«Sinwar»: Mutter in Zürich benennt Tochter nach totem Hamas-Chef – Stadt winkt Name durch
Eine Palästina-Aktivistin aus Zürich hat ihre Tochter nach dem ehemaligen Hamas-Chef benannt, wie laut der Sonntagszeitung aus einem mittlerweile gelöschten Instagram-Post von Ende Februar hervorging. Die Frau verbreitete demnach auch Inhalte der marxistisch-leninistischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Diese wird von der EU, den USA und Israel als Terrororganisation eingestuft, lehnt ein Existenzrecht Israels ab und verübt in dem Land immer wieder Anschläge. Laut Menschenrechtsorganisationen beteiligten sich PFLP-Kämpfer auch an dem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem die Extremisten 1200 Menschen töteten.
Wie das Zürcher Zivilstandsamt auf Anfrage der «Sonntagszeitung» erklärt, liege in diesem Fall keine Vorschrift vor, die die Ablehnung des Namens gerechtfertigt hätte. Deshalb wurde die Namensgebung durchgewunken. Laut der Zivilstandverordnung werden in Zürich nur Namen abgelehnt, die «die Interessen des Kindes» verletzten. Somit gibt es in Zürich eine hohe Toleranz für Fantasienamen, fremdsprachige Wörter als Namen oder auch Namen aus der Mythologie. 2025 sei nur ein einziger Name abgelehnt worden, welcher das war, ist nicht bekannt.
Wie das Amt gegenüber der Zeitung angibt, interveniere man insbesondere bei «widersinnigen» Einfällen und wenn der Name zu Missverständnissen führen könne. Beispielsweise, wenn ein Name nur aus einzelnen Ziffern oder Buchstaben besteht. Elon Musk hätte demzufolge hierzulande wohl Mühe gehabt, seinen Sohn X Æ A-Xii, den er nun einfach «X» nennt, entsprechend zu taufen.
Auch würden Namen untersagt, die «negativ besetzt» seien. So zum Beispiel Namen von Personen, die mit Völkermord oder Terrorismus in Verbindung stehen. Konkret werden «Hitler» oder «Breivik» genannt. Weshalb diese Richtlinie bei Baby Sinwar nicht zur Anwendung kam, ist nicht klar. Laut einer Rechtsprofessorin gibt es aber «eine sehr grosszügige Auslegung des Namenrechts in der Praxis», wie diese gegenüber der «Sonntagszeitung» sagt.
Yahya Sinwar war seit 2017 einer der Anführer des islamistischen Hamas im Gaza-Streifen. Nach dem Tod von Exil-Repräsentant Ismail Haniyya im Jahr 2024 stieg er auch zum politischen Führer der Terrororganisation auf. Sinwar gilt als Chef-Drahtzieher hinter dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober auf Israel, bei welchem über 1200 Menschen getötet und über 250 in den Gaza-Streifen verschleppt wurden. Sinwar versteckte sich danach während den israelischen Vergeltungsangriffen jahrelang in den Tunnels im Gazastreifen. Ende 2024 wurde er bei einem Feuergefecht von israelischen Soldaten getötet. Er gilt seither bei Islamisten als Märtyrer. (con)
