tödlichen Gondel-Unfall den Betrieb wieder aufgenommen. Dies geht aus den Informationen auf der Internetseite der Anlage hervor.
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